Eishockey: Dass er absolut willig ist, zeigt sich schon mal an diesem Mittag. Als Letzter verlässt Julian Kornelli den Fitnessraum in der Helios Arena, der Parkplatz hinter der Halle hat sich schon ordentlich geleert. Der Neuzugang der Schwenninger Wild Wings gibt Gas – und das bereits seit vielen Wochen. Der Rookie weiß um seine Chance bei den Neckarstädtern, denn die Deutsche Eishockey Liga war sein Ziel.

Vor ein paar Tagen erst ist Julian Kornelli 21 Jahre alt geworden und verbrachte seine bisherige Eishockey-Karriere komplett in Bad Tölz. Mit der Schülermannschaft des Klubs aus Oberbayern wurde er 2012/2013 Deutscher Meister. Zwei Jahre später absolvierte er seine ersten Einsätze bei den „Erwachsenen“ in der 3. Liga.

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In den vergangenen beiden Spielzeiten kam der Stürmer auf 91 Spiele in Liga 3 und DEL2 und verbuchte 28 beziehungsweise 25 Scorerpunkte. „Ich habe mich in den letzten Jahren sehr gut weiterentwickelt und immer einen Schritt nach vorne gemacht. Wenn dann das Angebot aus der DEL kommt, überlegt man natürlich nicht lange“, sagt Kornelli. Und unterschrieb deshalb in Schwenningen für zwei Jahre.

Doch nicht nur aus diesem Grund. Der Youngster sieht bei den Wild Wings eine gute Chance, sich tatsächlich in die DEL zu spielen. Auch er weiß um den seit letztem Jahr überall gelobten „Schwenninger Weg“. Kornelli: „Der Klub hat ja schon gezeigt, dass er gerade junge Deutsche an die DEL-Mannschaft heranführen möchte und auch kann. Das ist auch mein Ziel.“ Der junge Stürmer ist realistisch und weiß, dass er dieses Ziel nicht sofort erreichen wird. Immerhin ist der Schritt von der DEL2 bis in die höchste Klasse ein großer.

Schon die ersten Trainingseinheiten waren für den Linksschützen Neuland. Und zwar in allen Bereichen. Zwar kommt mit Torhüter Marco Wölfl ein zweiter Spieler von den Tölzer Löwen, doch bekannt war dieser dem „Neuen“ ebenso wenig, wie irgendein anderer Schwenninger Teamkollege.

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Aufgenommen wurde er aber bestens, wozu Kornelli selbst mit seiner sehr zugänglichen, freundlichen Art sicher auch selbst beigetragen hat. Ein vorteilhafter Charakterzug, der ihm das Eingewöhnen durchaus erleichtert. Doch auch die Wild Wings haben ihm den Weg geebnet, „steckten“ ihn in Tuningen in ein Haus mit Dominik Bittner und Stefano Giliati. „Das passt.

Die beiden sind, ebenso wie alle anderen, super Jungs“, sagt Angreifer. Immerhin sind die Lebensumstände für ihn ebenso neu. Das erste Mal lebt Julian Kornelli in seiner eigenen Wohnung und macht dabei nicht den Eindruck, als könnte er daran scheitern. Vielmehr hat er sich in den vergangenen Wochen schlau gemacht, was ihn in der neuen Umgebung erwartet. Da gibt es einiges. Konstanz und Villingen hat er sich bereits angesehen.

Viel freie Zeit bleibt im Moment ohnehin nicht, zumal der 21-Jährige auch noch einige Stunden in sein Studium investieren will. Nach dem Abitur war Julian Kornelli noch Oberligaspieler und sich damals nicht ganz sicher, wie sich seine Profikarriere entwickeln würde. Deshalb begann er ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Sportmanagement.

Dabei legt er einen ebenso großen Ehrgeiz an den Tag wie auf dem Eis, auch wenn das Lernen nun etwas in den Hintergrund tritt. Erste Priorität ist der nächste Schritt im Eishockey. „Natürlich habe ich jetzt einen Vertrag bei einem DEL-Club“, sagt er. „Das heißt aber nicht, dass ich auch gleich spielen werde.“ Sein Wille könnte ihm allerdings dabei helfen, dass es eher früher als später soweit sein wird.

„Ich werde bei jeder Übung im Training Vollgas geben, will Zweikämpfe gewinnen oder ein Tor schießen. Außerdem geht es darum, immer die richtige Einstellung zu zeigen und genau das zu machen, was die Trainer sehen wollen.“ Eine klare Ansage des jungen Mannes mit der Rückennummer 97, der sich der Hilfe seiner neuen Teamkollegen sicher sein kann und diese Unterstützung auch sehr gerne annimmt.

Eine gewisse Eingewöhnungszeit gesteht er sich zu, seine Erwartungen an die kommende Saison sind eher pragmatisch. „Ich glaube, dass es eine sehr anstrengende und schwierige Saison für mich wird“, meint Julian Kornelli, der auch eine Förderlizenz für den künftigen Kooperationspartner in der DEL2 hat.

„Aber ich will den Trainern zeigen, dass ich ein hungriger Spieler bin, der das Potenzial hat. Ich möchte ihnen mein bestes Eishockey zeigen und so viele DEL-Spiele wie möglich machen. Am Ende der Saison möchte ich viel weiter sein als jetzt und mich an das DEL-Niveau angepasst haben.“

Für sein neues Team setzt er die Ziele schon etwas deutlicher an. Die erste Playoff-Runde soll es schon sein. „Ich bin da sehr optimistisch, dass wir das schaffen und vielleicht sogar ein bisschen mehr“, so Kornelli.

Und freut sich auf den Freitag, wenn er 18.30 Uhr in der Helios Arena erneut völlig Neues erleben wird. „Ich habe gehört, dass zum ersten öffentlichen Eistraining schon an die 2000 Fans kommen. Das hat mich sehr überrascht und ich freue mich unglaublich drauf.“