Fußball: Historisches WM-Aus für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw flog in Russland bereits nach der Vorrunde aus dem Turnier. Etliche Fußball-Experten im Schwarzwald hatten das Desaster kommen sehen, wie unsere SÜDKURIER-Umfrage zeigt.

Mario Ketterer (Sportlicher Leiter FC 08 Villingen): „Ich bin stinksauer. Diese WM war einfach nur peinlich. Wenn man bedenkt, was die Trainer und Spieler verdienen, müssten sie als Entschuldigung 100 Sozialstunden leisten. Schließlich sind das Vorbilder für Millionen von Kindern. Schon die Vorbereitung war katastrophal. Da war null Planung zu sehen. Das Organisationsteam hat schlechte Arbeit geleistet, und am Ende war mal wieder das Hotel schuld. Die Konzeptlosigkeit setzte sich auf dem Platz fort. Joachim Löw darf auf keinen Fall Bundestrainer bleiben. Wahrscheinlich hat er den Vertrag kurz zuvor verlängert, damit er nun eine hübsche Abfindung kriegt. Auch Oliver Bierhoff muss weg mit allen, die an dieser schlimmen WM beteiligt waren.“

Kuno Kayan (Vorsitzender Bezirk Schwarzwald): „Die deutsche Mannschaft ist verdient rausgeflogen. Die Spielweise war in allen drei Partien zu pomadig. Die richtige Einstellung hat gefehlt. Ich habe nie den unbedingten Wille gesehen, dass die Mannschaft ein Spiel auch tatsächlich gewinnen will. Nun muss ein Umbruch erfolgen. Es muss ein anderer Trainer her, der ein anderes Spielsystem praktiziert. Innerhalb der Mannschaft müssen ein paar Arrivierte verabschiedet werden. Dafür müssen junge, hungrige Spieler her.“

Matthias Hoppe (Eishockey-Legende Wild Wings): „Die Pleite war abzusehen. Das begann schon mit der schwachen Vorbereitung. Solche desolaten Auftritte wie gegen Österreich und Saudi Arabien lassen sich nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln. Joachim Löw hat den Kader falsch zusammengestellt. Viele Spieler, denen er vertraute, haben schon alles gewonnen und waren satt. Er hätte auf Fußballer setzen müssen, die unbedingt Weltmeister werden wollen. Die Verunsicherung war mit Händen zu greifen. Die Verantwortung wurde hin- und hergeschoben. Als Konsequenz müsste Löw seinen Hut nehmen. Es müssen neue Impulse her. Ganz Deutschland liebt dieses Spiel. Fußball ist bei uns klar die Nummer eins. Deshalb ist das frühe WM-Aus umso schlimmer.“

Marcel Yahyaijan (Trainer FC 08 Villingen II): „Das Spiel gegen Südkorea war gar nichts, und auch die ersten beiden Partien waren alles andere als herausragend. Meiner Meinung nach hätte Joachim Löw mehr auf junge, hungrige Spieler wie Sané, Reus und Goretzka setzen sollen, die noch keine Weltmeister sind. Die erfahrenen Spieler wie Özil, Khedira und Müller haben nicht mehr den notwendigen Ehrgeiz gezeigt. Die Mannschaft hat es nicht geschafft, gegen kompakt stehende Gegner Lösungen zu finden und fußballerisch enttäuscht. Ich würde den Trainer aber nicht infrage stellen, Ich traue Joachim Löw zu, einen Umbruch mit jüngeren Spielern zu schaffen.“

Simon Danner (Stürmer Schwenninger Wild Wings): „Ich bin ein Mann der positiven Worte, aber nach dem WM-Aus fällt mir das schwer. Ich bin bedient, weil die Niederlage völlig unnötig war. Gegen Südkorea hatte das Team viel Ballbesitz, aber kaum echte Chancen. Bin ich überrascht? Jain! Die Qualität in der Mannschaft ist allemal da. Daher fällt es mir schwer, einen Grund für das Scheitern zu finden. Vielleicht war der „Drops“ der Weltmeister bereits gelutscht und Löw hätte mehr auf junge Spieler setzen sollen. Schon die Vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass Löw neue Akzente hätte setzen müssen.“

Markus Knackmuß (Trainer FC Furtwangen): „Ich war furchtbar enttäuscht von der Aufstellung gegen Südkorea. Obwohl sie bereits gegen Mexiko schlecht gespielt hatten, standen Khedira und Özil erneut in der Startelf. So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Wenn Hummels und Süle hinten nicht so gut gestanden hätten, wäre die Niederlage noch höher ausgefallen. Die Mannschaft wirkte ideenlos und hatte keine Lösungen. Für mich ist das frühe Ausscheiden das Resultat des vorausgegangenen Jahres. Schon die letzten fünf, sechs Vorbereitungsspiele waren schlecht. Damals wurde alles schön geredet. Nun folgte die Quittung. Im Kader waren zu viele Spieler, die von der vergangenen Bundesliga-Saison total gefrustet waren, weil es bei ihnen nicht lief. Ich denke nur an Thomas Müller. Es muss und wird einen Umbruch geben. Schon bei der Europameisterschaft in zwei Jahren wird ein Großteil dieser Spieler nicht mehr dabei sein.“