Fußball-Landesliga: Wenn man Gildas Asongwe auf und neben dem Platz mit seinen Schonacher Mannschaftskollegen sieht, hat man das Gefühl, dass er schon ewig dabei ist. Der 26-Jährige, der in der aktuellen Landesliga-Saison bereits sieben Treffer erzielt hat, ist schnell angekommen im Schwarzwald. „Gildas ist sehr beliebt in der Mannschaft und hat sich toll integriert. Alle sind froh, dass er hier ist“, sagt FC Schonachs Trainer Alex Fischinger über den Stürmer. Dass Asongwe nun hier lebt, in einem Winterdorf im Süden Deutschlands, war lange Zeit nicht abzusehen.

Geboren in Kamerun, aufgewachsen in den USA, zum Studieren nach Dänemark und plötzlich im Profifußball aktiv – Gildas’ Geschichte liest sich wie ein Abenteuerroman. Nach einigen Umzügen in der Kindheit entschied sich Asongwe dazu, nach Europa zu gehen. Sein bester Freund war bereits an der Universität von Aarhus eingeschrieben und so wagte auch der damals 17-Jährige den Sprung nach Skandinavien. Neben dem IT-Studium wurde in der Uni-Liga gekickt. Dank seiner guten Technik und Dynamik machte Gildas schnell auf sich aufmerksam, und schon bald nahm ein Scout eines dänischen Zweitligisten Kontakt zu ihm auf. Nach nur einem Pflichtspiel für den neuen Verein zog sich der Torjäger, der eigentlich als defensiver Mittelfeldspieler angefangen hatte, eine schwere Knieverletzung zu und musste acht Monate pausieren.

Da seine damalige Freundin ihr Studium in ihrem Heimatland Deutschland beenden wollte, kehrte der damals 20-Jährige Dänemark den Rücken. Den Profifußball hatte er weiterhin fest im Blick. Nach einigen Monaten in Berlin, in denen Asongwe ebenfalls Angebote von Profivereinen hatte, zunächst jedoch bei den jeweiligen Reservemannschaften hätte spielen müssen, ging es nach Freiburg. „Ich wollte alles auf eine Karte setzen und entweder schnell Profi werden oder aber mein Studium zu Ende bringen“, sagt Gildas mit Blick auf diese Zeit. Obwohl er sich bald darauf von seiner Freundin trennte, blieb Asongwe in Deutschland. Zunächst hielt er sich mit Nebenjobs über Wasser und kickte nur am Wochenende in einer Hobby-Liga. Dort fand er Freunde, die ihn zu ihrem Heimatverein mitnahmen – dem Kreisligisten FC Kollnau, für den früher auch der heutige Bundesliga-Trainer Heiko Herrlich einst seine Fußballschuhe schnürte.

Da er vom ungewohnten Hartplatz zunächst gar nicht begeistert war, brauchten die Verantwortlichen einige Zeit, um ihn zu überzeugen. Gildas versprach, ein halbes Jahr lang dem Verein zu helfen. Nach sechs Monaten, etlichen Asongwe-Toren und einem viel umjubelten Aufstieg stand der gebürtige Kameruner vor der nächsten Entscheidung. Sowohl Oberligist Bahlinger SC als auch Verbandsligist SV Waldkirch (damals noch mit Alex Fischinger als Trainer) wollten Gildas verpflichten. Aufgrund seines Aufenthaltsstatus hätte ihm Bahlingen einen Profivertrag anbieten müssen, was mit enormen finanziellen Verpflichtungen verbunden gewesen wäre. So machte das Fischinger-Team das Rennen, auch wenn Gildas in Waldkirch eigentlich nur mittrainieren wollte und er durch eine mögliche Hilfe seines neuen, gut vernetzten Trainers noch immer auf den Sprung in den Profifußball hoffte.

Aus den sechs Monaten, die Gildas Asongwe für seinen Aufenthalt in Waldkirch eingeplant hatte, wurden drei Jahre – zu groß waren die Bemühungen des Vereins, den Stürmer immer wieder aufs Neue zum Verbleib zu überreden. „Wenn jemand mich um etwas bittet, fällt es mir immer schwer, nein zu sagen“, sagt der gebürtige Kameruner. In diesen drei Jahren schoss Asongwe Waldkirch unter anderem mit zwei Toren im Finale gegen FC Bötzingen zum Südbadischen Pokalsieg und verschaffte den Elztälern so ein DFB-Pokalspiel gegen Greuther Fürth. „Ohne Gildas hätten wir den Pokal nicht gewonnen. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler mit einer Technik, die man in diesen Spielklassen normalerweise nicht zu sehen bekommt“, sagt sein damaliger und inzwischen heutiger Coach Alex Fischinger. Da Gildas zu dieser Zeit nicht wusste, ob er in Deutschland bleiben sollte oder überhaupt durfte und außerdem überlegte, sein IT-Studium doch noch abzuschließen, entschied er sich, trotz einiger Angebote, endgültig gegen den Profifußball.

Asongwe wechselte zum Freiburger FC, bei dem er sich nach einem Zusammenprall mit einem gegnerischen Abwehrspieler einen Schädelbasisbruch zuzog. Nach zwei Jahren ohne Fußball kam im Frühjahr der Anruf von seinem früheren Trainer Fischinger, der dem FC Schonach für diese Saison zugesagt hatte. Obwohl er Schonach bereits als „Winter-Nest“ kannte und kaltes Wetter eigentlich verabscheut, sagte Gildas zu. Mittlerweile wohnt er im 4000-Seelen-Dorf und arbeitet in einem örtlichen Unternehmen in der Produktion. „Ich bin ein offener Mensch und will oft etwas Neues versuchen. Ich sah in Schonach eine neue Herausforderung, der ich mich stellen wollte“, erklärt der „Neu-Teutone“.

In seinen erst 26 Jahren hat Gildas Asongwe schon einige Herausforderungen gemeistert. Es sieht ganz danach aus, als ob der Fußballer aus Kamerun auch diese bestehen wird.