Eishockey: Der Mann ist eine Institution im Schwenninger Eishockey. Was Matthias Hoppe sagt, hat Gewicht. Seit einigen Jahren analysiert der ehemalige Nationaltorhüter, der 17 Jahre bei den Wild Wings zwischen den Pfosten stand, für SÜDKURIER Online die Heimspiele und präsentiert seine Schwenninger Top Fünf. Nun zieht der 59-Jährige eine ganz persönliche Saisonbilanz und greift einige entscheidende Aspekte heraus.

Fazit: „Die Schwenninger haben eine überragende Runde gespielt, bei der nur noch das Sahnehäubchen fehlte: der Einzug ins Viertelfinale. Dabei war im Vorfeld nicht zu erwarten, dass die Spielzeit derart erfolgreich verlaufen würde. Ich kann mich noch gut an die Ereignisse im vergangenen Sommer erinnern, als die Personalpolitik des SERC von vielen Fans scharf kritisiert wurde. Die kämpferische Einstellung und taktische Disziplin waren überragend. Die Wild Wings sind weitgehend von der Strafbank weggeblieben. Die Stürmer arbeiteten viel nach hinten und scheuten auch die Zweikämpfe in den Ecken nicht. Viele Gegner haben sich schwer getan, die Schwenninger Defensive zu überlisten.“

Torquote: „Die Wild Wings haben mit 123 Toren die wenigsten Treffer aller 14 DEL-Mannschaften erzielt. Das liegt nicht unbedingt an den Stürmern, sondern am Umschaltspiel. Der Wechsel von Abwehr auf Angriff muss besser werden. Wir haben zwar pfeilschnelle Stürmer, aber zu wenige Verteidiger, die darauf programmiert sind, den Puck sofort vor das gegnerische Tor zu bringen. Dort entsteht die größte Gefahr, denn es gibt Abpraller und die Möglichkeit zu Nachschüssen. Daraus resultieren im Eishockey die meisten Tore. So ist auch zu erklären, dass die Schwenninger Defensivspieler, mit Ausnahme von Mirko Sacher, kaum Scorerpunkte gesammelt haben. Die Abschlussqualität muss besser werden.“

Bully: „In der Summe haben die Wild Wings mehr Bullys verloren als gewonnen. In der DEL belegen die Schwenninger in dieser Statistik den letzten Platz. Dabei sind Bullygewinne enorm wichtig, denn sie garantieren Puckbesitz. Wenn ein Faceoff bei eigener Überzahl im gegnerischen Abwehrdrittel verloren wird, muss eine Mannschaft wieder komplett neu aufbauen und verliert viel Zeit. Das Anspiel ist für mich elementar. Bullygewinne sind kein Zufall. Es gibt viele Spieler, die das extra trainieren.

Playoffs: „Die Wild Wings waren in beiden Spielen gegen Wolfsburg auf Augenhöhe mit dem Gegner. Der große Unterschied zwischen beiden Mannschaften war das schnelle Umschaltspiel der Grizzlys von Abwehr auf Angriff. Die Wolfsburger Verteidiger haben den Puck gnadenlos vor unser Tor gebracht. So schnell konnten die Schwenninger Abwehrspieler gar nicht reagieren, wie schnell die Scheibe wieder vor unserem Kasten war. Das haben die Grizzlys gezielt trainiert.“

 

Und hier sind Hoppes Top Fünf

Dustin Strahlmeier
Dustin Strahlmeier | Bild: Kai Blandin

Dustin Strahlmeier: Der Torhüter war der überragende Schwenninger in dieser Saison. Seine Leistung war extrem konstant. Am Boden macht Strahlmeier mit seinen Torwartschienen selbst die kleinsten Lücken zu. Wenn er freie Sicht hat, fängt er den Puck sicher und lässt kaum Nachschüsse zu. Er strahlte auf seine Vorderleute Ruhe aus und glänzte mit vielen „big saves“. Der 25-Jährige wurde zurecht zum DEL-Torhüter des Jahres gewählt.

Marco Wölfl
Marco Wölfl | Bild: Kai Blandin

Marco Wölfl: Der 24-Jährige stand zwar nur neun Spiele zwischen den Pfosten, verbuchte aber zwei Shutouts. Spiele ohne Gegentore sind das Sahnehäubchen für jeden Schlussmann. Wenn Wölfl gebraucht wurde, war er sofort bereit und zeigte eine gute Leistung. Was für mich als ehemaligen Torhüter noch wichtiger ist: Wölfl ist ein vorbildlicher Backup und kein Stichelheimer, der im Team für Unruhe sorgte. Wie wichtig das ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Mit Rudi Hipp hatte ich auch einen Backup, der loyal zu mir stand und mir bedingungslos den Rücken stärkte.

Will Acton
Will Acton | Bild: Kai Blandin

Will Acton: Der Kapitän war ein hervorragender Leader der Mannschaft. Acton wurde einmal mehr seinem Ruf als Tormaschine und Scorer gerecht. Er übernahm auf dem Eis Verantwortung und war auch menschlich ein Vorbild. Acton zeichnete sich durch eine beeindruckend hohe Qualität aus, war technisch, läuferisch und im Abschluss top.

Markus Poukkula
Markus Poukkula

Markus Poukkula: Der Finne spielte eine überragende Saison. Das war nach seiner langwierigen Schulterverletzung nicht unbedingt zu erwarten. Poukkula hat auf dem Eis auch viel einstecken müssen und ging dorthin, wo es wehtut. Er spielte technisch brillant und war auch im Torabschluss gigantisch.

Mirko Sacher
Mirko Sacher | Bild: Kai Blandin

Mirko Sacher und Mirko Höfflin: Die letzte Position meiner Top Fünf möchte ich auf zwei Spieler verteilen. Das liegt vor allem daran, dass Mirko Sacher aufgrund einer Verletzung am Sprunggelenk nur eine halbe Saison zum Einsatz kam. Der Verteidiger ist für mich der Aufsteiger des Jahres. Er ist technisch, läuferisch und kämpferisch stark. Sacher ist dynamisch und torgefährlich beim Abschluss. Ich habe selten zuvor solch einen starken Verteidiger in Schwenningen gesehen.

Mirko Höfflin
Mirko Höfflin

Mirko Höfflin hat mich positiv überrascht. Der Neuzugang spielte als Mittelstürmer eine ausgezeichnete Rolle und sorgte in seiner Reihe für hohes Tempo. Ich habe kein richtig schwaches Spiel von ihm gesehen. Höfflin hat immer mindestens 90 Prozent gebracht und viele Checks weggesteckt.

 

Der aktuelle Kader

Zwölf Spieler stehen bisher im Wild Wings-Kader für die Saison 2018/19 fest:

Tor: Dustin Strahlmeier (Vertrag bis 2019)

Abwehr: Dominik Bittner (2019), Benedikt Brückner (2019), Mirko Sacher (2019)

Angriff: Will Acton (2019), Istvan Bartalis (2019), Markus Poukkula (2019), Simon Danner (2020), Marc El-Sayed (2019), Mirko Höfflin (2019), Marcel Kurth (2019) und Tobias Wörle (2019)

Cheftrainer: Pat Cortina (2020); Co-Trainer: Petteri Väkiparta (2020), Torwart-Trainer: Ilpo Kauhanen (2020)

Manager: Jürgen Rumrich (2019)