Eishockey: Ausländische Eishockeyprofis sind normalerweise im Sommer selten an jenem Ort, in dem sie im Winter ihr Geld verdienen. Bei Jussi Timonen war und ist es insofern ein etwas anderer Sommer. Der Verteidiger der Schwenninger Wild Wings ist eben nicht wie viele seiner Kollegen nach dem Saisonende im März in sein Heimatland gereist. Vielmehr ist der Finne seither mit seiner Familie in Villingen. Zwei seiner drei Töchter gehen ganz regulär in die Schule, die älteste auf das Schwenninger Deutenberg-Gymnasium, die mittlere auf die Warenbergschule. Die Jüngste fühlt sich derweil im Waldkindergarten pudelwohl.

Familie Timonen ist im Schwarzwald mehr als angekommen. „Wir fühlen uns hier schon richtig zuhause“, sagt der Papa und fügt an: „Wir genießen die tolle Natur, sind viel draußen unterwegs.“ Der 34-Jährige fährt seine Töchter morgens zur Schule und holt sie auch wieder ab. Oder er bringt die beiden älteren Töchter zum Turnen. Langweilig wird es Jussi Timonen also eher nicht. „Wenn ich jetzt in Finnland wäre, hätte ich sicher mehr Langeweile“, sagt er lachend. Sind seine Mädels erst einmal „versorgt“, nutzt er die Zeit zum Training. Nur eine Woche nach dem Aus der Wild Wings in der ersten Playoff-Runde hat er die Beine hochgelegt, dann ging es schon wieder los. „Ich trainiere gerne“, sagt Timonen. „Morgens gehe ich Radfahren oder in den Fitnessraum in der Helios Arena. Dort sind wir eine kleine Trainingsgruppe und arbeiten zusammen.“ Zu jener Gruppe gehören Marc El-Sayed, Benedikt Brückner, Mirko Sacher und Kai Herpich, die unter der Anleitung von Fitnesstrainer Hendrik Kolbert an den Grundlagen für die kommende Saison arbeiten.

Die neue Spielzeit wird in Schwenningen Anfang August so richtig „eingeläutet“, wenn es in der Helios Arena wieder aufs Eis geht. Dann auch mit zwei Neuzugängen aus der finnischen Liga, Ville Korhonen und Philipp McRae. „Ich kenne beide nicht persönlich, aber ich habe gegen sie schon gespielt“, so Timonen. Mit Korhonen erhöht sich die Zahl der Finnen im Wild-Wings-Team auf sechs. „Ein weiterer Finne in der Mannschaft kann sicher nicht schaden“, meint Timonen lächelnd. „Aber viel wichtiger ist, dass sie gut zu uns passen.“

Der erfahrene Verteidiger sieht den Abgang von Topscorer Will Acton und Damien Fleury ganz entspannt. „Das ist so im Eishockey. Jede Saison gehen einige Spieler und andere kommen. Ich bin trotzdem sehr optimistisch, dass wir nächste Saison genauso gut sein können, wie in der letzten. Wir haben hier etwas aufgebaut und das werden wir fortführen.“ Dazu will Jussi Timonen seinen Teil beitragen. „Ich sehe die DEL und auch die Wild Wings immer noch als tolle Herausforderung, deshalb habe ich meinen Vertrag auch gerne verlängert.“ Als „Senior“ im Team – er wird nächste Woche 35 Jahre alt – geht es dem Finnen vor allem darum, den Jüngeren mit gutem Beispiel voranzugehen. „Ich bin kein Spieler, der allzu viel redet“, sagt er und überrascht damit den geneigten Zuhörer keineswegs. „Aber ich will durch meine Leistung und meine Einstellung ein Vorbild sein.“

Vorbild sein für die Trainingskollegen kann auch bedeuten, dass der Urlaub etwas kürzer ausfällt. Eine Woche war die Familie in den Pfingstferien zu Hause, in den anstehenden Sommerferien hat der Vater keine Zeit. Wenn die Töchter in gut vier Wochen schulfrei haben, beginnt bei den Wild Wings die neue „Eiszeit“. Ob Ehefrau Hanna mit den Kindern dann nach Finnland reist, ist bislang noch offen. „Wir können auch hier viel unternehmen, genießen die gemeinsame Freizeit. Letztes Wochenende waren wir zum Beispiel wandern in der Wutachschlucht. Das war großartig“, berichtet Timonen. Nur mit Wandern sind die Töchter im Alter zwischen drei und 13 Jahren aber natürlich nicht zufriedenzustellen. Ein bisschen mehr Action darf schon sein. „Vor einiger Zeit waren wir auf der Sommer-Rodelbahn, das fanden die Mädchen extrem klasse. Ich denke, das werden wir wiederholen müssen“, fügt der Papa lachend an.