So manch einer der mehr als 2000 Zuschauer mag sich am Sonntag im Villinger Friedengrund vorgekommen sein wie einst vor dem Fernseher beim WM-Halbfinale 2014. Damals deklassierte Deutschland die Brasilianer mit 7:1. Viele trauten ihren Augen nicht und waren sich bis zum Schlusspfiff nicht 100-prozentig sicher, ob das Ergebnis auch der Wirklichkeit entsprach. Mit einem ähnlichen Resultat fegten die Oberliga-Fußballer des FC 08 Villingen den Vizemeister der Hessenliga, FC Bayern Alzenau, vom Platz. Auch das 8:1 war schier unglaublich.

Es gibt noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen der damaligen deutschen Nationalmannschaft und den Nullachtern. Beide Siege wären wertlos ohne den letzten Schritt. Die Auswahlkicker von Bundestrainer Joachim Löw haben sich nicht im Überschwang der Gefühle vom Weg abbringen lassen und den Kantersieg gegen Brasilien mit dem finalen 1:0-Erfolg gegen Argentinien gekrönt. Auch die Nullachter dürfen sich nicht blenden lassen von ihrem Gala-Auftritt gegen Alzenau. Das Spiel am Mittwoch in Pirmasens beginnt wieder bei null. Schon ein einziger Gegentreffer kann den Traum vom Regionalliga-Aufstieg jäh zerstören. Dann spräche keiner mehr vom grandiosen 8:1. Die Villinger haben mit dem verlorenen Pokalfinale gegen den SV Linx schon eine herbe Enttäuschung erlebt. Eine zweite bittere Pille innerhalb von zwei Wochen wäre des Schlechten zu viel.

Die große Aufgabe von FC 08-Trainer Jago Maric wird es sein, die Spieler hungrig zu machen auf den nächsten Coup in Pirmasens. Erst wenn auch der letzte Schritt gelingt, wird man noch lange vom "magischen Tag" gegen Alzenau sprechen. Wie von der "magischen Nacht" der deutschen Mannschaft in Belo Horizonte. Es wäre den Nullachtern zu gönnen.