Herr Günter, Sie kommen soeben vom Training. Stimmen die Abläufe für das nächste Auswärtsspiel in Hannover, auch wenn mit Kapitän Nicolas Höfler und Janik Haberer zwei Schlüsselspieler gesperrt sind?

Ja. Die beiden sind zwar extrem wichtig für uns, aber wir haben einen breit aufgestellten Kader. Wir werden alle unser Bestes geben, damit wir das kompensieren können.

Welche Erinnerungen verbinden sie mit dem kommenden Gegner?

Die sind nicht sehr schön. Vor drei Jahren haben wir in Hannover das letzte Saisonspiel verloren und sind abgestiegen. Zum Glück ist der Fußball schnelllebig. Wir können am Samstag eine neue Geschichte schreiben.

Der SC Freiburg belegt nach 21 Spielen mit 25 Punkten Platz zwölf in der Bundesliga. Wie beurteilen Sie diese Bilanz?

Natürlich hatten wir Spiele, in denen wir Punkte verschenkt haben. Aber die Bilanz ist dennoch okay, gerade, was die letzten Spiele angeht.

Sie haben in dieser Saison bislang alle 26 Pflichtspiele des SC Freiburg über die volle Distanz absolviert. Geht das an die Substanz oder stecken Sie das Pensum problemlos weg?

Spurlos geht das nicht an einem vorbei, aber ich fühle mich in gutem Zustand. Wir hatten bislang nicht sehr viele englische Wochen. Insofern ist alles in Ordnung. Ich arbeite im Training gut und regneriere sehr schnell.

Ist es gut zu wissen, dass mit dem jüngst ausgeliehenen Gaetan Bussmann ein Back-up für die linke Außenbahn bereit steht, oder verspüren Sie Druck, weil es nun einen Konkurrenten gibt?

Druck hatte ich auch schon vorher. Außerdem belebt Konkurrenz das Geschäft und macht jeden Spieler besser.

Die Fachzeitschrift Kicker verteilt nach jedem Bundesligaspiel strenge Noten. Ihr Durchschnitt liegt in dieser Saison bei 3,31. Zufrieden?

Darauf achte ich nicht so sehr. Viel wichtiger ist für mich, welchen Eindruck der Trainer und das engste Umfeld von mir haben und wie ich selbst meine Leistung beurteile. Da sind andere Noten nicht so wichtig.

In dieser Spielzeit haben Sie ein Tor erzielt, eines von insgesamt zwei in Ihrer bisherigen Bundesliga-Karriere. Angesichts Ihrer zahlreichen Offensivaktionen über die linke Außenbahn hätten es ruhig ein paar mehr sein dürfen, oder?

Absolut. Diesen Anspruch habe ich auch an mich selbst. Es gibt immer noch etwas, woran man arbeiten kann. Ich werde versuchen, noch mehr Tore zu erzielen und der Mannschaft zu helfen.

Vor kurzem waren Sie im SWR-Fernsehen bei Sport im Dritten zu Gast. Sind solche Auftritte für einen Fußball-Profi wie Sie überhaupt noch etwas Besonderes?

Ja, denn ein Live-Auftritt im Fernsehen ist auch für mich nicht alltäglich. Da ist man vorher schon ein bisschen nervös. Aber im Verlauf der Sendung legt sich das wieder.

Sie sagten in diesem Fernseh-Interview, dass Sie auch schon Angebote anderer Bundesliga-Klubs auf dem Tisch gehabt hätten. Wer hatte denn schon Interesse am Profifußballer Christian Günter?

Das sind Interna, die nach außen keine Relevanz haben.

Christian Streich, Cheftrainer des SC Freiburg, hatte Sie schon als Jugendtrainer unter seinen Fittichen und kennt Sie seit mehr als zehn Jahren. Duzt Ihr Euch?

Herr Streich duzt mich, ich sieze ihn. Das steckt noch von früher in mir drin.

Entwickelt sich über die vielen Jahre hinweg ein besonderes Vertrauensverhältnis?

Natürlich. Wir haben schon sehr viele Dinge gemeinsam erlebt. Da baut sich etwas auf. Im Übrigen pflegt unser Trainer zu allen Spielern ein gutes Verhältnis.

Welches waren die schönsten sportlichen Momente, die Sie mit Trainer Streich schon genießen konnten?

Das waren der DFB-Pokalsieg mit der A-Jugend und meine erste Einwechslung in die Profimannschaft.

Bundestrainer Joachim Löw schaut sich viele Heimspiele des SC Freiburg im Stadion an. Ist das für einen Fußballer eine besondere Motivation?

Ob der Bundestrainer im Stadion ist, kriegt man vor dem Spiel überhaupt nicht mit. Das erfährt man erst im Nachhinein. Aber ich finde es schön, dass er ab und zu bei uns ist.

Kapitän Nicolas Höfler spielt ebenfalls schon seit seiner Jugendzeit beim Sportclub und kann sich gut vorstellen, bis zu seinem Karriere-Ende das SC-Trikot zu tragen. Sie auch?

Auch ich kann mir das gut vorstellen. Aber ich will mich noch nicht festlegen. Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft.

Sie waren bislang bei zwei Vereinen am Ball, beim FV Tennenbronn und SC Freiburg. Wäre es nicht mal an der Zeit, einen neuen Klub oder ein anderes Land kennenzulernen?

Manchmal spielt man schon mit dem Gedanken. Aber ich fühle mich in Freiburg wohl und möchte nicht unbedingt weg.

Sie werden oft als ,Dauerbrenner’ bezeichnet. Ehrt Sie dieses Prädikat?

Zumindest zeigt mir dieser Begriff, dass ich viel spiele und meine Arbeit Früchte trägt.

Fragen: Werner Feisst

Zur Person

Christian Günter ist 24 Jahre alt und stammt aus Tennenbronn. Dort spielte er beim FVT, ehe er 2007 als 14-Jähriger vom SC Freiburg zum Probetraining eingeladen wurde. Von da an durchlief er die Jugendmannschaften des Vereins. Im Sommer 2012 führte Günter die Freiburger A-Junioren als Kapitän zum DFB-Pokalsieg. Am 17. November 2012 stand er zum ersten Mal im Kader des Profiteams. Sein Debüt in der 1. Mannschaft des SC Freiburg feierte Günter am 8. Dezember beim 1:0-Sieg gegen Greuther Fürth. Der linke Verteidiger absolvierte für den Sportclub bislang 31 Spiele in der 2. Liga und 122 Spiele in der 1. Bundesliga. Sein Länderspiel-Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er am 13. Mai 2014 in Hamburg beim 0:0 im Länderspiel gegen Polen.