Eishockey: „Endlich wieder Einer!“ wird sich so mancher Fan der Schwenninger Wild Wings gedacht haben. Endlich wieder ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Doch so weit ist es noch nicht. Allerdings hat sich Boaz Bassen in den vergangenen drei Wochen ordentlich in den Vordergrund gespielt. Bassen? Genau, der Sohn von Mark Bassen, der zwischen 1996 und 1999 drei Spielzeiten in den Diensten der Wild Wings stand. Und just 1999 wurde Boaz geboren. „In Schwenningen“, sagt der Youngster lachend. „Ist das nicht toll?“ Irgendwie schon. Bislang kam es eher selten vor, dass der Sohn eines „Ehemaligen“ wieder am Neckarursprung spielt. Matt MacKay natürlich und Jonah Hynes. Dessen Vater Wayne ist im Übrigen der Nachwuchscheftrainer der Wild Wings Future und damit eben auch der Coach von Boaz Bassen.

Wayne Hynes war auch maßgeblich daran beteiligt, dass der 19-Jährige vor zwei Jahren aus Kanada nach Deutschland wechselte. „Klar, mein Vater und Wayne haben ja früher zusammen gespielt und natürlich hat Wayne bei meinem Wechsel auch eine Rolle gespielt“, berichtet Bassen. „Für mich war und ist er sehr hilfreich, alleine schon, was die Sprache angeht.“ So richtig viel Deutsch spricht der junge Deutsch-Kanadier, der beide Pässe besitzt, noch nicht. Schließlich hat er sein bisheriges Leben in Kanada verbracht. In Strathmore in der Nähe von Calgary ließ sich die Familie nieder, nachdem Mark Bassen seine Karriere vor 18 Jahren beendet hatte. Dass beide Söhne ebenfalls zum Eishockeyschläger greifen würden, war in Kanada quasi vorprogrammiert. Und in dieser Familie ohnehin.

Der Cousin von Boaz, Chad Bassen, spielte bis Ende der vergangenen Saison in der DEL bei den Iserlohn Roosters. Damit spielte er in einer Liga, in die Boaz erst noch aufsteigen muss und will. Vergangene Saison war der Verteidiger in seinem ersten Jahr einer der Leistungsträger im Team der Wild Wings Future in der Deutschen Nachwuchs-Liga. Anpassungsprobleme gab es wenige bis gar keine. Dabei hatte ihn der Papa eher ungewöhnlich auf seine neue, „alte“ Heimat vorbereitet. „Mein Vater hat mir immer wieder gesagt, dass ich mal nach Deutschland soll. Er sprach von Kebap und Schnitzel und ich wusste überhaupt, nicht wovon er redet“, erzählt der Sohnemann lachend.

Als die Möglichkeit eines Wechsels bestand, war der Vater sofort dafür. „Er hat das sehr unterstützt und mir gesagt, dass ich hier vielleicht die bessere, aber vor allem eine längere Profikarriere haben kann“, sagt Boaz.

In Nordamerika ist der Weg zum Profi für Jugendliche schwer und zudem nur sehr eingeschränkt möglich. Normalerweise gehen die Nachwuchsspieler für vier Jahre auf ein College, machen dort ihren Abschluss und hoffen dann auf einen Vertrag bei einem Proficlub. Die beste der Liga der Welt, die NHL, ist für die meisten zu diesem Zeitpunkt ganz weit weg. So auch für Boaz Bassen. „Mein Traum ist es, als Profi zu spielen“, so der Junior. „Ich habe einen deutschen Pass. Also will ich es in Deutschland versuchen.“

Mittlerweile hat Boaz Bassen seine eigene kleine Wohnung in Schwenningen, nachdem er im ersten Jahr noch im Internat des SERC gewohnt hatte. Einen neuen Freundeskreis hat er ebenfalls. Mindestens genauso wichtigist für ihn die sportliche Entwicklung. Und diese ist doch ganz schön ordentlich. In den vergangenen drei Wochen durfte Bassen mit der Schwenninger DEL-Mannschaft trainieren und die bisherigen drei Vorbereitungsspiele absolvieren. „Es ist einfach toll“, berichtet der 1,83 m große Abwehrspieler. „Es ist eine komplett neue Erfahrung und ein großer Schub für mich. Es macht unglaublich viel Spaß.“ Die Freude, bei den Wild Wings dabei zu sein, konnte man dem Teenager sowohl beim öffentlichen Eistraining als auch in den Testspielen anmerken. Im Finale des Bodensee Cups am Sonntag gegen den EHC Kloten gelang ihm sogar der erste Treffer für die Wild Wings. „Ich war vor sehr nervös. Ich habe noch nie vor so vielen und so lauten Fans gespielt. Und dann auch noch gleich mein erstes Tor. Das ist einfach toll.“ Seine Entwicklung ist auch mit harter Arbeit verbunden, denn Bassen trainiert in Schwenningen nicht nur mit dem DEL-Team, sondern auch mit der DNL-Mannschaft, mit der er an diesem Donnerstag zum Vorbereitungsturnier nach Innsbruck reist.

Der Erfüllung seines Traums ist der 19-Jährige zwar ein Stückchen näher gekommen, doch in der kommenden Saison wird es wohl noch nicht die DEL sein. Auch wenn Wild Wings-Cheftrainer Pat Cortina seinen Youngster für seine bisherigen Leistungen lobt, sieht der Italo-Kanadier ihn in der bevorstehenden Spielzeit im DNL-Team. „Wir wollen ihn behutsam heranführen“, erklärt der Coach. „Er wird bei den Profis trainieren, doch sollte nichts Außergewöhnliches passieren, spielt Boaz in der DNL-Mannschaft.“