Geschäftsführer Michael Werner leitet seit 2003 gemeinsam mit Thomas Burger die Schwenninger Wild Wings. Im SÜDKURIER-Interview spricht der Unternehmer aus Niedereschach über die vergangene Saison, die finanziellen Möglichkeiten und gibt einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.

Welche Gedanken gingen Ihnen beim Playoff-Heimspiel der Wild Wings gegen Wolfsburg am vergangenen Freitag durch den Kopf?

Zunächst war ich etwas enttäuscht über die Niederlage. Doch kurz darauf habe ich mich gefreut, dass wir das Saisonziel geschafft und eine erfolgreiche Runde gespielt haben. Wir sind zufrieden mit dem Erreichten.

Was hat Sie in den vergangenen Monaten besonders gefreut?

Dass wir so viele Punkte holten und die Mannschaft attraktiv gespielt hat.

Welches waren für Sie die Höhepunkte in den 54 Spielen?

Es gibt einen Höhepunkt. Dies war ganz klar das Playoff-Heimspiel gegen Wolfsburg. Die Zuschauer haben gezeigt, welche Stimmung in der Helios-Arena möglich ist. Es war beeindruckend und außergewöhnlich, wie die Mannschaft unterstützt wurde.

Sie haben als Geschäftsführer gemeinsam mit Thomas Burger vor 15 Jahren den Eishockey-Standort Schwenningen gerettet. Sehen Sie den Einzug in die DEL-Playoffs auch als Lohn für die damalige Entscheidung?

Wir haben über viele Jahre akribisch an der Entwicklung gearbeitet und viel dafür getan, damit Eishockey in Schwenningen erhalten bleibt. Dennoch will ich uns nicht in den Vordergrund stellen. Der Lohn gebührt in erster Linie Mannschaft, Trainer und den Mitarbeitern der Wild Wings.

Die Saison hat gezeigt: Wenn die Mannschaft erfolgreich spielt, kommen auch mehr Zuschauer in die Helios-Arena. Liegt da der Gedanke nahe, die Mannschaft personell weiter zu verstärken und die Ausgaben durch Mehreinnahmen wieder hereinzuholen?

Wir haben zwar gesehen, was bei den Zuschauerzahlen möglich ist und müssen natürlich versuchen, mehr Sponsoren zu akquirieren. Vom Erfolg automatisch abzuleiten, dass es mehr Sponsoren gibt, wäre jedoch vermessen.

Haben sich nach der starken Saison schon potenzielle Sponsoren gemeldet, die den Klub künftig unterstützen wollen?

Wir führen aktuell die Gespräche mit Sponsoren über die generelle und weitere Zusammenarbeit. Natürlich betreiben wir weiter die notwendige Akquise. Die Gespräche fallen unter Umständen diesesmal etwas leichter.

Wild Wings-Geschäftsführer Michael Werner ist überzeugt, dass in Schwenningen ein Zuschauerschnitt von 5000 möglich ist.
Bild: Werner Feißt

Wild Wings-Geschäftsführer Michael Werner ist überzeugt, dass in Schwenningen ein Zuschauerschnitt von 5000 möglich ist.

Sie hatten im vergangenen Juni vor den Fans den Etat aufgeschlüsselt und ein Minus von 300.000 Euro vorausgesagt. Der Zuschauerschnitt liegt nun über dem kalkulierten. Bleibt es trotzdem bei der tiefroten Zahl?

Das können wir noch nicht abschließend sagen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt auch die Verpflichtung von Damien Fleury noch nicht geplant. Zudem gab es Prämien für das Erreichen der Playoffs.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zuschauerschnitt generell vergangene Saison?

Der Schnitt hat sich gut entwickelt. Aber wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange.

Sind die angestrebten 5000 Zuschauer im Schnitt überhaupt realistisch?

Das ist nach wie vor unser Ziel. Wir sind überzeugt, dass dies in unserer Region machbar ist. Wir hoffen, dass sich der Olympia-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft und der Erfolg unseres Teams positiv auswirken.

Wie sehen Sie die Chancen, dass der Etat der Wild Wings weiter erhöht werden kann?

Stand heute wird er nicht erhöht.

Wie ist der aktuelle Stand bei der angedachten Vip-Raum-Erweiterung?

Dieses Thema verfolgen wir momentan nicht weiter, da die Investitionskosten zu hoch sind. Der jetzige Vip-Bereich ist zwar weitestgehend ausgelastet, aber noch haben wir keine Warteliste. Deshalb macht die Erweiterung wirtschaftlich keinen Sinn.

Wünschen Sie sich noch weitere Veränderungen in der Helios-Arena?

Nein. Wir haben eine äußerst schöne und kompakte Spielstätte.

Glauben Sie, dass der Auf- und Abstieg in den nächsten drei Jahren kommt?

Das wird sich zeigen, wenn die sechs Mannschaften der DEL 2 die nötigen Bürgschaften nachweisen. Das müssen sie bis Ende März. Die vergangenen zwei Jahre war dies nicht der Fall. Sind es keine sechs Teams, kündigt sich automatisch die bisherige Kooperation zwischen DEL und DEL 2. Dann ist das Thema Ab- und Aufstieg in weiter Ferne. Dennoch wären wir weiterhin dafür, dass Auf- und Abstieg eingeführt wird.

Die Wild Wings setzen mit dem Schwenninger Weg vor allem auf junge deutsche Spieler und schafften den Einzug in die Playoffs. Haben Sie damit für die anderen DEL-Klubs ein Zeichen gesetzt?

Ich denke, ja. Den Weg von Bremerhaven und Iserlohn mit eingedeutschten Spielern halten wir für nicht optimal. Das ist nicht gut für die Nachwuchsarbeit in Deutschland. Wenn ich deutsches Eishockey sehen will, dann auch mit Spielern, die in Deutschland geboren sind. Für unsere Philosophie bekommen wir aus der Liga sehr viel positive Resonanz.

Mit Dustin Strahlmeier wurde ein Schwenninger Spieler zum DEL-Torhüter des Jahres. Wird er bald Nationaltorhüter?

Ich würde es ihm wünschen, weil er fleißig und akribisch arbeitet. Die Entscheidung liegt natürlich bei der sportlichen Führung des Deutschen Eishockey-Bundes.

Schwenningens Torhüter ist zweifelsohne einer der besten in Deutschland. Wo sehen Sie denn das größte Steigerungspotenzial bei der Mannschaft?

Die Mannschaft muss mehr Tore schießen. Auch das Überzahlspiel sollte sich verbessern. Obwohl wir in diesen beiden Bereichen Letzter in der Liga sind, haben wir dennoch die Playoffs geschafft. Das spricht für das System der Mannschaft.

Bis zur DEL-Saison 2018/19 dauert es noch ein halbes Jahr. Worauf freuen Sie sich nächste Saison?

Wir haben den Großteil der Spieler gehalten. Ich freue mich schon jetzt, sie wiederzusehen. Wenn unsere Mannschaft da weitermacht, wo sie aufgehört hat, wäre das sehr erfreulich.

Fragen: Christof Kaltenbach und Werner Feißt