Fußball-Oberliga: Das Unentschieden in Reutlingen fühlte sich zwar nicht wie ein Sieg an, aber die Reaktionen nach dem 1:1 beim Ex-Zweitligisten waren auf Seiten des FC 08 Villingen fast durchweg positiv. Auch SSV-Trainer Teo Rus („Das war unser bislang mit Abstand bester Gegner“) und die Reutlinger Fans zollten den Nullachtern nach dem leistungsgerechten Ergebnis Respekt. Was hinzu kam: Die Villinger Akteure ließen sich auch von der lautstarken Zuschauerkulisse der fast 1500 Besucher im großen Stadion an der Kreuzeiche nicht einschüchtern – eine weitere Etappe im Reifeprozess des Teams von Trainer Jago Maric.

Spielen und kämpfen: In der ersten Halbzeit hatten die Nullachter beim SSV ein spielerisches Übergewicht und die besseren Torchancen. Nach der Pause kamen hingegen die Gastgeber stärker auf, wobei sich der FC 08 primär auf das kämpferische Element besann. „Das hat mir imponiert“, meinte Villingens Sportlicher Leiter, Arasch Yahyaijan. „Diese Mannschaft kann sowohl spielen als auch kämpfen. Und wenn du spielerisch nicht weiterkommst, musst du eben den Kampf auspacken. Das haben die Akteure wirklich gut gemacht.“

Gut bewacht: Mit Spannung wurde erwartet, wie sich der Ex-Nullachter und derzeitige Torschützenkönig der Oberliga, Cristian Giles, gegen seinen alten Verein präsentieren würde. Giles war bei Dragan Ovuka in besten Händen, konnte sich diesmal nur selten in Szene setzen und seine zweifelsohne enorme Torgefahr nur in Ansätzen zeigen.

Verletzt: Wermutstropfen beim Punktgewinn: Frederick Bruno musste nach einem Zweikampf früh vom Platz und wurde am Sonntag sicherheitshalber im Krankenhaus vorstellig. Beim Verteidiger war eine alte Verletzung am Spann wieder aufgebrochen. Dann aber folgte die vorläufige Entwarnung: Bei Bruno ist nichts gebrochen, eine Kernspinuntersuchung soll genaueren Aufschluss bringen. Für Samstag gegen Tabellenführer Bissingen wird der Defensivmann aber wohl ausfallen.

Erste Bilanz: „Nach sechs Spielen kann man eine erste Bilanz ziehen“, hatte Arasch Yahyaijan zu Beginn der Saison angekündigt. Das tat er nun auch: „Mit elf Punkten aus sechs Spielen kann man sehr zufrieden sein – vor allem, wenn man bedenkt, dass solche Gegner wie Freiberg, Ravensburg und Reutlingen darunter waren.“ Auch vom Teamgeist ist der Sportliche Leiter angetan: „Das ist eine klasse Truppe, die zusammenhält.“ Die jungen Spieler zeigten, welches Potenzial in ihnen steckt, man müsse ihnen aber Zeit geben. Sehr erfreulich für Yahyaijan, dass auch Akteure wie Damian Kaminski und Stjepan Geng, die vergangene Saison zwischenzeitliche Probleme hatten, nun wieder aufblühen. In diesem Zusammenhang verteilte er ein Sonderlob: „Was Damian am Samstag wieder gezeigt hat, war klasse und freut mich sehr für ihn.“ Angesichts der Tatsache, dass mit Nedzad Plavci, Cristian Giles, Tevfik Ceylan und am Samstag auch Tobias Weißhaar (aus privaten Gründen) vier Offensivspieler im Vergleich zum Vorjahr gefehlt hätten, könne man mit dem Auftritt in Reutlingen sehr zufrieden sein. Einfacher wird’s jedoch nicht: Am Samstag kommt Tabellenführer Bissingen in den Friedengrund, danach geht es zum FC Nöttingen.

Testspieler: Auch in dieser Woche sind wieder zwei Testspieler im Friedengrund am Ball. Bei beiden handelt es sich um Angreifer. Laut Arasch Yahyaijan werde man jedoch nur auf dem Transfermarkt zuschlagen, „wenn sie uns voll und ganz überzeugen und zudem finanzierbar sind“. Abgesehen davon sieht man sich im Team von Jago Maric derzeit gut aufgestellt.

Viel Zeit zum Nachdenken: Villingens Torhüter Christian Mendes verbringt viel Zeit im Auto. Kein Wunder, denn die Fahrt von Lustenau nach Villingen und zurück umfasst stolze 287 Kilometer. „Das geht mir schon auf den Keks“, lacht der Torhüter-Oldie, der im österreichischen Bundesland Vorarlberg zu Hause ist. Die vielen Stunden auf der Straße verbringt der 45-Jährige vor allem mit zwei Dingen: „Zum einen habe ich Zeit zum Nachdenken, zum anderen höre ich viel Musik. Alle zwei Wochen lade ich ein neues Album herunter. Etliche Lieder kann ich bereits auswendig“, sagt Mendes. Ein Vergnügen seien die weiten Fahrten allerdings nicht. „Ich habe immer noch die Hoffnung, dass mir der FC 08 Villingen eine Arbeit anbietet. Dann könnte ich im Schwarzwald wohnen.“ Zwei bis drei Jahre will der exzellente Keeper, der den Nullachtern beim 1:1 in Reutlingen in der Schlussphase mit einem tollen Reflex einen Punkt rettete, noch zwischen den Pfosten stehen.