Fußball-Bezirksliga: – Michael Schenker suchte erst einmal das Weite. Die Zigarette danach vermochte den Trainer des FC Wehr allerdings nicht zu beruhigen. Zu tief saß die Enttäuschung nach dem 0:3-Debakel seiner Elf gegen den Lokalrivalen SpVgg. Brennet-Öflingen: "Ich kann es nicht fassen, dass in so einem Spiel vor so einer Kulisse die Einstellung nicht stimmt", schimpfte Schenker über das "körperlose Spiele" seiner Elf, die in keiner Phase des Spiels den Eindruck machte, die Partie gewinnen zu wollen: "Diese Vorstellung kann ich nicht akzeptieren", deutete er Folgen an, doch im gleichen Moment musste er zugeben, dass er über Alternativen nicht verfügt: "Manchmal sind nur acht Leute im Training."

Spätestens in der 21 Minute nahm das Schicksal für den FC Wehr seinen Lauf. Manuel Pinke streckte sich per Kopf in einen an sich harmlosen Freistoß von Marco Götz aus dem Mittelfeld heraus. Der Ball änderte die Flugbahn entscheidet, Torwart Alexander Eckert – nach einem Fingerbruch wieder im Einsatz – hatte keine Chance, das Eigentor zu verhindern. Sechs Minuten war die Wehrer Moral endgültig am Boden. Bastian Kühne, mit Abstand der einzige Wehrer, der vor der Pause den Kampf annahm, foulte Faruk Cam im Strafraum. Carlos Santos schnappte sich den Ball und bejubelte sein 2:0 per Foulelfmeter mit einem Salto vor 410 Zuschauern.

In der Folge ergaben sich die Wehrer ihrem Schicksal. Sanfte Gegenwehr keimte nach der Pause nachdem die angeschlagenen Routiniers Steven Bertolotti und Aytekin Güngör eingewechselt waren. Doch die Distanzschüsse von Rico Schellin (69./72.) waren leichte Beute für Torwart Elvis Gojak.

So spielten die Gäste, die immerhin ihre besten Torschützen, den erkrankten Timo Bernauer (14 Treffer) und den verletzten Denis Götz (9), ersetzen mussten, das Derby locker runter. David Heinz erlaubte sich sogar ein freches Tänzchen am Wehrer Strafraum, ehe kurz danach der eingewechselte Sven Degelmann mit einem Traumpass (82.) auf Fabian Schmidt dessen Schlenzer zum 3:0-Endstand einleitete.

"Wenn es läuft – und heute lief es – dann müssen wir uns vor keinem Gegner verstecken", hakte Urs Keser den klaren Sieg beim Lokalrivalen bescheiden ab: "Wir deuten in diesen Sieg nicht zuviel hinein. Uns spielte das glückliche 1:0 natürlich in die Karten. Danach gelang es uns auch, spielerische Akzente zu setzen", war der Gästetrainer nach dem dritten Sieg im neuen Fußballjahr zufrieden.

Beste Stimmung im Wehrer Frankenmattstadion vor dem Derby:

 

Interview mit Steven Bertolotti (FC Wehr):

 

Interview mit Sven Degelmann (SpVgg. Brennet-Öflingen):

 

Matthias Springstein (Spvgg. Brennet-Öflingen): "Es macht riesigen Spaß, mit den Jungs zu spielen."

Ein "Wanderer zwischen den Clubs" ist Matthias Springstein (29) von der SpVgg. Brennet-Öflingen. Zwischen seinem aktuellen Verein und seiner sportlichen Heimat FC Wehr ist er mehrfach gewechselt.

Matthias, Derbysieg beim FC Wehr. Tut ein Erfolg an ehemaliger Stätte besonders gut?

Natürlich ist es immer etwas Besonderes, als Ex-Wehrer in der Frankenmatt zu spielen – und natürlich auch zu gewinnen. Aber von Häme bin ich weit entfernt, denn ich habe noch immer ein gutes Verhältnis zum Verein.

Wie war die Stimmung vor dem Derby?

Wir haben auf dieses Spiel hingefiebert. Ist ja klar.

Aber ihr hattet auch das Nachholspiel vom Donnerstag noch in den Beinen?

Richtig, das 1:1 in Efringen-Kirchen steckte uns noch in den Knochen. Dazu mussten Timo Bernauer und Denis Götz ersetzt werden.

Die Elf hat sich nach dem Fehlstart am eigenen Zopf aus dem Abstiegssumpf gezogen. Wie war das möglich ohne spektakuläre Neuzugänge?

Nun, wir haben immerhin Faruk Cam und Carols Santos bekommen, das war sehr wichtig. Aber tatsächlich haben wir es in erster Linie unserem Teamgeist und dem Trainer zu verdanken.

Inwiefern?

Es stimmt einfach in der Mannschaft. Es macht riesigen Spaß, mit den Jungs zu spielen. Wir halten super zusammen. Und dazu haben wir in Urs Keser einen Trainer, der uns aufbaut, den Glauben an unsere Stärken fördert und der uns Kraft gibt, die Ausfälle als Team wegzustecken.

Fragen: Matthias Scheibengruber