Fußball-Bezirksliga: – War es das? War dieses mit 2:1 gewonnene Derby beim FC Wallbach das Spiel, das für die gebeutelte SpVgg. Brennet-Öflingen den Kreis schließt? An gleicher Stelle, vor fast genau sechs Monaten gingen die Blau-Weißen chancenlos mit 0:4 baden. Jene Niederlage läutete eine Misserfolgsserie ein, die in mehreren deftigen Niederlagen und einem peinlichen Pokal-Aus beim C-Kreisligisten SpVgg. Wehr gipfelten. Nun, sechs Monate später, scheint diese Phase endlich ad acta gelegt werden zu können.

Natürlich war im Derby beim knapp 1500 Meter Luftlinie entfernten Nachbarn nicht alles Gold, was da glänzte. Doch mit der Spielpause und dem überraschenden 4:1-Erfolg gegen den FV Lörrach-Brombach II vor zwei Wochen im Rücken, stimmten vor allem Wille und Einsatz bei den Gästen. Die Einstellung der Mannschaft überzeugte über 90 Minuten.

Da nutzte es dem FC Wallbach nicht viel, dass er das Spiel optisch dominierte und die wenigen spielerischen Akzente setzte. Einmal mehr musste die Elf von Patrick Bayer die bittere Erfahrung machen, dass unterm Strich die Tore zählen: "Wir haben nicht umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben", ärgerte sich der Wallbacher Trainer: "Die Überzahl wollten wir nutzen, mit flachen Bällen zum Erfolg kommen. Aber dann spielen wir zu kompliziert."

In der Tat lagen mehr Vorteile auf Wallbacher Seite. Zwar passte die Abstimmung beim Führungstreffer der Gäste durch Timo Bernauer (19.) nicht, doch war das ein Weckruf. Prompt gelang der Ausgleich, dessen Entstehung allerdings umstritten war. Schiedsrichter Julien Braun (Weil) ahndete ein Foul von Mike Heyde an Denis Götz nicht, der Ball kam via Mathias Hottinger zu Burak Dokuzkardes. Während einige Brenneter noch reklamierten, passte der Wallbacher den Ball zu Eduard Nowak. Der drehte sich um Fabian Schmidt und traf so zum 1:1 (35.). Matthias Springstein platzte der Kragen – Gelb-Rot: "Auch wenn wir da konsequenter in den Zweikampf müssen, sollte er vorher das Foul sehen."

Weil die Hausherren mit der Überzahl nichts anzufangen wussten, übten sich die Gäste in Geduld – und wurden belohnt. Faruk Cam, erst seit zwei Wochen im Club und zur Pause für den am Arm verletzten David Heinz eingewechselt, war zur Stelle, als Johannes Groß nach einer Flanke von Fabian Schmidt das "Leo" von Torwart Maurizio Di Bella zu spät hörte. Cam (62.) bedankte sich – 1:2.

Fünf Minuten später war die Wallbacher Überzahl dann weg – und wieder war es Braun, der ein Foulspiel nicht ahndete. Timo Bernauer war gegen Groß hart eingestiegen, der Wallbacher lag am Boden, wollte nach eigenen Worten nach dem Ball treten, traf aber Bernauer – Rot!

In der Schlussphase versuchten die Wallbacher noch einmal alles. Erst protestierten sie heftig und vergeblich, weil Braun ein vermeintliches Handspiel des im Strafraum liegenden Denis Götz ignorierte, dann erstarb ihnen bei Kopfballchancen von Max Stockkamp und Mike Heyde in der Nachspielzeit der Torschrei auf den Lippen.

Groß war der Jubel nach dem Schlusspfiff beim Gast, auch wenn Trainer Urs Keser schnell nach vorn schaute: "Wichtig war der Sieg, um den Anschluss zu halten. Da war mir der Gegner egal. Nun müssen wir gegen Bosporus FC Friedlingen nachlegen, doch die Gelb-Rote Karte und die Verletzung von David Heinz machen diese Aufgabe nicht leichter."

 


Interview mit Burak Dokuzkades (FC Wallbach):

 


Interview mit Fabian Schmidt (SpVgg. Brennet-Öflingen):

 

 

 

 

 

Faruk Cam: Ich versprach unserem Trainer: "Cam sah und wird siegen!"

 

 

Ein Comeback nach Maß feierte Faruk Cam (27) bei der SpVgg. Brennet-Öflingen. Nach einjähriger Fußballpause meldete er sich mit dem Siegtreffer im Derby beim FC Wallbach zurück.

Faruk, verrückte Premiere für Sie? Seit wann sind Sie wieder aktiv?

Ja, das ging jetzt alles etwas schnell. Vor einem Jahr habe ich bei T.I.G. Bad Säckingen aufgehört. Mein Vater hatte letztens Kontakt mit Urs Keser und so bin ich vor zwei Wochen ins Training eingestiegen. Gejuckt hat es mich schön länger.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich möchte bei meinem Heimatverein, bei dem ich einst mit dem Fußball begonnen habe, zeigen, dass ich nicht nur ein guter Fußballer bin, sondern auch ein Sportkamerad, der seinem Verein und den Mitspielern helfen will.

Klingt nach Selbsterkenntnis?

Ja, ich bin jetzt 27, seit drei Monaten verheiratet. Es wird Zeit, dass ich erwachsen wurde. Ich hatte sportlich eine schlechte Vergangenheit. Es wurde viel über mich geredet und geschrieben. Diese Zeiten sind vorbei, ich habe meine Lehren gezogen.

In welcher Hinsicht?

Es gab viele Vereine in diesen Jahren und viele unschöne Trennungen. Das war so schlimm, dass ich nicht einmal einen Verein fand, bei dem ich nur mittrainieren durfte. Deshalb bin ich froh, dass mir mein Heimatverein nochmals eine Chance zum "Cam-back" gibt.

Ihr Einstand war mit dem Siegtor schon mal vielversprechend?

Ich sollte in den letzten zehn Minuten rein, denn fit bin ich ja noch lang nicht. Weil sich David verletzte, schickte mich Urs Keser schon nach der Pause aufs Feld. Ich hatte schjondioe ganze woche ein gutes Gefühl und versprach ihm: "Pass auf. Cam sah und wird siegen!" Und dass das dann auch noch gegen den FC Wallbach passierte, dem ich auch sehr viel Gutes zu verdanken habe, ist emotional für mich etwas ganz besonderes.

Fragen: Matthias Scheibengruber