Fußball-Bezirksliga, Hochrhein

FC Erzingen – SV Jestetten 3:0 (1:0). – Tore: 1:0 (20.) und 2:0 (87.) beide D’Accurso; 3:0 (90.+1) Uhl. – SR: Uwe Seifert (Waldshut-Tiengen). – Z.: 330.

Ja, da musste er doch etwas grinsen, als er auf diese Szene angesprochen wurde: "Nein, nein da habe ich mir keine Pause gegönnt. Ein Stürmer will Tore schießen und muss immer parat sein. Ich dachte, kurz vor Schluss bleib ich mal an der Linie stehen", erklärte Sandro D'Accurso, wie es zur Entscheidung beim 3:0 im Derby gegen den SV Jestetten gekommen war.

Drei Minuten vor dem Ende stand Sandro D'Accurso an der Mittellinie, den Rücken zum gegnerischen Tor. Scheinbar desinteressiert beobachtete der 24-Jährige, wie Marco Lohr einen umstrittenen Eckball für den SV Jestetten in den Strafraum schlug. Die Gäste drückten in dieser Phase, wollten unbedingt das 1:1 – obwohl hochkarätige Chancen eher Mangelware blieben.

Der zehn Minuten zuvor eingewechselte Alfredo Di Feo wusste in dieser Situation genau, was zu tun war. Mit einem mächtigen Schlag drosch er die Kugel aus der Gefahrenzone, weit nach vorn. Im Bruchteil einer Sekunde erfasste D'Accurso die Lage, zündete den Turbo und überrannte die die Jestetter Abwehrspieler, ließ Torhüter Yannic Frey keine Abwehrchance.

"Das war die erste Erzinger Torchance im zweiten Durchgang. Sie waren einfach zu clever für uns", haderte Gästetrainer Michele Masi nicht nur mit dem Treffer zum 0:2: "Wir waren nicht die schlechtere Mannschaft. Aber jeder Fehler wird bestraft", schüttelte er ob Sandro Scheiers Patzer, als ihm Felix Uhl an der Mittellinie den Ball vom Fuß spitzelte und zum 3:0-Endstand davon zog, nur den Kopf: "Solche Fehler dürfen nicht passieren, egal wie es steht."

Gewissen Zuspruch erntete Masi von FCE-Trainer Klaus Gallmann, der sich natürlich über den fünften Sieg in Serie freute: "Wann hatte der FC Erzingen zuletzt 15 Punkte nach sechs Spielen? Da muss ich meinen Spielern für diese nach der 1:6-Ohrfeige von Laufenburg ein großes Kompliment machen. Aber, wir müssen uns die Punkte schwer erkämpfen. Spielerisch haben wir durchaus noch Luft nach oben."

In der Tat machten es sich die Erzinger nicht leicht gegen eine kompakte Jestetter Elf, die mit dem Mut der Verzweiflung gegen den Trend der Zeit kämpfte. Seit Wochen sucht das Team seine Form, bekommt einfach keinen Fuß auf den Boden: "Wenn wir nicht jede Aktion mit voller Überzeugung spielen, dann reicht es einfach nicht", sucht auch der spielende, aber aktuell noch verletzte Co-Trainer Silvan von Ow die Ursache: "Es ist mit Sicherheit keine Kopfsache. Aber wir brauchen einfach ein Erfolgserlebnis."

Solche Sorgen plagen den FC Erzingen im Moment nicht. Die Klettgau-Elf schwingt sich neben dem FV Lörrach-Brombach II zum Jäger des scheibbar übermächtigen SV 08 Laufenburg an: "Wir bleiben dran und versuchen alles. Mit dem FC Erzingen wird in dieser Saison zu rechnen sein", ist Sandro D'Accurso, der nach 20 Minuten mit einem "Pfund" aus 22 Metern für das 1:0 gesorgt hatte, überzeugt.

Er selbst hat einen gewichtigen Anteil mit nunmehr sieben Treffern. "Sandro ist ein Spieler, der oft den Unterschied macht", ist Klaus Gallmann froh um den zwar temperamentvollen, aber scheinbar gezähmten Italiener: "Wir hatten, nicht nur mit ihm, intensive Gespräche, was das Verhalten auf dem Platz angeht", verrät Gallmann: "Ich habe der Mannschaft klar gemacht, dass unsere Erfolgschancen viel größer sind, wenn wir das Spiel zu Elft beenden."

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  Das scheinen die Wackelkandidaten verinnerlicht zu haben. Bislang gab es erst einen Platzverweis, zuletzt in Weilheim, weshalb Shaban Limani aussetzen musste: "Aktuell liegen wir im Schnitt bei zwei Gelben Karten pro Spiel – das passt für mich", so Gallmann, der seine Jungs nicht zu Duckmäusern erziehen will. Im teils hitzigen Derby musste Schiedsrichter Uwe Seifert gleich fünf Verwarnungen aussprechen, um das Spiel unter Kontrolle zu behalten: "Das sind Fußballer mit Leib und Seele. Da fällt halt mal ein Wort", übte sich Gallmann in Nachsicht.

Nicht aber in der Bewertung des Spiels: "Wir haben uns das Leben schwer gemacht. Die Jestetter waren in der zweiten Hälfte besser und hätten sich einen Punkt durchaus verdient."

Tobias Gampp (FC Erzingen): "Klaus Gallmanns Konzept hat mich zum Wechsel veranlasst"

Nach zehn Jahren beim A-Kreisligisten SV Rheintal wechselte Tobias Gampp (29) aus Rheinheim in den Klettgau zum FC Erzingen. Hier spielte er bereits als A-Junior für zwei Jahre.

Tobias, wie galten als Institution beim SV Rheintal. Wieso dann der Wechsel?

Ich wollte auf meine alten Tage nochmals eine neue Herausforderung wagen. Als ich hörte, dass Klaus Gallmann hier Trainer wird, war das Interesse geweckt. Zudem habe ich Erzinger Wurzeln: Meine Mutter stammt von hier.

Gibt es noch Weggefährten aus gemeinsamen Zeiten bei den A-Junioren?

Ich habe damals mit Manuel Göbel und Fabian Binzer hier gespielt.

Also war es kein Problem, sich ans neue Umfeld zu gewöhnen?

Nein, ich wurde prima aufgenommen. Das passt alles für mich.

Tobias Gampp (FC Erzingen): „Das Konzept von Trainer Klaus Gallmann begeistert mich"
Tobias Gampp (FC Erzingen): „Das Konzept von Trainer Klaus Gallmann begeistert mich" | Bild: Scheibengruber, Matthias

Trotzdem zählen Sie im Moment noch nicht zur Stammformation?

Richtig, denn die Umstellung braucht Zeit. Anderes Training, andere Spielklasse, höheres Tempo, neue Mitspieler. Ich muss mich da schon an einige neue Sachen gewöhnen.

Klingt jetzt nicht gerade euphorisch!

Das täuscht! Ich fühle mich sehr wohl hier und habe den Wechsel noch keine Sekunde bereut. Ich muss eben wieder vieles neu lernen. Und dann muss man auch die Konkurrenz in der Innenverteidigung sehen. Steffen Hönig und Manuel Göbel machen es überragend. Da haben es Alfredo Di Feo und ich einfach schwer. Aber ich bleibe dran an meinem Ziel, einen Stammplatz zu erobern.

Sie deuteten an, dass Klaus Gallmann eine wesentliche Rolle für Ihren Wechsel spielte?

Richtig – das war der ausschlaggebende Punkt. Ich habe schon mit Interesse beobachtet, was er beim FC Neustadt erreicht hat. Sein Konzept und seine Überzeugungen was Teamgeist und Fußball betreffen, begeistern mich.

Sie waren zehn Jahre lang beim SV Rheintal. Wie pflegen Sie den Kontakt?

Ich habe jedes Spiel gesehen und, wenn auch vergeblich, die Daumen gedrückt.

Fragen: Matthias Scheibengruber

 

Interview mit Sandro D’Accurso (FC Erzingen): 

 Interview mit Silvan von Ow (SV Jestetten):