Fußball, Kreisliga A-West: – Der Schaumteppich war gelegt. Die Feuerwehr Herten hatte ganze Arbeit geleistet. Wer konnte da noch widerstehen. Die Spieler des SV Herten tauchten ab im Schaum und feierten ausgelassen. Erst danach streiften sie sich das obligatorische Meister-Shirt über. Die Party dauerte bis in die Morgenstunden. Der SV Herten kehrt nach nur einem Jahr wieder in die Bezirksliga zurück.

Die überragende Bilanz – 93 Tore, 67 Punkte, sieben Remis und drei Niederlagen – sieht nach einem souveränen Erfolg aus. Das war es letztlich auch. Aber eben diese drei Niederlagen nach der Winterpause ließen kurzzeitige Zweifel aufkommen. Meistertrainer Thorsten Szesniak, mit Unterbrechung bereits elf Jahre an der Linie, kennt den Grund: „Die Vorbereitung in der Winterpause war eine Katastrophe.“

Bis dahin waren die Hertener überlegen vorn weg marschiert, hatten nach wenigen Wochen bereits acht Punkte Vorsprung. In der Liga wurde nur darüber geredet, wer auf Platz zwei landet. Dann aber folgten nach der Winterpause die Pleiten gegen den FV Haltingen (1:3), beim TuS Kl. Wiesental (0:2) und beim Lokalrivalen FV Degerfelden (0:1). Die Tabellenführung war futsch. Der FC Hauingen übernahm das Ruder.

„Es war fast klar, dass der Start nicht gut laufen wird“, blickt Szesniak zurück. Doch er ließ den Durchhänger nicht so einfach auf sich sitzen. Ein bisschen Zuckerbrot und Peitsche half. Seinen Fußballern gab er Hausaufgaben mit, erzählt er mit einem Augenzwinkern: „Dafür hatten sie über Fasnacht frei.“

Einige Spieler fehlten zudem, andere waren nicht fit: „Eigentlich schade nach so einer tollen Vorrunde. Aber vielleicht war es ganz gut, dass die Jungs merkten, dass es nicht mit Halbgas geht“, ist Szesniak überzeugt, dass man auch in der Kreisliga immer am Limit spielen müsse, um bestehen zu können.

Tatsächlich ging ein Ruck durchs Team, der Trainingsbesuch wurde besser. Szesniaks Elf trat wieder souverän auf. Dem 4:0 gegen den SV Weil III folgte mit dem 3:2 beim FV Fahrnau so etwas wie ein Schlüsselspiel. Der Trainer erinnert sich: „Nach zehn Minuten lagen wir mit 0:2 hinten, haben kurz vor der Pause den Anschlusstreffer erzielt und das Ding noch gedreht.“ Spätestens jetzt sei ihm klar gewesen, dass es fortan bergauf gehen würde.

Wer Meister werden will, gibt sich mit Platz zwei nicht zufrieden. Vier Spieltage lauerten die Hertener, übernahmen mit einem grandiosen 4:1 dem FC Hauingen auf dessen Sportplatz die Führung ab – und gaben sie nicht mehr her.

Die Stärke seiner Elf sieht Szesniak im Kollektiv: „Wir haben keinen Superstar. Der Kader ist ausgeglichen. Und wir haben es immer wieder geschafft, Ausfälle zu kompensieren.“ Einen Schub gaben sicher Simon Vogt, Philipp Müller, Florian Klimpel und Vincent Kühn, die in der Winterpause zum Verein gestoßen waren. „Damit wurden wir in der Breite noch mal stärker“, sagt Szesniak: „Wir sind homogen, es stimmt im Team, wir haben einen guten Geist.“

Die Talfahrt nach dem Abstieg aus der Landesliga im Sommer 2012 ist gestoppt. Der SV Herten setzt auf die solide Basis. „Vielleicht war es gut, mal abzusteigen. Es tut gut, wieder selbstbewusst zu spielen“, weiß der Trainer, was seine Elf kann. Aber er warnt: „Wir sind gut beraten, nicht hoch zu stapeln. Aber wir sind gut aufgestellt. Wir haben das Potenzial und man wächst mit seiner Aufgabe.“