Mountainbike: – Die Berge haben es Janine Schneider angetan. Wenn die 23-jährige Lottstetterin in Flims, im Bernina-Gebiet oder in Livigno zu Klettertouren mit dem Schweizer Alpen-Club oder zu Skitouren aufbricht, fühlt sie sich richtig wohl. „Hauptsache Berge – ich bin dort einfach sehr gern unterwegs“, gibt sie zu. Gesteigert wird dieses Naturerlebnis für sie nur noch, wenn sie mit ihrem Mountainbike im Gebirge unterwegs ist.

Janine Schneider, die sich selbst als „polysportiv“ bezeichnet, hat sich in ihrer Kindheit in vielen Sportarten betätigt, ehe sie sich für den Radsport entschied. Angefangen hat alles als knapp Sechsjährige mit dem Kunstradsport beim RV Lottstetten. Ihr damaliger Trainer war der inzwischen verstorbene Trainer Harald Schiffler. „Von ihm habe ich als sehr viel gelernt“, erinnert sie sich. Sie holte sich auf dem Kunstrad Bezirkspokaltitel und war bei Badischen Meisterschaften erfolgreich.

Geturnt hat sie nebenbei beim TV Lottstetten. Tischtennis spielte sie auch drei Jahre lang beim TV Jestetten. Im Jahr 2008 zog es sie sogar zum Fußball beim SV Lottstetten. Die Kicker-Episode dauerte aber nur fünf Jahre. „Das Verletzungsrisiko war einfach zu groß“, blickt sie auf diese Zeit zurück. In diese Zeit fallen auch ihre Teilnahme an Läufen oder Triathlon-Veranstaltungen.

Im Jahr 2010 wechselte sie die Sportart und legte ihren Schwerpunkt auf den Radsport. „Da bin ich eher eine Spätberufene“, gibt sie zu. Seit dieser Zeit fährt sie für den VC Singen. Der Verein legt zwar seinen Fokus auf den Straßenradsport, hat aber auch eine kleine Mountainbike-Abteilung. „Ich werde dort sehr gut unterstützt“, hat Janine Schneider ein großes Lob für ihre Vereinskollegen parat. Auch ohne die Unterstützung von ihrer Familie und ihren Freunden würde es vermutlich nicht klappen.

Zunächst war Janine Schneider mit ihrem Rad vor allem auf der Straße erfolgreich. Im Jahr 2013 fuhr sie für eine Saison die Rad-Bundesliga und wurde Fünfte der Deutschen U19-Meisterschaften. Für den Landesverband „Team Rothaus Baden“ aus Freiburg war sie damals bei Rennen unterwegs. Daraufhin war sie für die Freiburger „Racing Students“ im Einsatz. „Ein tolles Team“, erinnert sich die Lottstetterin noch gern an jene Zeit.

Dennoch zog es sie bald zu den Mountainbikern. „Für den Straßenradsport brauchst du ein Team. Ich wollte aber zurück in den Einzelsport. Da bot sich Mountainbike an“, so Schneider. Das war besser auf ihre Situation zugeschnitten. Mit einem Studium hatte sie gerade erst in Winterthur begonnen. „Sich einem Team in der Nähe anzuschließen, wäre schön gewesen, aber schwierig geworden. Im Mountainbike kann ich auch als Einzelfahrerin Erfolge haben. Ich habe zwar mehr Arbeit, bin aber freier“, sagt sie. Und das wollte sie vor allem damals als Studentin sein.

Auch heute hat sich daran nichts geändert. Mittlerweile arbeitet Janine Schneider als Physiotherapeutin im Spital in Schaffhausen. Die 25 Kilometer lange Strecke von Lottstetten an ihren Arbeitsplatz legt sie fast täglich mit ihrem Bike zurück. „Das sind alles Trainingskilometer“ sagt sie, „auf dem Weg nach Hause kann ich auf meinem Bike so richtig abschalten.“ Dazu kommen noch etliche Trainingskilometer auf ihrem Cube-Bike. „Ich bin zwar als Einzelfahrerin bei Rennen, aber seit 2015 werde ich von der Rad-Firma Cube unterstützt“, sagt Janine Schneider.

Ein wichtiger Mann im Hintergrund ist seit diesem Jahr auch Sascha Schneider, der in der Radsport-Szene am Hochrhein kein Unbekannter ist. Er fuhr einst Rennen für den VBC Waldshut-Tiengen und war zuletzt bis vor zwei Jahren für das Radsport-Team Lutz bei Straßenrennen der Elite-Klasse am Start. Mittlerweile hat er kaum noch Zeit für Renneinsätze, da ihn seine Arbeit als Inhaber eines Radgeschäfts in Hohentengen in Anspruch nimmt. Trotz desselben Familiennamens ist er nicht verwandt mit Janine Schneider. „Wir arbeiten zusammen. Bei allen mechanischen Problemen rund um mein Bike ist er stets für mich da“, sagt Janine Schneider.

Vor allem in dieser Saison hat die Lottstetterin viele Rennen auf ihrem Terminkalender. Ihr „Ausflug“ auf die Straße hat sich gelohnt. So gewann sie bei den baden-württembergischen Meisterschaften, die ihr Stammverein VC Singen im Mai ausrichtete, den Titel. Auf dem Mountainbike stand die Schweizer Rennserie der „Garmin Bike Marathon Classics“ im Fokus. Nicht ganz zufrieden war sie mit Platz acht bei den Deutschen Meisterschaften im Rahmen des „Ultra Bike Marathon“ in Kirchzarten. Bei den Rennen der „UCI World Series“ wurde sie Vierte in Singen und Zweite im Montafon. Nicht zu vergessen ist ihr Sieg bei ihrer zweiten Teilnahme an der „Trans Alp“ über sieben Etappen mit 504 Kilometern und 18.000 Höhenmetern quer über die Alpen vor wenigen Wochen. 29 Stunden saß sie da auf dem Stattel.

Zuletzt bestritt sie den „Rothaus Bike Giro“ und wurde im Gesamtklassement Sechste. Überragend dabei war vor allem ihr Sieg bei der Schlussetappe. Außerdem wurde sie Zweite auf der 137 Kilometer langen Strecke des Nationalpark-Marathons in Scuol im Schweizer Engadin und siegte beim EKS-Cup in Merishausen.

Aber Janine Schneider hat in dieser Saison noch mehr vor: Durch ihre guten Ergebnisse hat sie sich für die Marathon-Weltmeisterschaften der Biker am 15. September in den Dolomiten in Italien qualifiziert. Dort peilt sie auf der Langdistanz einen vorderen Platz an. „Je länger die Distanz, desto besser für mich“, sagt sie. Die Substanz, die sehr langen Distanzen durchzuhalten, haben vor allem die Routiniers der Szene. Vielleicht gerade deshalb hat die Lottstetterin ihre beste Zeit noch vor sich.