Fußball: – Der Name ist Programm. Die Rede ist von „Cruyff Football“, dem Erbe eines der größten niederländischen Fußball-Legenden. Dieses Programm lebt fort – auch nach dem Tod von Johan Cruyff. Als begnadeter Fußballer und Trainer beim FC Barcelona und bei Ajax Amsterdam wurde er zum Übervater des niederländischen Fußballs. Am 24. März 2016 erlag Cruyff einem Krebsleiden. Seine Fußball-Philosophie vererbte er einer ausgewählten Gruppe von sieben Fußball-Lehrern, die schon zuvor mit und für ihn gearbeitet hatten. Zu ihnen zählt auch Matthias Kohler. Der 27-jährige Mettinger, der in Europa und Südafrika Projekte am Laufen hat, Vereine und Verbände bei deren Trainingsgestaltung unterstützt, gibt zu: „Ich bin geprägt von Johan Cruyff.“

<strong>Ajax im Herzen:</strong> Von Johan Cruyff geprägt wurde Matthias Kohler. Der 27-Jährige aus Mettingen ist einer von sieben "Erben" des verstorbenen Altmeisters, der die legendäre Ajax-Schule von Amsterdam mit Vereinsprojekten weiter leben lässt. <em>Bild: Gerd Welte</em>
Ajax im Herzen: Von Johan Cruyff geprägt wurde Matthias Kohler. Der 27-Jährige aus Mettingen ist einer von sieben "Erben" des verstorbenen Altmeisters, der die legendäre Ajax-Schule von Amsterdam mit Vereinsprojekten weiter leben lässt. Bild: Gerd Welte | Bild: (privat)

Dabei hatte es im Jugendalter so ausgesehen, dass Matthias Kohler nach seiner Zeit beim SV 08 Laufenburg und beim FC Schaffhausen in der Schweiz in der Freiburger Fußballschule zu einem Fußballprofi reifen könnte. Der tägliche Weg von Mettingen nach Freiburg im Sommer und Winter war für den 17-Jährigen sehr zeitintensiv. „Ich war in Christian Streichs Trainerteam, zu dem damals schon Patrick Baier und Lars Voßler zählten. Streich hat uns stets gezeigt, wo der Hammer hängt. Von uns Spielern wurde stets das Maximale gefordert“, erinnert sich Kohler. Einfach war es also nicht. Und dann kam Verletzungspech hinzu: Zwei Kreuzbandrisse stoppten seine aktive Laufbahn.

Als 19-Jähriger begann Kohler eine Ausbildung zum Sportkaufmann, machte die Trainer-Lizenzen beim DFB und wurde Stützpunkttrainer am Hochrhein. Im Fernstudium machte er sich fit in Sportpsychologie und erwarb noch die Athletik-Trainerlizenz. Zufällig las er etwas über „Ajax Cape Town“. Das ist so etwas wie ein Satellitenverein, der zu 51 Prozent im Besitz der großen Mutter Ajax Amsterdam ist. Mit dem dortigen Jugendleiter nahm er Kontakt auf und dann ging’s los: Zwei Wochen war er in Kapstadt – zum Schnuppern. Dann jobbte er vier Monate in der Schweiz, um sich das Geld für einen zweiten und längeren Aufenthalt in Südafrika zu verdienen. Und kurz darauf war er wirklich wieder dort – dieses Mal für ein Jahr als Assistent der Jugendleitung. Er war im Trainerteam der U21 von Ajax Cape Town.

Im Jahr 2013 war eine Chefdelegation von Ajax Amsterdam in Kapstadt. Bei einer Wanderung auf den Tafelberg wurden die holländischen Gäste wie Ruben Jongkind und Wim Jonk, die damals schon in der „Cruyff-Akademie“ angestellt waren, auf den jungen Deutschen aus Südbaden aufmerksam. Ein Jahr zuvor war Cruyff aus Barcelona gekommen, um bei Ajax die „Fließende Revolution“ auszulösen. Er besetzte den Trainerposten neu, setzte seine Vertrauten an die Schaltstellen.

„Die Zukunft“ heißt die Akademie, in der radikal neue Methoden Einzug hielten. So ist die individuelle Entwicklung eines Talents wichtiger als der Mannschaftsgedanke. Der Straßenfußball wird neu geboren. Wieder wichtig sind Dribbling, Spielwitz und Kreativität. Es gibt keine Team-Trainer mehr, sondern Mentoren-Gruppen. Auch keine Jahrgänge, sondern Entwicklungsstufen. Ein Trainer begleitet den Spieler über Jahre. Zum Beispiel kümmern sich von der U17 bis zur U19 gleich drei Mentoren um jeden Spieler: ein Fußball-, ein Athletik- und ein Schulmentor.

Schon bald war Matthias Kohler in Amsterdam Hospitant. Und mit 24 Jahren war er schon als Sportlicher Leiter für die Trainings- und Spielphilosophie der Akademie verantwortlich. Das ging alles gut, bis sich im Januar 2016 Ajax von Cruyff trennte. Drei Monate später starb er. „Er wollte, dass wir seinen Weg weiter gehen“, sagt Kohler. „Cruyff Football“ lebt.

Seine Angestellten haben eine Firma. Jeder hat seine Anteile – auch Matthias Kohler. Er berät Vereine und Verbände, entwickelt Projekte. Bei Athletico Bilbao ist er immer wieder, in Paris, Oslo, Mailand oder Berlin, auf den Azoren und wieder mal in Südafrika. Irgendwann will er mal sesshaft werden. „Ich will nicht mehr so viel reisen. Ein fester Standort – das wäre ideal“, sagt er. Anfragen hatte er schon. „Es war noch nicht das Richtige dabei“, sagt Kohler. Er will sich Zeit lassen. Klar, er ist ja auch erst 27.