Mike Häfele mochte sich nicht beruhigen. Unfreiwillig wurde der Stürmer des FC Wehr zum „Mann des Tages“ im Derby bei der SpVgg. Brennet-Öflingen. Und dabei lagen Freud und Leid für den 27-Jährigen recht nah beieinander.

Zunächst sorgte Häfele für kollektives Glücksgefühl beim Wehrer Anteil unter den rund 500 Zuschauern, als er zum 1:0 (12.) für die Gäste traf. Ähnlich in Wallung, aber eher enttäuscht, gerieten die Gäste fünf Minuten vor der Pause, als Häfele nach einem Sprint bei Daniel Baumgartner einfädelte, fiel und vergeblich auf den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Ramon Leisinger wartete: „Es gab einen Kontakt und ich hätte mich nicht beklagen dürfen, wenn es Strafstoß gegeben hätte“, gab Baumgartner nach Spielende im Video-Interview mit dem SÜDKURIER zu. Doch der Unparteiische ließ weiter spielen.

Häfele allerdings nur noch eine knappe Viertelstunde: „Sein Foul im gegnerischen Strafraum war heftig und musste mit Gelb bestraft werden“, so Leisinger zum Platzverweis gegen den Wehrer, der zuvor bereits Gelb gesehen hatte. Auf Wehrer Zustimmung wartete Leisinger vergeblich: „So ein guter Schiedsrichter, aber da lag er zweimal richtig daneben“, schimpfte Trainer Michael Schenker nach dem 2:2: „In Unterzahl eigentlich ein gutes Ergebnis aber angesichts unserer Leistung eine gefühlte Niederlage.“

Da wollte Marco Götz vom Gastgeber kaum widersprechen: „Der Punkt ist wirklich schmeichelhaft für uns“, gab er offen zu, dass „wir uns nicht beschweren dürfen, wenn wir mit einem 0:4 in die Pause gehen.“ Letztlich dankte er seinem Torwart Manuel Hilpert, der Schlimmeres verhinderte.

Und doch kamen die Gastgeber zwei Mal zurück. Erst war Timo Bernauer zur Stelle, als Alexander Eckert einen Schuss von Yannik Böhler nicht festhalten konnte. Nach Ersin Demircans 1:2 für die in Unterzahl nicht schlechteren Wehrer, fasste sich Fabian Schmidt kurz vor Schluss mit dem Mut der Verzweiflung ein Herz – 2:2.

„Wir sollten aufhören über Landesliga-Träume zu reden“, zog Kapitän und Interimstrainer Marco Götz dem guten Tabellenstand des Neulings zum Trotz einen Schlussstrich unter Spekulationen: „Spätestens in diesem Derby hat man gesehen, dass wir darüber nicht reden müssen. Wir spielen eine tolle Saison – nicht mehr und nicht weniger.“

Interview mit Daniel Baumgartner (SpVgg. Brennet-Öflingen)



Interview mit Ersin Demircan (FC Wehr)


 

„Alle haben das Foul an Mike Häfele gesehen, nur einer leider nicht“

Mehr FC Wehr geht kaum. Als F-Junior kam Rouven Rünzi (26) zum FC Wehr und hält dem Club seit über 20 Jahren die Treue.

Rouven Rünzi (FC Wehr): Der FC Wehr ist der geilste Verein. Warum sollte ich hier weggehen? Bild: Matthias Scheibengruber
Rouven Rünzi (FC Wehr): Der FC Wehr ist der geilste Verein. Warum sollte ich hier weggehen? Bild: Matthias Scheibengruber

Rouven, wie war das Derby auf das ihr angesichts des 2:3 vom Hinspiel sicher heiß gewesen seid?

Wir hatten hier natürlich etwas gutzumachen. Das 2:3 steckte noch im Hinterkopf. Wir haben uns auf dieses Spiel und die Kulisse gefreut, auch wenn es nach meinem Geschmack durchaus mehr Zuschauer hätten sein dürfen.

Am Ende steht es 2:2. Arg enttäuscht?

Auf jeden Fall war mehr drin. Wir machen vor der Pause das Spiel, müssen höher führen und kriegen kurz vor dem Seitenwechsel diesen Strafstoß nicht. Alle auf dem Platz haben gesehen, dass es ein Foul war, nur einer leider nicht.

Wie habt ihr das 1:1 und die Gelb-Rote Karte gegen Häfele so gut weggesteckt?

Bei uns stimmt es eben in der Mannschaft. Wir waren heiß und haben trotz dieser Rückschläge alles gegeben.

Mit welchem Gefühl schauen Sie auf die Tabelle? Da wäre doch wirklich mehr drin gewesen in dieser Saison?

Natürlich. Nach unserem tollen Start hatten wir eine sehr schlechte Phase. Hätten wir im Herbst so manchen Punkt nicht leichtfertig verschenkt, könnten wir heute ganz vorn stehen.

Sie sind nun seit 20 Jahren beim FC Wehr. Keine Lust auf Tapetenwechsel?

Auf keinen Fall. Mannschaft, Trainerteam, Vereinsführung sind perfekt. Der FC Wehr ist der geilste Verein. Ich habe hier von der Landesliga bis zur Kreisliga alles erlebt. Wieso sollte ich gehen?

Fragen: M. Scheibengruber