Fußball: – Nur wenige Fußballer aus dem Bezirk Hochrhein haben es in der Vergangenheit über die Grenzen unserer Region hinweg geschafft, um eine Karriere im bezahlten Fußball zu starten. Johannes Flum ist einer von ihnen. Am 14. Dezember des vergangenen Jahrs wurde er 30. Und nach solch einem runden Geburtstag darf ein Fußball-Profi schon mal ein bisschen zurück blicken.

 

Video-Grüße von Fußball-Profi Johannes Flum aus Hamburg:

 

 

Vor zehn Jahren – im März und April des Jahres 2008 – war es, dass Johannes Flum seine beiden einzigen Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft der U20 hatte. In Pfullendorf vor heimischem Publikum ging's gegen die Schweiz, wenige Wochen später in Friedrichshafen gegen die Alterskollegen aus Italien. "Das waren für mich Höhepunkte in meiner sportlichen Laufbahn.

Johannes Flum im Trikot der deutschen U20-Nationalmannschaft im Jahr 2008.
Johannes Flum im Trikot der deutschen U20-Nationalmannschaft im Jahr 2008. | Bild: Eugen Fischer

Ein tolles Erlebnis. Und dass die Spiele in meiner Heimat stattfanden, war doppelt schön", erinnert er sich an den magischen Moment, in das Trikot mit dem Adler auf der Brust zu schlüpfen. Zu mehr Einsätzen in einem der deutschen Nationalteams kam es zwar nicht mehr, aber dafür ging's von da an im Vereinsfußball für Johannes Flum steil aufwärts. Noch im Jahr 2008 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag beim damaligen Zweitbundesligisten SC Freiburg.

Wie hatte alles angefangen? Seine ersten Schritte als Fußball-Knirps machte er beim FC RW Weilheim. Als Zwölfjähriger wechselte er in die Jugend des SV 08 Laufenburg. Von dort zog es ihn wiederum ein Jahr später zum SC Freiburg. Dort blieb er fünf Jahre und gewann zum krönenden Abschluss seiner Zeit als Jugendfußballer mit seinem damaligen Trainer Christian Streich im Mai 2006 den DFB-Vereinspokal bei den A-Junioren.

Schöne Zeit beim SC Pfullendorf: Nach einer Ecke konnte Johannes Flum  vor dem Frankfurter Dennis Hillebrand (5) per Kopfball klären. Torhüter Ralf Hermanutz, Torjäger Ivica Lucic und Neuzugang Michael Falkenmayer (rechts) beobachten die Szene.
Schöne Zeit beim SC Pfullendorf: Nach einer Ecke konnte Johannes Flum vor dem Frankfurter Dennis Hillebrand (5) per Kopfball klären. Torhüter Ralf Hermanutz, Torjäger Ivica Lucic und Neuzugang Michael Falkenmayer (rechts) beobachten die Szene. | Bild: Eugen Fischer

Als Aktiver spielte er zunächst für zwei Jahre beim Regionalligisten SC Pfullendorf, ehe das lockende Angebot aus seiner alten Heimat, dem Breisgau, zu ihm flatterte. Seit der Saison 2008/09 ist Johannes Flum Profi, schaffte mit dem SC Freiburg unter Trainer Robin Dutt auch sogleich den Aufstieg in die Erste Bundesliga. Sein erstes Tor im Oberhaus des deutschen Fußballs erzielte Flum am 20. März 2010 beim 1:0-Sieg der Freiburger gegen den FSV Mainz 05.

Erfolge im Breisgau: Johannes Flum jubelt nach einem Treffer für seinen SC Freiburg im Jahr 2012. Bild: Meinrad Schön
Erfolge im Breisgau: Johannes Flum jubelt nach einem Treffer für seinen SC Freiburg im Jahr 2012. Bild: Meinrad Schön | Bild: Meinrad Schön

Trainer Armin Veh war es, der ihn zur Saison 2013/14 zu Eintracht Frankfurt holte. Auch dort beim Großstadt-Verein in Hessen erlebte der Weilheimer eine tolle Zeit, in der er sich auch weiter entwickeln konnte. Bis zu jenem 1. Dezember 2015, als er sich im Training bei einem Zusammenprall mit einem Mannschaftskollegen die Kniescheibe brach. "Natürlich hat mich die schwere Verletzung eineinhalb Jahre zurück geworfen, aber ich habe das ganz gut weggesteckt. Heute denke ich nicht mehr daran", sagt Flum.

Eine lange Verletzungspause mit Reha war aber damals die Folge. Auch in der folgenden Saison 2016/17 reichte es für Flum nur noch zu wenigen Teileinsätzen. In die Stammelf der Frankfurter Eintracht mit Trainer Nico Kovac schaffte er es nicht mehr. Im Januar 2017 zog Flum die Reißleine. "Ich wollte einfach wieder spielen. Deswegen habe ich lieber einen Schritt zurück gemacht", erinnert er sich heute an seinen Wechsel vor 15 Monaten vom Main an die Elbe.

Besuch in der Heimat: Johannes Flum mit SÜDKURIER-Sportredakteur Gerd Welte im Januar 2016 in der Waldshuter Kaiserstraße. Damals war Flum bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und ging nach seiner schweren Sportverletzung lange an Krücken. Ein Jahr später wechselte er zum Zweitbundesligisten FC St. Pauli.
Besuch in der Heimat: Johannes Flum mit SÜDKURIER-Sportredakteur Gerd Welte im Januar 2016 in der Waldshuter Kaiserstraße. Damals war Flum bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag und ging nach seiner schweren Sportverletzung lange an Krücken. Ein Jahr später wechselte er zum Zweitbundesligisten FC St. Pauli. | Bild: Privat

Von da an war Zweitbundesligist FC St. Pauli sein Arbeitgeber. "Den Wechsel in die Hansestadt habe ich nie bereut", ist er noch immer glücklich. Vom tiefen Süden in den hohen Norden – bei den Kiez-Fußballern fühlt sich Johannes Flum so richtig wohl.

Vor zehn Jahren...

Unsere SÜDKURIER-Serie blickt einmal im Monat zurück auf das regionale Sportgeschehen des Jahres 2008. Gemeinsam mit Ihnen erinnern wir uns an spannende, kuriose und vielleicht längst vergessene Sportmomente in unserer Region. Viel Spaß damit!

 

"Ich habe gern meinen Vertrag beim FC St. Pauli verlängert"

In der Winterpause der Saison 2016/17 wechselte Johannes Flum (30) vom Erstbundesligisten Eintracht Frankfurt in die Zweite Bundesliga zum FC St. Pauli. Flum, der in Weilheim aufgewachsen ist und als Aktiver 2008 seinen ersten Profivertrag beim SC Freiburg unterschrieben hat, verlängerte vor wenigen Wochen seinen Vertrag bei den Kiez-Fußballern vom Hamburger Millerntor um zwei weitere Jahre.

Johannes, seit gut vier Monaten sind Sie Vater eines Mädchens. Wie fühlen Sie sich als frisch gebackener Familienvater?

Sehr gut. Wir drei sind glücklich. Pauline wächst und gedeiht. Und wir freuen uns auf Frühling und Sommer.

Sportlich steckt der FC St. Pauli schon länger im Mittelfeld der Zweiten Bundesliga fest, kämpft aktuell sogar gegen den Abstieg. Ist die Erste Bundesliga denn so weit weg?

Der Aufstieg ist unser sportliches Fernziel. Aber diese Saison müssen wir nach einer Negativserie zuletzt alles daran setzen, dass wir die Kurve nochmals kriegen und nicht aus der Zweiten Bundesliga absteigen.

Die Mannschaft schießt zu wenig Tore.

Ja. Dieses Problem haben wir immer noch.

Nächste Saison könnte aber auch die 2. Liga in Hamburg sehr reizvoll sein. So wie es aussieht, steigt der Stadtrivale HSV ab.

Wenn der HSV absteigen sollte, freut sich natürlich jeder hier auf das große Derby.

Sie haben vor kurzem Ihren Vertrag beim FC St. Pauli bis 2020 verlängert.

Ja, ich habe gern unterschrieben. Ich fühle mich wohl hier. Die Mannschaft hat großes Potenzial.

Seit Ende 2017 haben Sie auch einen neuen Cheftrainer: Für Olaf Janßen übernahm Markus Kauczinski. Läuft alles gut?

Ja sicher. Jeder Trainer hat seinen eigenen Stil. Markus Kauczinski hat eine klare Spielidee. Unter ihm werden wir noch einen Schritt nach vorn machen. Unser Potenzial haben wir bis jetzt noch nicht ausgeschöpft.

Sie sind 30 Jahre alt. Denken Sie schon an die Zeit nach ihrer Karriere als Fußballer?

Mein Vertrag wurde bis 2020 verlängert. Erst einmal will ich noch ein paar Jahre Fußball spielen. Darüber hinaus plane ich noch nicht. Ich lasse da alles auf mich zukommen.

Wollen Sie dem Fußball treu bleiben?

Das kann ich mir vorstellen.

Als Trainer?

Ich will alle Trainerscheine machen. Aber ob und wie ich das umsetze, lasse ich noch offen.

Sind Sie oft in ihrer alten Heimat in Weilheim zu Besuch?

An Weihnachten waren wir bei unseren Eltern. Aber wir haben hier beim FC St. Pauli nie länger als zwei Tage nacheinander frei. Mal schnell von Hamburg nach Weilheim – das geht nicht. Das ist wirklich zu viel Stress.

Fragen: Gerd Welte