Beste Stimmung, Traumwetter und rund 1600 begeisterte Zuschauer boten die Kulisse für ein tolles Fußballfest im Langensteinstadion beim FC Tiengen 08, der sich einmal mehr als umsichtiger und routinierter Ausrichter profilierte. Das Pünktchen auf dem i fehlte am Ende. Die deutsche U17-Nationalelf kassierte in vorletzter Minute noch den 2:2-Ausgleich, als Juve-Youngster Mirco Lipari einen Abstimmungsfehler nutzte und seinen Azurri den Turniersieg bescherte.

Für Bundestrainer Michael Feichtenbeiner war der späte Ausgleich ärgerlich. Sein Team spielte den frischeren und drangvolleren Fußball. Folgerichtig führte die deutsche Elf verdient mit 2:0. Im ersten Durchgang hatte Lars Kehl (20./SC Freiburg) getroffen, Jan Thielmann vom 1. FC Köln legte nach.

Felix Gebhardt (FC Basel) im SÜDKURIER-Interview:

Am Ende schwanden die Kräfte dann doch

Doch im dritten Spiel innerhalb sechs Tagen schwanden doch die Kräfte. Marvin Alexa (SV Sandhausen) verschätzte sich böse, Nicolo Crudig (FC Brügge) war zur Stelle: "Sein einziger Fehler. Marvin hat ein Klassespiel gemacht", lobte Feichtenbeiner den Rotschopf dennoch. Der Anschlusstreffer wäre Makulatur gewesen, wären die Tore nicht 7,32 Meter sondern 7,35 Meter breit: "Soooo wenig hat gefehlt", griff sich Lars Kehl nach seinem Distanzschuss an den Kopf. Vom rechten Innenpfosten knallte der Ball noch an den linken Pfosten und dann wieder ins Feld. Das schien die Azurri zu beflügeln. Der späte Ausgleich war der Lohn.

Die Junioren des FC Tiengen 08 feuern das deutsche Team an:

"Wie in Singen, als wir gegen die Niederlande in der Nachspielzeit das 2:2 kassieren", haderte Feichtenbeiner kurz: "Natürlich hätten wir das Turnier gern gewonnen. Aber wichtiger waren unsere viel versprechenden Auftritte. Richtig ernst wird es im März, wenn wir uns für die Europameisterschaft qualifizieren wollen." Dann steht vielleicht Felix Gebhardt aus Steinen zwischen den Pfosten. Der Torwart des FC Basel war nachnominiert worden, kam aber in Tiengen nicht zum Einsatz.

Italien-Fan Patrick Catalano aus Tiengen-Homburg freut sich über Italiens Turniersieg:

Während die deutschen Spieler enttäuscht in die Kabinen schlichen, feierten die Italiener ausgelassen ihren fast nicht mehr für möglich gehaltenen Turniersieg. Und es gab zumindest zwei Tiengener im Langensteinstadion, die sich auch ein wenig mit den Azurri freuten: "Ich bin eigentlich schon eher für Italien", gab Matteo Glasstetter, der bei den Rot-Weißen in der C-2 spielt zu. Seine Mama ist Italienerin, der Papa Deutscher. Unterm Strich war dem Jugendspieler aber wichtig, tollen Fußball gesehen zu haben: "Da schaut man schon genauer hin, um etwas zu lernen", lachte er.

So feiern die Italiener den Turniersieg in Tiengen:

Mit einem breiten Grinsen verließ Patrick Catalano die Tribüne. Der in Homburg lebende ehemalige Fußballer war nach bangen Minuten am Ende begeistert: "Ich freue mich riesig", erzählt er im Video mit dem SÜDKURIER.

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Armin Leichenauer: "Der FC Tiengen 08 kann solche Großveranstaltungen stemmen"

Armin Leichenauer (FC Tiengen 08): "Vom Spiel habe ich kaum etwas mitgekriegt. Ich war ständig auf Achse."
Armin Leichenauer (FC Tiengen 08): "Vom Spiel habe ich kaum etwas mitgekriegt. Ich war ständig auf Achse." | Bild: Scheibengruber, Matthias

Bei Armin Leichenauer (45) liefen die organisatorischen Fäden rund um die U17-Länderspiele zusammen. Der Präsident des FC Tiengen 08 war am Ende voll des Lobes.

Armin, wie lautet Ihre Bilanz?

Der FC Tiengen 08 und seine Mitglieder haben, obwohl wir schon knapp am Rande unserer Möglichkeiten gewesen sind, gezeigt, dass wir solche Großveranstaltungen, wie schon in der Verghangenheit, stemmen können.

Wie hoch war der personelle Einsatz?

74 Kinder waren mit Einlaufen , Fahnen sowie als Balljungen beschäftigt. Dazu hatten wir rund 50 erwachsene Helfer.

Großen Anteil hatte die Sicherheit?

Richtig, aber das fiel nicht in unser Ressort. Die für den DFB arbeitende Agentur hatte rund 20 Leute organisiert.

Es war aber auch viel Polizei vor Ort.

Das waren besondere Auflagen, weil die israelische Mannschaft hier spielte. Wir hatten über Nacht zwei Sicherheitskräfte in der Anlage und am Morgen wurden von den Israelis sämtliche Räume des Stadions kontrolliert.

Aber alles im grünen Bereich?

Natürlich. Es lief am Schnürchen, gab keinerlei Zwischenfälle.

Wie fanden Sie das Spiel?

Welches Spiel? Ich habe nur mal kurz mitbekommen, dass ein Tor gefallen sein musste. Ich war ständig auf Achse.

Fragen: Matthias Scheibengruber