<strong>Julian Göbel</strong> (FC Erzingen) im Interview: „Ein Aufstieg mit dieser Mannschaft würde mich durchaus reizen“
Julian Göbel (FC Erzingen) im Interview: „Ein Aufstieg mit dieser Mannschaft würde mich durchaus reizen“ | Bild: Scheibengruber, Matthias

Fußball-Bezirksliga

FC Erzingen – FC Wehr 4:0 (3:0). – Tore: 1:0 (2.) Morawczik; 2:0 (10.) M. Göbel; 3:0 (40.) J. Göbel; 4:0 (90.) Uhl. – SR: Jan Sigel (Waldshut-Tiengen). – Z.: 160.

Nach dem zweiten misslungenen Versuch platzte Klaus Gallmann der Kragen: „Zwei Mann stehen frei und warten auf den Ball“, stauchte der Trainer des FC Erzingen den Flügelflitzer lautstark zusammen. Hannes Linke war innerhalb weniger Minuten zwei Mal seinen Bewachern enteilt, drang von rechts in den Strafraum ein und zog ab. Einmal war Torwart Markus Deiss zur Stelle, ein ander Mal blockte Michael Bauder ab.

„Er hat ja recht“, gab der 19-jährige Angreifer nach dem 4:0 gegen den FC Wehr offen zu: „Ich wollte halt auch ein Tor erzielen.“ Vor knapp vier Minuten kam Linke vom VfB Waldshut ins Team von Klaus Gallmann. Seither steigert er kontinuierlich seine Einsatzminuten, stand gegen den FC Wehr zum siebten Mal in der Startelf. Ein wachsendes Vertrauen, das er mit Auftritten wie beim 4:0 gegen die vor der Pause überforderten Wehrer, immer mehr rechtfertigt.

Wenn da nur das verflixte fehlende Tor nicht wäre. Im ersten Durchgang drehte Linke sofort auf, passte von links in den Strafraum und Marco Morawczik traf nach 105 Sekunden zum 1:0. Beim 2:0 (10.) war Linke nicht direkt beteiligt, Manuel Göbel war nach einer Ecke von Felix Uhl zur Stelle.

Dem FC Wehr drohte ein Debakel, denn von Struktur war nichts zu sehen. „Wir haben das in der ersten Hälfte ganz schlecht gemacht“, schüttelte Trainer Michael Schenker enttäuscht den Kopf. Seine Sorgen werden nicht geringer, die Verletztenliste immer größer. Nach einer guten halben Stunde winkte Alexander Rebis ab. Eine Verletzung aus der Vorwoche war wieder aufgebrochen. Für ihn kam Marc Seger. In der Pause ersetzte Francesco Vardi den indisponierten Andreas Ranert.

Da war es für eine Wende fast zu spät. Kurz vor dem Seitenwechsel hatte Hannes Linke einen Steilpass von Danilo Torsello erlaufen, hängte Seger ab und passte quer. Julian Göbel war mit seinem neunten Saisontor zur Stelle.

„Nach dem Wechsel schalten wir zwei oder drei Gänge zurück“, konnte Klaus Gallmann nicht fassen, wie sich seine Elf plötzlich präsentierte: „Vor der Pause haben wir sehr ordentlich gespielt und viel Spielwitz gezeigt.“ Davon war jetzt nichts mehr zu sehen: „Die Wehrer waren im zweiten Durchgang viel agiler, unsere Fehler häuften sich bedenklich. Wenn wir uns da zwei Gegentore fangen, überrascht das nicht.“

Ähnlich sah es Michael Schenker: „Wir hatten einige Chancen“, zählte er nicht nur den Kopfball (66.) und das Solo (85.) von Francesco Vardi auf. Allerdings durften sich die Wehrer auch bei Markus Deiss bedanken, der nicht nur bei der Doppelchance (56.) von Uhl und Torsello glänzend parierte und in dieser Phase noch Schlimmeres verhinderte.

So mussten die Erzinger bis zur Schlussminute warten, ehe ihnen gegen die nun nur noch mit neun Feldspielern auf dem Platz stehenden Wehrer – Schenker hatte seinen dritten und letzten Ersatzmann, Tobias Ramsteiner, in der 76. Minute für Rico Schellin gebracht und konnte deshalb nicht mehr auswechseln, als der angeschlagene Mike Häfele in der 84. Minute passen musste – der 4:0-Schlusspunkt gelang. Den verbuchte Hannes Linke zumindest mit einem Assistpunkt als Vorbereiter – auch, weil er nicht noch einmal einen Anschiss des Trainers kassieren wollte. Sekunden vor dem Abpfiff setzte er sich wieder rechts durch, schaute im Strafraum tatsächlich nochmals auf und sah – Felix Uhl, der aus sechs Metern traf.

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Für die Erzinger war der sechste Sieg im sechsten Heimspiel in trockenen Tüchern. Zumindest bis Sonntagnachmittag durften sie sich sogar als Spitzenreiter feiern lassen, weil der SV Buch mit seinem 6:3 gegen den FV Lörrach-Brombach II etwas Schützenhilfe leistete. Für Klaus Gallmann ist der Erfolg umso höher anzusiedeln, weil in den verletzten Valentin Loparco, Stefan Fels und Fabian Binzer sowie dem beruflich verhinderten Hasan Faslak und dem gesperrten Sandro D'Accurso fünf Akteure fehlten, die locker in der Stamm-Elf einen platz finden.

"Der zweite Anzug passt im Moment, was mich außerordentlich freut", zog Gallmann nahezu zufrieden seine Bilanz nach dem ersten Saisondrittel: "Langsam bekommt die Tabelle ein Gesicht und ich denke, dass wir gut dastehen. Nächste Woche in Wittlingen haben wir gegen eine der spielerisch besten Mannschaft sogar die Chance, den Vorsprung auf diesen Verfolger noch auszubauen."

<strong>Alexander Rebis</strong> (FC Wehr) im Video-Interview: "Meine Verletzung ist nicht so dramatisch. Ich war vor einer Woche umgeknickt, spielte mit Tape und das ist wieder aufgebrochen."
Alexander Rebis (FC Wehr) im Video-Interview: "Meine Verletzung ist nicht so dramatisch. Ich war vor einer Woche umgeknickt, spielte mit Tape und das ist wieder aufgebrochen." | Bild: Scheibengruber, Matthias

Julian Göbel (FC Erzingen): „Ein Aufstieg mit dieser Mannschaft würde mich durchaus reizen“

Abgesehen von zwei Unterbrechungen, als Jugendspieler beim SV 08 Laufenburg und als Aktiver beim FC Bad Dürrheim, spielt Julian Göbel (31) immer für den FC Erzingen.

Julian, als Sie damals als Jungspund in die „Erste“ kamen, spielte der FC Erzingen noch ein halbes Jahr in der Landesliga. Schließt sich nun für Sie der Kreis?

In erster Linie reizt es mich, nochmal einen Aufstieg mit dieser Mannschaft feiern zu können. Ob das gelingt, wird man sehen. Die Saison ist noch lang.

Die Landesliga reizt Sie gar nicht?

Moment, ehe ein Missverständnis entsteht: Ich gebe alles für den Erfolg und fände es toll fürs Team, wenn es mit dem Aufstieg klappt. Persönlich spüre ich nach zwei Kreuzbandrissen in Folge, die mich fast zwei Spielzeiten gekostet haben, dass mir mittlerweile Spritzigkeit und Schnelligkeit abgehen.

Erstaunliche Erkenntnis für einen Spieler, der nach zehn Spielen mit neun Toren die interne Torschützenliste anführt.

Diese Ausbeute erstaunt mich eigentlich auch. Es hängt wohl damit zusammen, dass ich im Mittelfeld spiele, seit Klaus Gallmann unser Trainer ist.

Sie hegen also keine Ambitionen, mit 32 Jahren im nächsten Sommer als Torschützenkönig die Saison zu beenden?

Absolut nicht. Wenn Sandro D’Accurso in drei Wochen seine Sperre abgesessen hat, werde ich ihn unterstützen, dass er in der Torschützenliste weit nach vorn kommt. Er fehlt uns doch sehr.

Sandro gehört ja durchaus zu den emotionaleren Spielern. Sie sind eher ruhig auf dem Platz. Wie hält man das aus?

Das passt schon. Eine Mannschaft aus elf gleichen Typen würde gar nicht funktionieren. Wir brauchen das in einer gewissen Form auch.

Ihr Bruder Manuel lebt jetzt in Kirchzarten, blieb dem Club treu. Wie wichtig ist das für Sie, ihn im Team zu wissen?

Er nimmt viel Aufwand auf sich, davor ziehe ich den Hut. So gesehen bin ich sehr froh, weiter mit ihm zu spielen. Für ihn wäre ein Aufstieg in die Landesliga wirklich ideal, denn dann hätte er kurze Wege – zumindest bei Auswärtsspielen.

Fragen: Matthias Scheibengruber

 

Interview mit Hannes Linke (FC Erzingen)

 

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