Fußball kann manchmal ein richtig ernstes Spiel sein. Bei den Profis geht es um viel Geld, bei den Amateuren und dem Fußball-Nachwuchs um die Ehre. Tore, Punkte und Tabellen – davon lebt der Fußballsport. Bei den F-Junioren, also den Sechs-bis Achtjährigen, und den noch jüngeren Bambini gibt es keine Punktspiele. In Spielrunden, Turnieren oder Freundschaftsspielen treten die Jüngsten aus den Vereinen gegeneinander an. Gewinnen will bei den Jüngsten auch jeder. Nur wird kein Sieger gekürt. Ranglisten sind tabu. Auch der Südbadische Fußballverband verlangt das. Die Idee dahinter: Die Kinder sollen nicht zu früh in ihrem natürlichen Spieltrieb gebremst werden. Erfolg um jeden Preis ist verpönt. Ein Talent soll in Ruhe reifen dürfen.

<strong>Sitzt, passt:</strong> Der Eschbacher Trainer Benjamin Marder hilft seinem Sohn Samuel beim Anziehen der Torwarthandschuhe. <em>Bild: Gerd Welte</em>
Sitzt, passt: Der Eschbacher Trainer Benjamin Marder hilft seinem Sohn Samuel beim Anziehen der Torwarthandschuhe. | Bild: Welte, Gerd

Fußball soll den Jüngsten also Spaß machen. Spaß haben die Fußball-Knirpse der F-Junioren durchaus. Das wird beim May-Turnier des VfB Waldshut, bei dem sich auch acht Mannschaften der F-Junioren in einem Spielturnier nach dem Modus Jeder gegen Jeden so richtig austoben, deutlich. Der Spaß funktioniert aber nur nach Regeln. Disziplin ist das A und O. "Pst, jetzt rede ich", wird André Schröter, einer der drei Betreuer des SC Lauchringen, bei seiner Spielanalyse vor den Jungs etwas lauter. Und dann gibt es auch mal taktische Anweisungen.

<strong>So geht's:</strong> Der Lauchringer Trainer André Schröter gibt seinem Schützling wichtige Tipps. <em>Bild: Gerd Welte</em>
So geht's: Der Lauchringer Trainer André Schröter gibt seinem Schützling wichtige Tipps. | Bild: Welte, Gerd

Selbstbewusst und fair

Vor der Partie gegen den SV Eschbach wird ein Kreis gebildet. Gemeinsam sind sie stark – seine Lauchringer Buben. Aber auch die Eschbacher verstecken sich nicht, demonstrieren Einigkeit. Der SV Eschbach tönt aus vielen Kinderkehlen. Und als ein Talent des VfB Waldshut aus Versehen mal einen Lauchringer "umsäbelt", wird der "Übeltäter" von seinem Trainer gleich in die Pflicht genommen. "Stopp. Nicht weiterspielen. Du entschuldigst dich jetzt." Der Gefoulte, bei dem schon die Tränen kullern, beruhigt sich auch gleich. Die Mutter hat es auch mitbekommen und steht schon tröstend parat.

<strong>Geht doch:</strong> Die Stutzen müssen sitzen. Lieber nochmal umkrempeln. Das weiß doch jedes Fußball-Talent. <em>Bild: Gerd Welte</em>
Geht doch: Die Stutzen müssen sitzen. Lieber nochmal umkrempeln. Das weiß doch jedes Fußball-Talent. | Bild: Welte, Gerd

Ohnehin fällt auf, dass die Eltern bei den Spielen der Jüngsten eine wichtige Rolle spielen. "Viele Väter oder Mütter sind bei uns eingebunden. Sie kümmern sich um die Betreuung und um viele andere Dinge", bestätigt Benjamin Marder, der lange Jahre beim SV Eschbach aktiv spielte, ehe er die Bambini und jetzt die F-Junioren des Vereins trainiert. Sein Sohn Samuel steht bei den Eschbachern im Tor und erhält noch die letzten Tipps. Auch die Schuhbändel sitzen beim Sohnemann etwas locker und müssen noch mal nachgezogen werden.

<strong>Zum Glück ist Mama da:</strong> Das Binden der Fußballstiefel ist gar nicht so einfach.<em> Bild: Gerd Welte</em>
Zum Glück ist Mama da: Das Binden der Fußballstiefel ist gar nicht so einfach. | Bild: Welte, Gerd

Betreuer oder Trainer bei den F-Junioren sein – das ist eine große Aufgabe. Da reicht es nicht aus, Ahnung vom Fußball zu haben. Ein bisschen Pädagoge sollte man schon sein – mal Seelentröster, mal Autoritätsperson. Die Mischung macht's. "Meine Jungs wollen immer gewinnen. Auch wenn es keine Rangfolge bei diesen Turnieren gibt", sagt Marder. Jeder bekommt bei der Siegerehrung nach dem Turnier ein T-Shirt. Und das findet nicht nur Marder gut so. Auch die anderen Väter oder Mütter, die als Betreuer an der Linie eingesetzt sind oder das Geschehen interessiert von der Bande aus verfolgen, stimmen dem zu: Hier gibt es keine Verlierer, nur Gewinner.

<strong>Zweikampf:</strong> Zur Sache geht's beim Spiel zwischen dem VfB Waldshut (blaue Trikots) und dem SV Dogern. <em>Bild: Gerd Welte</em>
Zweikampf: Zur Sache geht's beim Spiel zwischen dem VfB Waldshut (blaue Trikots) und dem SV Dogern. | Bild: Welte, Gerd

Für das F-Junioren-Turnier beim VfB Waldshut haben sich acht Mannschaften angemeldet. Dabei sind neben dem Nachwuchs des Ausrichters der SV Gurtweil, der SV Dogern, der SV 08 Laufenburg, der SV Eschbach, der FC Tiengen 08, der SC Lauchringen und die Gäste vom SV Seebach aus der Schweiz.

<strong>Die Mama hilft gern:</strong> Bei den F-Junioren ist auch mal Hilfe beim Anziehen des Trikots gefragt. <em>Bild: Gerd Welte</em>
Die Mama hilft gern: Bei den F-Junioren ist auch mal Hilfe beim Anziehen des Trikots gefragt. | Bild: Welte, Gerd

Insgesamt betreut der VfB Waldshut bei seinem May-Turnier 59 Mannschaften von den C- bis zu den F-Junioren an diesem heißen Wochenende. Die vielen ehreamtlichen Helferinnen und Helfer des Vereins haben richtig viel zu tun, um in ihrer Freizeit das alles leisten zu können. Selbst der ein oder andere Urlaubstag muss dafür geopfert werden.

Henri Hager, der in die Organisation beim VfB Waldshut eingebunden ist, macht das ein bisschen stolz: "Wir haben das größte Juniorenfußballturnier am Hochrhein. Da geht vor allem in der Vorbereitung viel Zeit drauf. Aber es lohnt sich." Auch Klaus Fricker, der Vorsitzende des Vereins, kann das nur bestätigen: "Wir machen das jetzt zum sechsten Mal. Früher hatten wir das Intersport-Fußballcamp. Das war noch arbeitsintensiver, weil der Nachwuchs über drei Tage lang betreut und auch verpflegt werden musste."

<strong>Vertieft:</strong> Diese beiden F-Junioren sind ganz vertieft ins Spiel und warten auf ihre Einwechslung. <em>Bild: Gerd Welte</em>
Vertieft: Diese beiden F-Junioren sind ganz vertieft ins Spiel und warten auf ihre Einwechslung. | Bild: Welte, Gerd

Arbeit ist jetzt immer noch genug. Aber alle helfen mit, ziehen an einem Strang. Nicht nur beim VfB Waldshut, sondern bei allen Vereinen unseres Bezirks, die Nachwuchsarbeit betreiben oder Turniere ausrichten. Reich werden sie alle nicht davon, aber Spaß macht's. Vor allem den jungen Kickern.

Interview von SÜDKURIER-Sportredakteur Gerd Welte mit Trainer André Schröter vom SC Lauchringen

Bei der Siegerehrung gibt es für jedes Fußballtalent ein T-Shirt:

 

Trainer André Schröter vom SC Lauchringen gibt seinen Jungs die letzten Tipps vor dem Spiel

 

Abklatschen mit dem Gegner gehört auch bei den F-Junioren schon zur Tradition 

 

Wir sind Spitze: Trainer Benjamin Marder und seine Jungs vom SV Eschbach stimmen sich auf das Spiel ein

 

Trainer André Schröter gibt seinen Jungs die Aufstellung für das kommende Spiel bekannt