Fußball-Bezirksliga: – Ein Lautsprecher ist er auf gar keinen Fall. Würde Dennis Heinemann beim FC Wallbach seine Zuspiele nur auf Zuruf bekommen, hätte er vermutlich kaum einen Ballkontakt im Spiel. Doch einer wie Dennis Heinemann muss nicht laut auf sich aufmerksam machen. Der 24-Jährige spielt seine vierte Saison in der Bezirksliga, die Laufwege sind den Mitspielern mittlerweile bekannt.

Dass sie Heinemanns Wege nicht kannten, war vielleicht das entscheidende Pech für die Waldshuter beim 1:3 in der enttäuschend schlecht besuchten Schmittenau. Nur knapp 100 Zuschauer wollten die Heimpremiere des Aufsteigers sehen. Hatte vielleicht das 1:5 zum Auftakt beim FC Zell die potenziellen Besucher abgeschreckt, oder vergnügten sich die Waldshuter lieber auf der Chilbi?

Viel verpasst hatten sie zumindest im ersten Abschnitt, sofern sie eine Trotzreaktion der jungen Elf von Trainer Nils Mühlenweg erwartet hätten, nicht. Wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange standen die Gastgeber vor den Wallbachern. Zweikämpfe waren nicht das Ding der Blauen, sie ließen den Roten den Ball und viel Platz: „Wir waren zu ängstlich, zu passiv. Das war schlicht eine Katastrophe“, stapfte Mühlenweg angefressen in die Halbzeitpause: So wie wir aufgetreten sind, hätten wir gegen jeden A-Kreisligisten verloren.“

Bis dahin hatten die Wallbacher eine kleine Gala geboten. Angetrieben von Dominik Bitzenhofer und dem fleißigen Christoph Bank belagerten die Gäste den Strafraum. Dort suchten und fanden sie meist Dennis Heinemann.

Der prüfte nach 15 Minuten mit einem Distanzschuss die Flugkünste von Patrick Almeida – der 18-jährige Schlussmann parierte. „Patrick hat sich gegenüber der A-Jugend enorm gesteigert. Er ist in Top-Verfassung. Gut, dass wir ihn haben“, lobte Mühlenweg den Youngster, der zwar noch beim Nachwuchs spielen dürfte, aber in der „Ersten“ bleibt: „Er wird sich dem Konkurrenzkampf mit Cihan Ceylan stellen.“ Der Neuzugang aus Koblenz/CH darf ab kommender Woche spielen.

Die Torwartposition ist das kleinste Problem der Waldshuter. Das zeigten die bitteren Minuten nach dem Aus von David Mollmann, der sich bei einem Zweikampf die Schulter auskugelte und ins Spital musste. In Unterzahl herrschte kollektives Durcheinander, so dass Dennis Heinemann nach einem Querpass von Christof Bank den Ball im Strafraum zunächst in Ruhe annahm, Ediz Schlegel mit einer Drehung ins Leere laufen ließ und dann mit zwei schnellen Schritten freie Bahn zum 1:0 hatte. Damian Granacher blieb nur die Zuschauerrolle. Drei Minuten später war Bank erneut links durch, sein Pass fand Dominik Bitzenhofer – 2:0.

Jetzt musste um die Waldshuter gebangt werden. Mühlenweg brachte Serkan Korkut, den er vor dem Anpfiff aus der Start-Elf genommen hatte, für Mollmann. Zehn Minuten später musste Patrick Fischer, für Korkut kurzfristig ins Team gerutscht, wieder vom Feld: „Die Aktion vor dem Anpfiff war eine Bauchentscheidung. Das ging daneben“, gab Mühlenweg zu: „Nicht nur die Spieler machen Fehler. Auch ich als Trainer muss und werde noch viel lernen.“

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Lernen können sie von einem abgezockten Stürmer wie Frank Tufaro. Der 36-Jährige spielte unauffällig, doch als Mike Heyde den Steilpass von Simon Wunderle quer legte, war er da. Sein 3:0 (45.+1) war die Entscheidung.

Im zweiten Durchgang nahmen die Wallbacher deutlich das Tempo raus, was wiederum den Perfektionisten an der Seitenlinie fuchsig machte: „In der ersten Hälfte haben wir gezeigt, welche Qualität im Team steckt. Aber nach der Pause haben wir immer den letzten notwendigen Schritt zu wenig gemacht“, monierte Patrick Bayer: „Deshalb ärgert mich auch der Gegentreffer so.“

Allerdings fiel Domenik Merditas 1:3 (78.) zu spät, um die Wallbacher in Bedrängnis zu bringen. Aus ihren wenigen Möglichkeiten machten die Waldshuter nicht viel. „Wir waren nach dem Wechsel besser. Ich wurde in der Kabine aber auch entsprechend laut, um meine Spieler zu wecken“, nahm Mühlenweg kein Blatt vor den Mund: „Man muss die Jungs mal an der Ehre packen.“

Kapitän Ediz Schlegel (VfB Waldshut): "Es ist wichtig, dass unsere jungen Spieler aus den Fehlern lernen"

Kapitän Ediz Schlegel (VfB Waldshut): "Von einem Fehlstart möchte ich trotz der beiden Niederlagen noch nicht sprechen.
Kapitän Ediz Schlegel (VfB Waldshut): "Von einem Fehlstart möchte ich trotz der beiden Niederlagen noch nicht sprechen. | Bild: Scheibengruber, Matthias

Der Werdegang von Ediz Schlegel (21) beim VfB Waldshut ist eine echte Erfolgsstory. Wir sprachen nach dem 1:3 gegen den FC Wallbach mit dem Kapitän des Aufsteigers.

Ediz, wie lange spielen Sie schon beim VfB Waldshut?

Ich habe mit vier Jahren hier in der Schmittenau angefangen und bin nicht nur stolz darauf, dass ich heute die Mannschaft als Kapitän auf den Platz führen durfte, sondern auch darauf, zum 97/98-Kader zu gehören.

Was macht diese Jahrgänge so besonders?

Wir haben eigentlich in jeder Altersklasse einen Titel geholt, wenn auch nur auf Kreisliga-Ebene. Aber mit den A-Junioren haben wir den Sprung in die Landesliga geschafft. Und als Krönung die Rückkehr mit der "Ersten" in die Bezirksliga.

Denkt man nach den beiden Niederlagen zum Auftakt noch an die Aufstiegsspiele gegen den TuS Stetten?

Auf jeden Fall! Das war das bislang Größte für mich, vor solchen Kulissen zu spielen – und zu gewinnen.

Und nun dieser Fehlstart!

Also von einem Fehlstart möchte ich nicht sprechen. Wir haben zwar zwei Spiele verloren, aber wir haben ja auch noch nicht den kompletten Kader zur Verfügung. Wenn alle Mann an Bord sind, dann kommen auch die Ergebnisse. Viel wichtiger ist für uns, dass wir jungen Spieler aus den Fehlern lernen.

Die ja durchaus gehäuft auftraten.

Das ist wahr. Gerade unser taktisches Verhalten nach dem Ausscheiden von David Mollmann, der enorm wichtig für uns ist, war grenzwertig . Da nehme ich mich als Kapitän auch gar nicht aus. Wenn hinten einer fehlt, dann muss ein Stürmer mit zurück. Das hat nicht geklappt, weil es mir zu spät aufgefallen ist. So etwas darf mir nicht mehr passieren, denn als Kapitän habe ich auf dem Platz auch Verantwortung.

Der Auftritt in der ersten Hälfte war ohnehin schwach?

Wir haben uns zu schnell hinten rein drücken lassen. Wir sind ja kaum über die Mittellinie gekommen und haben uns zu viele Ballverluste geleistet.

Die Elf ist jung, macht Fehler. Ist der Umbruch zu krass ausgefallen?

Nein, das finde ich nicht. Es ist richtig und wichtig, dass der Verein auf junge Spieler und Nils Mühlenweg setzt. Der Trainer hat einen guten Plan für die Zukunft und den werden wir umsetzen. Wir machen jetzt einen Schritt nach dem anderen und dann wird das. Davon bin ich überzeugt. Aber, es ist natürlich auch wichtig, dass wir langsam damit beginnen, die nötigen Punkte zu holen.

Fragen: Matthias Scheibengruber

 

Interview mit Domenik Merdita vom VfB Waldshut:

Interview mit Dennis Heinemann vom FC Wallbach: