Fußball-Bezirksliga: – Selten sieht man eine Elf so sprachlos nach dem Schlusspfiff, wie den FC Wehr nach dem 1:2 im Derby gegen den FC Wallbach. "Wir hatten kaum Aktionen nach vorn, haben es nicht einmal versucht", grübelte Stürmer Andreas Ranert nach der Ursache für den blutleeren Auftritt der Gastgeber: "Spielerisch war das gar nichts." Immer wieder wurde im Wehrer Tross der Kopf geschüttelt. Nach dem erfrischenden Auftritt vor Wochenfrist bei der SpVgg. Brennet-Öflingen konstatierte Trainer Michael Schenker enttäuscht: "Das war einfach nicht unser Tag. Der Wallbacher Sieg ist verdient."

Dass die Gäste sich die drei Punkte in den Trikotkoffer packen durften, stand allerdings erst fünf Minuten vor Schluss fest. Und wie das Tor fiel, überraschte niemanden mehr. Langer Abschlag von Torwart Maurizio Di Bella. Der Ball rutschte Michael Bauder über den Scheitel. Johannes Groß hatte freie Bahn, schoss aus spitzem Winkel. Verteidiger Alexander Rebis lenkte den Ball an die Latte und den Abpraller schob Albert Flato ins Netz: "Plötzlich lag der Ball vor mir. Der musste einfach rein", freute sich der Torschütze im SÜDKURIER-Videointerview: "Mit dieser Elf ist viel möglich. Lasst euch einfach überraschen."

Interview mit Albert Flato (FC Wallbach): 

Flato hatte gut reden, doch ohne dieses "Murmeltor" hätte sich der Gast gewaltig ärgern müssen: "Wir haben viel richtig gemacht, hatten danke des großen Kaders viel Qualität auf dem Platz", erklärte Trainer Patrick Bayer, der nur eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff in Zürich nach einer Geschäftsreise nach Übersee gelandet war: "Allerdings fehlte im Angriff oft die Präzision gefehlt", bemängelte er, dass sein Team nicht viel früher den Sieg unter Dach und Fach gebracht hat.

So bewahrten Groß und Flato den Gast vor einem fatalen Unentschieden. Über weite Strecken dominierend, lieferten die Wallbacher dem FC Wehr das 1:0 auf dem Silbertablett. Christof Bank wollte den Ball nach vorn spielen, traf Mitspieler Mathias Hottinger. Den Abpraller schob Andreas Ranert (25.) locker zur Führung ein. Doch der Patzer bremste die Wallbacher nicht. Eduard Nowak überlief Michael Bauder, ließ Alexander Rebis ins Leere laufen und legte überlegt für Dennis Heinemann zum 1:1 (43.) auf.

Interview mit Andreas Ranert (FC Wehr): 


So souverän machten die Wallbacher nach der Pause weiter, doch das zweite Tor wollte einfach nicht fallen. Und just in dem Moment, als der FC Wehr spürte, dass mit mehr Engagement vielleicht doch noch ein Sieg drin sein könnte, schlugen Di Bella, Groß und Flato eiskalt zu: "Wenn wir so ein überlegen geführtes Spiel nicht gewinnen, falle ich vom Glauben ab", lachte Di Bella zufrieden.

 

"Das war das Geburtstagsgeschenk für Patrick und mich"

Seit 15 Jahren spielt Maurizio Di Bella, der einen Tag vor dem Derby 40 Jahre alt wurde, wieder beim FC Wallbach. Dort begann der Torwarttrainer als Jugendlicher, ging dann nach Laufenburg und spielte auch drei Jahre beim FC Wehr.

Maurizio, das Leben schreibt manchmal lustige Geschichten?

Richtig! Ich habe mit dem Abschlag vor dem 2:1-Siegtor mir selbst und unserem Trainer, der am Freitag 31 Jahre alt wurde, das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht. Zudem hatte ich bei meinem einstigen Verein den ersten Saisoneinsatz, nachdem ich mir beim Wehrtalpokal, im Endspiel gegen den FC Wehr, den Finger ausgekugelt hatte.

Hand aufs Herz. Das mit dem Abschlag war doch eher Verzweiflung als Absicht?

Nein, nein. Wir arbeiten viel mit einstudierten Varianten. Mir sah zur Spieleröffnung keine andere Möglichkeit, schaute zu Johannes Groß und dann wusste er, dass der lange Ball kommt. Glück war einzig, dass Michael Bauder nicht richtig an den Ball kam. Mir war klar, dass das Tor fallen würde – und es war hochverdient.

Also doch ein Plan?

Natürlich. Wir haben vor jedem Spiel einen Plan. Dieses Mal war es etwas kompliziert, weil Patrick Bayer beruflich bedingt in den USA war. Aber auf unser Trainerteam kann er sich verlassen.

Der große Kader ist ein Vorteil. Heute saßen Spieler auf der Bank, die ihr im vergangenen Spieljahr nicht mal auf dem Platz hattet.

Das Beste ist, dass es funktioniert. Dass keiner muckt, wenn er nicht von Anfang an spielt, sondern dem Mitspieler den Erfolg gönnt. Der Teamgeist ist optimal. Jeder im Team, ob Spieler oder Trainer, hat seine Aufgabe – und das passt wunderbar bei uns.

Sie standen wieder im Tor, Ramon Winkler auf der Bank. Wieso das?

Ramon hat sich eine Pause verdient, das ist alles abgesprochen. Er arbeitet und trainiert hervorragend. Meine Aufgabe ist es in meinem letzten Aktivjahr, ihn behutsam auf die neuen Aufgaben hinzuführen.

Fragen: M. Scheibengruber