Wenn die Bundesliga-Stars von Morgen im FC Bayern Campus über eine kleine Brücke aus dem Hauptgebäude zu ihrem Stadion gehen, können sie einen Blick auf den Ort ihrer Träume werfen. In knapp drei Kilometern Entfernung erhebt sich die Allianz Arena. Dort, wo Größen des Weltfußballs von 75 000 Zuschauern gefeiert werden, wollen die U9- bis U19-Kicker des FC Bayern München auch irgendwann hin. Stolz propagiert Vereinspräsident Uli Hoeneß das rund 70 Millionen Euro teure Nachwuchsleistungszentrum als mögliche „Antwort auf den Transferwahnsinn und die Gehaltsexplosionen“.

Für Jochen Sauer, der vor einem guten Jahr von Red Bull Salzburg als Leiter des Nachwuchsleistungszentrums verpflichtet wurde, ist die Investition allerdings auch eine Konsequenz daraus, dass der österreichische Nationalspieler David Alaba vor sieben Jahren der letzte Spieler aus dem Nachwuchs des FC Bayern war, der den Sprung in den Bundesliga-Kader geschafft hat. Die Zeiten, als Juwele wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller aus der Bayern-Jugend aufrückten, sind seit einer gefühlten Ewigkeit vorbei.

Jugendfußball boomt ohnehin. Die Megasummen bei den Profis beeinflussen auch den Markt der Wunderkinder und Supertalente. Entsprechend ist die Vorgabe des Präsidiums für Jochen Sauer und den Sportlichen Leiter Hermann Gerland ein Ansporn: „Es ist unser Anspruch, ein, zwei junge Talente so auszubilden, dass wir sie als Alternative für den Profikader anbieten können.“

Mit dem Nachwuchsleistungszentrum hat die Vereinsführung um Uli Hoeneß den Druck auf die Nachwuchsabteilung stark erhöht: „Wir haben hier mit sieben Trainingsplätzen und einer Akademie mit 35 Appartements sowie einem rund 1000 Quadratmeter großen Athletik- und Reha-Bereich optimale Möglichkeiten geschaffen“, so Sauer im Gespräch mit dem SÜDKURIER: „Zuvor an der Säbener Straße waren die Verhältnisse derart beengt, dass sich manchmal drei Mannschaften einen Trainingsplatz teilen mussten.“ Außerdem steht den U17- und U19-Junioren für die Spiele in der Nachwuchs-Bundesliga und der europäischen U18-Youth-League ein Stadion mit 2500 Sitzplätzen zur Verfügung.

 

 

Der 45-jährige Sauer und sein Team sollen eine Mia-san-Mia-Generation entwickeln, die den Ansprüchen im Weltklasse-Ensemble genügt. Hoeneß hofft auf den Idealfall: Irgendwann sollen die Talente in die Rollen von Weltmeistern wie Thomas Müller oder Manuel Neuer schlüpfen. Sauer, der schon beim VfL Wolfsburg und bei Hertha BSC Berlin tätig war, ist klar: „Die 70 Millionen wurden nicht in einen Superstar investiert, sondern in die Zukunft des Vereins. Natürlich ist im Profifußball nicht alles planbar. Aber wenn wir es schaffen, zwei, drei Spieler in die Bundesliga zu bekommen, haben wir gute Arbeit geleistet.“ Dabei schaut er nicht nur auf den Kader des FC Bayern. Hier ist es für Youngster ungleich schwerer, ins Aufgebot zu rücken.

„Ich glaube, man kann hier relativ viel Geld reinstecken und damit nur Bruchteile der Ablösesummen ausgeben, die man auf dem Markt teilweise ausgeben muss“, erklärte Präsident Hoeneß bei der Eröffnung der Anlage im August 2017. Damals war Neymar gerade für 222 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain gewechselt. „Es ist eine Überzeugung, dass der Campus der richtige Weg ist“, sagte Hoeneß mit Blick auf die Anlage, die bis zu 35 Nachwuchsspielern eine neue Heimat gibt.

„Vor allem leben hier Jugendliche, die von außerhalb Bayerns kommen“, verweist Sauer auf die bayerischen Partnervereine FC Memmingen und Wacker Burghausen, die in das Ausbildungskonzept involviert sind. Mittlerweile haben auch die ersten Kicker des Bayern Campus ihre Profiverträge unterzeichnet. Ron-Thorben Hoffmann, Lukas Mai, Meritan Shabani und Franck Evina feierten zum Teil schon ihr Bundesliga-Debüt. „Wir fangen nicht von vorn an. Wir haben das eine oder andere Talent, das es in den Profikader schaffen kann. Es muss nicht drei, vier Jahre dauern“, sagt Sauer.

Die Münchner stehen dank der Investition mit dem 30-Hektar-Areal auf einer Stufe mit führenden Leistungszentren in Deutschland, nachdem „in den letzten Jahren der Output nicht optimal war“, so Sauer. U19-Torwart Torben Hoffmann, der über Hansa Rostock, Hertha BSC und RB Leipzig nach München kam, schwärmt von einem „Meilenstein“. Der Profivertrag ist für den 19-Jährigen eine wichtige Etappe auf dem Weg zu seinem großen Traum. „Mein Ziel ist es, mich so bald als möglich als Profitorwart zu etablieren“, sagt der Torhüter, der von den Ex-Profis Tom Starke und Uwe Gospodarek ausgebildet wurde.

„Die Zwei haben das Zeug dazu, dass wir unseren nächsten Manuel Neuer selbst ausbilden“, ist Sauer begeistert von der Qualität des Trainerstabes: „Ab der U13 stehen den Mannschaften hauptamtliche Trainer zur Verfügung, ab der U15 zusätzlich Athletiktrainer.“ Die Qualität soll in den Kadern der zehn Mannschaften mit 220 Spielern stimmen. Bereits die Jüngsten in der U9-Spielklasse sind gescoutete Spieler aus dem Raum München.

Die Jagd nach den Talenten beginnt im Fußball immer früher und wird globaler. Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kritisierte schon vor langer Zeit den Sturm englischer Clubs auf Zehn- oder Elfjährige als „Kidnapping“. Im vergangenen Sommer zog es etwa Torben Rhein, Nemanja Motika, beide 14, und dessen kleinen Bruder Nikola Motika von Hertha zum FC Bayern.

Grundsätzlich haben sich die Themen beim Wechsel von Jugendlichen aber nicht verändert, ordnet Sauer ein. „Wenn ich einen Spieler hole, muss ich überlegen: Wie alt ist der Spieler? Macht der Wechsel schon Sinn? Tut es ihm gut, wenn ich ihn aus seinem Umfeld reiße?“ Heute sei man bei Talenten ein, zwei Jahre früher dran und müsse noch intensiver abwägen.

FC Bayern U23 testet beim SC Lauchringen gegen den SC Freiburg U23

(gru) Zu einem Testspiel stehen sich die U23-Mannschaften des SC Freiburg und des FC Bayern München am Samstag, 30. Juni, 17 Uhr, im Wutachstadion, beim SC Lauchringen (Kreis Waldshut) gegenüber. Die Regionalligisten stehen seit einer Woche in der Vorbereitung, reisen am 23. Juni ins Trainingslager nach Oberstaufen.

Campus-Leiter Jochen Sauer geht davon aus, dass der neue Cheftrainer Holger Seitz neben Torjäger Kwasi Wriedt auch die Jungprofis Thorben Hoffmann, Lukas Mai, Meritan Shabani und Franck Evina sowie Neuzugang Maximilian Welzmüller (VfR Aalen) mit nach Lauchringen bringt: "Die Profis steigen erst am 3. Juli ins Training ein, somit gehört das Quartett ziemlich sicher zum U23-Kader."

Beide Teams werden ihre Maskottchen "Berni" und "Füchlse" mit ins Wutachstadion bringen. In der Halbzeitpause werden signierte Bälle und Trikots versteigert. Infos zum Vorverkauf gibt es unter der Internetpräsenz des Ausrichters: www.sclauchringen.de