Fußball: – Hochkarätigen Besuch hatten die Schiedsrichter-Lehrwarte im Südbadischen Fußballverband bei ihrem Lehrgang in Saig. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner (55) aus Hofheim referierte vor den Ausbildern und hob dabei hervor, wie Wichtig die Lehrarbeit an der Basis sei. Wagner ist Leitender Koordinator für Regelauslegung beim Deutschen Fußballbund (DFB) und leitet zudem die Nachwuchs- und Talentförderung in Deutschland.

"Lehrwarte sollen in den Bezirken die Innovationsmotoren sein", gab er den rund 50 Teilnehmern im verbandseigenen Sporthotel Sonnhalde mit auf den Weg. Wie wichtig die Schiedsrichter seien, unterstrich der Hesse vor den Lehrwarten, die in den sechs südbadischen Bezirken für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich sind: „Wir sind der größte Dienstleister im DFB“, so Wagner bei seinem Vortrag, den aus dem Bezirk Hochrhein neben Obmann Ralf Brombacher (Kandern) auch Steffen Fante (Neuenburg), Luigi Satriano (Zell), Lukas Gäng (Erzingen), Hafes Gerspacher (Heitersheim) sowie Jonas und David Brombacher (Kandern) interessiert verfolgten.

Anhand aktueller Spielszenen zeigte Wagner auf, wie wichtig es sei, dass sich Schiedsrichter auf die Spielweisen der Mannschaften einstellen. Auch ging er mit diesen Szenen auf den "Videobeweis" ein: "100 Prozent Gerechtigkeit wird es nicht geben", verwies er auf Situationen, in denen diese technische Hilfe eben keine Hilfe ist. Für die Video-Schiedsrichter in Köln sei die Aufgabe schwierig, da sie parallel vier Kamera-Perspektiven vor sich hätten. Eindrücklich war eine Szene, die aus einer Perspektive nach grobem Foulspiel – also Rote Karte – aussah und in der zweiten Einstellung zeigte, dass es sich um faires Tackling handelte.

Der Videoschiedsrichter sei nach wie vor ein Pilotprojekt, das in der Bundesliga getestet werde, schilderte Wagner den Lehrwarten, dass in anderen Ländern weitere Projekte getestet werden. Diese könnten später zu Änderungen im Regelwerk führen. Aktuell würden der Ifab-Kommission 33 Anträge auf Regeländerungen vorliegen. Unter anderem seien dies Verwarnungen auch für Offizielle, das Abschaffen des Nachschusses beim Strafstoß, aber auch die Variante, dass es Strafstoß gibt, wenn der Torwart einen Rückpass mit der Hand aufnimmt, weil er in diesem Moment einem Feldspieler gleichzustellen sei.

Allen angedachten und realisierten Änderungen zum Trotz gab Wagner, der 197 Bundesligaspiele und insgesamt 450 Profi-Spiele weltweit geleitet hat, den südbadischen Schiedsrichtern mit auf den Weg: "Denkt von der Praxis her und nicht vom Regelwerk."