Volleyball, Champions League: VfB Friedrichshafen – Ford Store Levoranta Sastamala (Mittwoch, 20 Uhr). – Die Wochen der Wahrheit gehen weiter für den VfB Friedrichshafen. In der Bundesliga führen die Häfler ungeschlagen die Tabelle an, und auch in der Champions League hat das Team von Cheftrainer Vital Heynen noch kein Spiel verloren. Nachdem vor der Saison das Weiterkommen aus der Gruppenphase das Ziel war, steht jetzt sogar der Gruppensieg im Fokus. Ein erster Schritt dahin kann am Mittwoch im Heimspiel gegen Ford Store Levoranta Sastamala (live bei laola1.tv) gemacht werden.

Der Anblick von finnischen Volleyballern in Friedrichshafen ist eigentlich nichts Besonderes. Erst am Samstag musste mit Solingens Ossi Rumpunen ein Finne dort die Segel streichen. In den Achtzigerjahren wurde Friedrichshafen von einem „finnischen Bären“ regiert. Jukka Kutila hieß damals der Cheftrainer am Bodensee. Außerdem war Ismo Tahvanainen 1987 der erste volleyballerische Hochkaräter, den die Verantwortlichen nach Friedrichshafen lotsten – aus Finnland.

Heute setzen die Häfler eher auf deutsche Talente wie Außenangreifer David Sossenheimer. Der 21-Jährige trifft mit seiner Mannschaft am Mittwoch auf den finnischen Meister Ford Store Levoranta Sastamala. Champions League ist noch immer etwas Besonderes für Sossenheimer – vor allem, wenn er an die über 2000 Zuschauer beim Spiel gegen Thessaloniki denkt. Vor zwei Wochen haben die mitgereisten 120 griechischen Fans auch die Häfler Zuschauer zur Höchstleistung angestachelt. „Ein tolles Erlebnis, vor so einer Kulisse zu spielen“, erinnert sich Sossenheimer. „Klar wäre es super, wenn es auch gegen Sastamala wieder so laut wäre. Das macht einfach noch mehr Spaß, wenn das Publikum so mitgeht.“

In der Champions League ist Sastamala Dritter in Pool B und konnte nur zuhause gegen Thessaloniki gewinnen. Gegen die Häfler gab es im Hinspiel ein deutliches 0:3. Obwohl Ankara und Friedrichshafen schon sicher in der nächsten Runde sind, könnten die Finnen rein rechnerisch mit zwei Siegen aus den beiden ausstehenden Spielen noch als Gruppendritter den Weg unter die besten Zwölf schaffen. Aber auch die Häfler werden trotz bereits sicherer Qualifikation den Sieg nicht einfach herschenken. „Wer Vital und die Mannschaft kennt, weiß, dass wir immer gewinnen wollen“, so Sossenheimer. „Außerdem geht es für uns noch um Platz eins in unserer Gruppe und damit um einen vermeintlich leichteren Gegner in der nächsten Runde.“

Dass Friedrichshafen mit solchen Aufgaben umgehen kann, hat die Mannschaft erst am Samstag mit dem 25. Sieg in Folge gezeigt. Gegen das Schlusslicht aus Solingen gewann das Team glatt mit 3:0, obwohl „solche Spiele für den Kopf sehr schwierig sind“, wie Sossenheimer erklärt. „Wir haben zwar kein Hochglanzvolleyball gespielt“, sagt er, „aber wir haben unsere Aufgabe souverän erledigt.“ Wer kein Spiel verliert, wird als Favorit gehandelt. Damit müssen die Häfler auch gegen Sastamala leben. Dass sie das können, haben sie in dieser Saison schon öfter unter Beweis gestellt. (gek)

Tabelle

1. VfB Friedrichshafen 11

2. Ankara 9

3. Sastamala 2

4. PAOK Thessaloniki 2

"Ganz ohne Druck sind wir auch nicht"

Scott Kevorken vom VfB Friedrichshafen über die Häfler Favoritenrolle im Champions-League-Spiel gegen Ford Store Levoranta Sastamala

Herr Kevorken, wie fühlt es sich an, schon am fünften Spieltag für die nächste Runde der Champions League qualifiziert zu sein?

Das fühlt sich sehr gut an. Wir können uns auf uns selbst und unser Spiel konzentrieren. Aber ganz ohne Druck sind wir auch nicht, den machen wir uns selbst. Wir wollen ja gut spielen, darauf trainieren wir hin.

Der VfB war immer der Außenseiter in der Champions League. Sogar vor dem 3:0-Sieg in Sastamala hat Vital Heynen das wieder und wieder betont. Hat sich das jetzt ein wenig geändert?

Wir haben als Mannschaft das Selbstbewusstsein, dass wir in dieser Form jedes Team herausfordern können. Aber klar kann uns Sastamala auch schlagen. Das ist immerhin die Champions League. Deshalb sollten wir selbstbewusst sein, aber auch nicht zu sehr.

Sie haben jetzt 25 Spiele in Folge gewonnen. Was macht so eine Serie mit einem Team?

Das ist wirklich krass. Allerdings reden wir da jetzt nicht dauernd darüber. Du darfst nicht in die Vergangenheit schauen und sagen „Oh, wir können das 26. oder 27. Match gewinnen“. Wir müssen uns darauf konzentrieren, immer das nächste Spiel zu gewinnen.

Vor einem Jahr haben Sie noch in Lüneburg gespielt und in der Liga um die besten Plätze gekämpft. Heute sind Sie Teil einer Mannschaft, die zu den besten zwölf Europas gehört. Was hätten Sie gedacht, wenn Ihnen das jemand vor zwölf Monaten vorhergesagt hätte?

Ich wäre wahrscheinlich ziemlich geschockt gewesen. Aber ich fühle mich sehr geehrt, dort angekommen zu sein. Vital Heynen hat eine tolle Truppe zusammengestellt. Und ein Teil davon zu sein, ist für mich wirklich besonders.

Sie sind immer höflich und nett. Gibt es eigentlich auch den bösen Scott?

Ich bin mit drei Schwestern aufgewachsen. Da gab es für mich gar nicht so viele Möglichkeiten, böse zu sein. Auf dem Feld schicke ich aber schon mal ein paar Worte auf die andere Seite des Netzes. Ansonsten bin ich aber ein gut erzogener Junge. Zumindest hoffe ich das.

Fragen: Gesa Katz