Fußball: Wer sich für Fußball über den Verein hinaus interessiert, auf den wartet ein echter Leckerbissen. Am Freitag im Konstanzer Bodenseestadion und am Sonntag im Hohentwielstadion in Singen. Fußball, den sowohl die Fans des SC Konstanz-Wollmatingen als auch die des FC Singen auf den Fußballplätzen der Region höchst selten zu Gesicht bekommen. Die deutsche U-17-Nationalmannschaft ist zu Gast am Bodensee und im Hegau. Sie bestreitet im Rahmen des sogenannten 4-Nationen-Turniers am Freitag (16 Uhr) ihr erstes Spiel. Darüber freut sich auch der Pressesprecher des Südbadischen Fußballverbandes (SBFV), Thorsten Kratzner: "Wir wollten endlich auch mal wieder in der Bodenseeregion hochklassigen Fußball präsentieren. Da waren wir schon lange nicht mehr. Das werden zwei absolute Highlights."

Gut möglich, dass in den Partien gegen die Holländer im Bodenseestadion oder die Israelis in Singen der nächste Thomas Müller oder auch ein neuer Manuel Neuer bestaunt werden können. Die Stars von Morgen treffen auf keinen Geringeren als auf den amtierenden Europameister Niederlande. Mit der potenziellen Möglichkeit, einen zukünftigen Neeskens, Cruyff oder Robben zu treffen. Nicht nur die deutsche Mannschaft ist hochkarätig besetzt. Und so rechnet Co-Trainer Andreas Beck mit einem enorm starken Gegner: "Das wird definitiv ein echter Gradmesser für uns. Die Holländer sind seit Jahren stark und haben eine absolute Top-Mannschaft. Sie besitzen starke Einzelspieler, spielen sehr aggressiv und gehen vorn früh drauf. Außerdem sind sie körperlich sehr präsent."

22 Spieler aus 15 Vereinen

Für das Turnier hat Chef-Trainer Michael Feichtenbeiner 22 Jungs nominiert, die für 15 verschiedene Vereine auflaufen. 22 unterschiedliche Charaktere zu einem erfolgreichen Team zu formen, eine Aufgabe, für die der Trainerstab, wie Beck erläutert, nicht allzu viel Zeit hatte. "Die Mannschaft ist am Dienstag angereist, daher hatten wir auch nur vier Trainingseinheiten. Speziell von Holland und Italien besitzen wir natürlich Videomaterial." Bis auf einen Spieler sind alle aus dem Jahrgang 2002. Warum Luca Netz von Hertha BSC dennoch nominiert wurde, verdeutlicht Beck. "Luca ist zwar der einzige 2003-er, aber er hat großes Potenzial und ist für sein Alter schon sehr weit. Außerdem hatten wir auf der linken Verteidigerposition Bedarf. Andere Nationen ziehen regelmäßig jüngere Spieler hoch, bei uns ist das schon eher eine Ausnahme."

Gerade weil die Qualifikation zur Europameisterschaft und ein positives Abschneiden dort die großen Ziele der Nachwuchskicker sind, ordnet Beck dem 4-Nationen-Turnier einen hohen Stellenwert zu. "Diese drei Spiele zeigen uns, wo wir mit diesem Kader stehen. Daher werden wir auch mit der besten Elf auflaufen, und es kann durchaus sein, dass der eine oder andere Spieler wenig oder gar nicht zum Einsatz kommt. Der sportliche Erfolg ist uns auch bei diesem Turnier sehr wichtig."

Durch das überraschende Ausscheiden der A-Nationalmannschaft bei der WM in Russland herrscht auch bei den U-Nationalteams eine hohe Erwartungshaltung, wie Beck bestätigt. "Am Umgang und der Stimmung spürt man schon, dass die Leute jetzt mehr drauf schauen. Es würde einfach nicht ins Bild passen, wenn wir uns nicht für die EM 2019 qualifizieren."

Ob die Fans in Konstanz und Singen einen oder mehrere künftige WM-Teilnehmer sehen, kann und möchte Beck nicht versprechen. Er betont aber:"Das ist auf jeden Fall das Ziel von uns. Einige Jungs haben definitiv das Potenzial dazu. Wer und ob es einer packt, kann man aber nicht sagen." Ob Beck den Satz auch über die 17-jährigen Thomas Müller und Manuel Neuer gesagt hätte?

 

Interview mit Markus Löw, Teammanager der U17-Nationalmannschaft, vor dem Vier-Länder-Turnier mit Spielen gegen die Niederlande in Konstanz, Israel in Singen und Italien in Waldshut-Tiengen: