Herr Wolf, wie fühlt es sich als Herbstmeister an?

Zufriedenstellend. Wir hatten uns viele kleine Ziele gesetzt. Eines davon war die Tabellenführung. Die Herbstmeisterschaft ist aber etwas, über das ich bei uns noch keinen habe reden hören. Dafür kann man sich nichts kaufen. Aber auch wenn noch ein sehr weiter Weg vor uns liegt – eine schöne Momentaufnahme ist es trotzdem.

Viele haben dies der HSG Konstanz nach dem Saisonstart mit 4:4 Punkten nicht zugetraut. Die Spieler selbst schon?

Wir wussten, was in uns steckt. Der Saisonstart war nicht einfach, es war uns aber klar, dass uns, wenn wir einmal in einen Rhythmus kommen, die richtig gute Stimmung tragen kann. Uns hat zudem ausgezeichnet, dass wir selbst Spiele, die nicht so souverän waren, gewonnen haben. Weil wir vielleicht etwas cleverer als der Gegner waren und den Sieg mehr wollten – eben weil wir unsere Ziele haben. Aber das ist nicht das Ende. Rekorde, Serien und Ähnliches interessieren uns nicht, es geht darum, den ersten Platz zu verteidigen.

Die Rolle des Gejagten lastete zu Saisonbeginn schwer auf den Schultern der Spieler. Werden sie nun durch diese vielleicht sogar ein bisschen beflügelt?

In den zwei Jahren in der 2. Bundesliga waren wir fast immer der Underdog. Wenn man dann als Zweitliga-Absteiger plötzlich überall, trotz Neuaufstellung, zum Topfavoriten gemacht wird, ist das am Anfang nicht leicht und schon eine gewisse Umstellung. Mittlerweile denken wir darüber gar nicht mehr nach. Wir freuen uns auf gegen uns immer volle Hallen und darauf, unser Maximum geben zu müssen. Das macht uns Spaß und ist eine neue Erfahrung.

Die Hinrunde ist fast absolviert, 24:4 Punkte plus zwei aus einem vorgezogenen Rückrundenmatch resultieren daraus. Ihr Fazit?

Wir wollen uns eine gute Ausgangslage für die Rückrunde schaffen. Die Entscheidung ist aber noch weit weg. In der 2. Bundesliga haben wir in bitteren Niederlagen von cleveren Gegnern aufgezeigt bekommen, wie man die letzten fünf bis zehn Minuten zu spielen hat, um am Ende noch draufzulegen und zu gewinnen. Hier haben wir dazugelernt. Außerdem bereiten wir uns auf jeden Gegner akribisch vor, unabhängig von der tabellarischen Situation. Mit diesem Hunger und dieser Cleverness wollen wir auch in die Rückrunde gehen.

Wie steht es um Ihre Schulter? Sind Sie am Sontag wieder voll einsetzbar?

Da ich in den letzten beiden Wochen nur im Angriff hätte spielen können, war ich nur für den Notfall dabei. Jetzt konnte ich wieder voll trainieren und auch im Innenblock agieren. Ich bin bereit, wenn der Trainer mich braucht.

Was für ein Spiel erwarten Sie gegen Saarlouis?

Wir werden die Partie angehen wie immer. Es kommt wohl ein etwas defensiver ausgerichtetes Team, das wir aus den letzten beiden Jahren kennen. Gegen die HG ist es immer schwer zu spielen, wir müssen wieder alles reinhauen. Dabei kommt es auf ein gutes Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhütern an. Dann wollen wir mit viel Tempo nach vorne und den Gegner müde rennen.

Zuletzt noch ein Blick auf die HSG-Deckung, die beste der Liga.

Mit Fabian Wiederstein haben wir einiges an Qualität für den Innenblock dazubekommen. Dazu zwei verlässliche Torhüter, die viele freie Würfe wegnehmen, wenn sich Lücken auftun. Dadurch, dass wir eine so homogene Truppe sind, werfen wir uns für den anderen in die Schusslinie. Dass das belohnt wird, freut uns und soll so bleiben.

Fragen: Andreas Joas