Herr Bingeser, haben Sie die Spiele Ihres ehemaligen Schützlings in Wimbledon verfolgt?

Natürlich. Ich habe die Matches gesehen und habe mit ihr mitgefiebert, vor allem in der zweiten Runde, als sie etwas Mühe beim Sieg gegen die Amerikanerin Claire Liu hatte. Das ist doch selbstverständlich, dass man ihren Werdegang weiterverfolgt, Angelique hat ja immerhin drei Jahre für uns beim TC Radolfzell gespielt. Außerdem ist sie ein sehr netter Mensch, sodass es leicht fällt, ihr diesen Triumph zu gönnen.

Haben Sie noch regelmäßig Kontakt zu ihr?

Man trifft sich hie und da, ich bin ja auch viel unterwegs. Sie ist ein bodenständiger Typ, der auch nach großen Erfolgen nicht von oben herabschaut. Der Erfolg ist ihr nicht zu Kopf gestiegen. Wir beim TC Radolfzell sind aber sehr zurückhaltend, bombardieren sie nicht mit Mails oder Anrufen. Angelique ist ein ruhiger Mensch, eher introvertiert. Das muss man respektieren.

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Was ist Ihrer Meinung nach die große Stärke von Angelique Kerber?

Zum einen hat sie einen sehr widerstandsfähigen Körper, der nicht allzu anfällig für Verletzungen ist. So kann sie ihr Trainingspensum konstant durchziehen und immer am Ball bleiben. Ihr anderer großer Vorteil ist die starke Psyche. Es gibt ein Sprichwort im Tennis: Der unangenehmste Gegner ist der, der nie aufgibt. Und zu denen gehört Angelique. Sie gibt keinen Ball verloren.

2009 hat Angelique Kerber zum ersten Mal für den TC Radolfzell gespielt. Haben Sie damals schon erahnen können, zu welchen Leistungen sie fähig ist?

Dass sie außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt, war mir schnell klar. Als wir 2011 zum zweiten Mal den Deutschen Meistertitel im Damentennis geholt haben, musste ich eine Rede halten und habe ihr das Potenzial für einen Platz in den Top Ten der Welt zugetraut. Es freut mich riesig für sie, dass sie das bestätigt hat. Es freut mich aber auch ungemein, dass andere Ex-Radolfzeller in Wimbledon ebenfalls erfolgreich waren. Nicole Melichar hat das Finale im Damendoppel in drei Sätzen verloren, dafür aber den Titel im Mixed zusammen mit Alexander Peya gewonnen. Wenn man dann noch Tatjana Maria dazu nimmt, die zurzeit auf Platz 69 in der Weltrangliste liegt, dann ist das schon beachtlich, wer alles schon beim TC Radolfzell am Bodensee aufgeschlagen hat.

Fragen: Markus Waibel