Fußball, Landesliga: An der Spitze deutet vieles auf einen Zweikampf zwischen dem SC Pfullendorf und der Reserve des aktuellen Oberliga-Spitzenclubs FC 08 Villingen hin. Und obwohl viele Experten die Villinger spielerisch stärker einstufen, gelten die Pfullendorfer aufgrund der Verpflichtungen in der Winterpause sowie der Stammspielerregelung, die die Möglichkeit der Verstärkung aus dem Oberligakader der Nullachter in den letzten fünf Spielen deutlich eingrenzt, als Titelanwärter Nummer 1.

Über die Hälfte der Landesliga-Clubs aber schaut mit Sorge auf die Verbandsligatabelle, denn die Tatsache, dass der FC Neustadt, der FC Bad Dürrheim und der FC Singen 04 dort stark abstiegsgefährdet sind, wirkt sich auch verschärfend auf den Abstieg aus der Landesliga aus, ein Szenario mit vier Absteigern erscheint als sehr wahrscheinlich.

Die Zielsetzung beim SC Pfullendorf ist klar: Die rasante Talfahrt von der Dritt- in die Siebtklassigkeit soll nun zu Ende sein, die Rückkehr in die Verbandsliga realisiert werden. Allerdings zeichnete sich schon am ersten Spieltag mit der Niederlage beim Nachbarn FV Walbertsweiler-Rengetsweiler ab, dass Spiele gegen den Ex-Regionalligisten für die anderen Landesligateams etwas Besonderes sind, sich die Elf von Trainer Marco Konrad die Punkte hart erarbeiten muss. Einen breiten und für die Landesliga gut besetzten Kader hatte der SC Pfullendorf schon zu Saisonbeginn, nun wurde noch etwas nachgebessert, und vor allem von der Rückkehr des ehemaligen SCP-Jugendspielers Mustafa Akgün verspricht man sich einiges. Der 26-jährige Mittelstürmer hat in dieser Runde elf der 26 Tore beim abstiegsgefährdeten FC Bad Dürrheim erzielt. Wichtiger Termin auf dem Weg zum Titel und zum Aufstieg: Am 21. April tritt der Verfolger FC 08 Villingen II im Linzgau an.

Punktgleich mit dem Tabellenzweiten, jedoch mit einem absolvierten Spiel mehr auf dem Konto lauert der FV Walbertsweiler-Rengetsweiler auf dem dritten Rang. Rein rechnerisch also kommt die Elf von Spielertrainer Stefan Bach noch für den Kampf um den Titel in Frage, doch der Coach winkt ab: „Ich bin sehr zufrieden mit der Hinrunde, wenn man bedenkt, was wir für finanzielle Möglichkeiten haben.“ Und da er die beiden Führenden schon als etwas stärker einstuft, obwohl sein Team gegen den SC Pfullendorf bisher schon vier Punkte geholt hat, möchte er in erster Linie den aktuellen Tabellenplatz verteidigen. Doch mit Blick auf das bisher Erreichte betont Bach: „An einem guten Tag können wir jeden schlagen!“ Und vor allem auf eigenem Platz ist der FV mit 25 Punkten aus neun Spielen eine Macht. Also vielleicht doch noch der lachende Dritte, wenn sich die beiden Spitzenteams streiten?

Allerdings lauern dahinter mit dem FC Schonach und vor allem dem FC Furtwangen, der einen beeindruckenden Lauf hat, zwei Mannschaften, die auch noch weiter nach vorne möchten. Auch Joachim Ruddies, Trainer der SpVgg F.A.L., möchte mit seinem Team noch für Spannung sorgen. „Wir können und wollen nochmal oben angreifen. Ob es für den SC Pfullendorf reicht, scheint fraglich. Aber um Platz zwei wollen wir noch mitspielen. Vom Potenzial der Mannschaft her ist das bei einer guten taktischen Disziplin durchaus möglich.“ An zehn der ersten elf Spieltage war F.A.L. bereits Tabellenführer, doch Ruddies warnte schon damals: „Wir sind nicht so gut, wie wir in der Tabelle stehen.“ In den letzten Spielen vor der Winterpause wurde die Ruddies-Elf dann auch geerdet, denn nur eines der letzten fünf Spiele konnten gewonnen werden, mit einer 0:3-Derbyniederlage gegen den FC Überlingen wurde das Jahr 2017 abgeschlossen. Mehr Stabilität in der Defensive soll dafür sorgen, dass man an die gute Frühform der Saison anknüpfen kann. Die ersten beiden Spiele – bei der DJK Donaueschingen und beim FC 08 Villingen – werden zeigen, ob nochmals Spannung aufkommen kann.

Da erst am 25. Juni die Rückkehr des Bezirksliga-Vizemeisters FC Überlingen fest stand, fiel dessen Sommerpause nahezu aus. Sportlich geschadet hat es der Mannschaft von Trainer Florian Stemmer jedoch nicht. Mit 25 Punkten stehen die Überlinger gut da und verfügen über ein stattliches Polster zur Abstiegszone. So konnte der Überlinger Coach Stemmer seinen Spielern eine leicht verlängerte Winterpause mit acht fußballfreien Wochen gönnen. Fast frei von Abstiegssorgen geht es in das Jahr 2018, sodass entspannt weiter gefeilt werden kann. Denn trotz der guten Tabellensituation stimmen die 41 Gegentreffer Stemmer nachdenklich. „Die gegnerischen Stürmer haben in der Landesliga eben ein anderes Kaliber als in der Bezirksliga“, begründet er. Doch Stemmer betont: „Wir arbeiten dran. Das werden wir in der restlichen Rückrunde besser machen.“

Nur einen Platz hinter den Überlingern, aber schon vier Punkte näher an der Abstiegszone steht die SG Dettingen-Dingelsdorf. Die Lage ist zwar ernst, aber nach dem Aderlass wichtiger Leistungsträger vor der Saison ist das deutlich mehr, als man zunächst erwarten konnte. Zudem rechnet SG-Trainer Alex May damit, dass seiner Mannschaft der Ernst der Lage bewusst ist: „Das ist eine so intelligente Mannschaft, die weiß das einzuschätzen. Die Hinrunde war gut, ein Etappenziel haben wir erreicht!“, fasst der frühere Keeper die bisherige Saison zusammen, doch er ahnt, „dass es in der Rückrunde noch schwierig wird.“ Aber die Vorbereitung verlief gut, die Trainingsbeteiligung auch, die Spieler ziehen mit. Und dann kann man ja nach der Sanierung des Platzes wieder auf echte Heimspiele in der entscheidenden Phase hoffen.

Der SC Markdorf galt für viele als Abstiegskandidat Nummer 1, denn wichtige Spieler wie etwa Torjäger Sascha Hohmann hatten den Verein verlassen. Aber dann stand der SC nach sieben Spieltagen auf Rang sechs, Trainer Bernd Filzinger schien mit seiner Mannschaft alle Pessimisten Lügen zu strafen. Doch danach gab es kaum mehr Punkte, Filzinger trat Anfang November zurück um ein Zeichen zu setzen, Bahadir Livgöcmen, kurz zuvor noch im Tor beim Nachbarn und Ligarivalen FC Rot-Weiß Salem, übernahm das Amt. Zwar hat sich der Erfolg nach dem Trainerwechsel noch nicht eingestellt, aber Livgöcmen ist guter Dinge. „Das war zuletzt viel Kopfsache. Aber das ist jetzt bei vielen aus den Köpfen und die Qualität ist da. Ich denke, wir können zwei bis drei Plätze gut machen.“ Mit dem aktuellen elften Rang würde es auch reichen, diesen Platz nach hinten abzusichern. Allerdings wartet zum Auftakt mit dem Heimspiel gegen den FC 08 Villingen II gleich eine ganz harte Nuss.

In und um die Abstiegszone wackeln gerne die Trainerstühle – auch in der Landesliga. Doch Michael Krause schien beim FC RW Salem fest im Sattel zu sitzen, galt dort schon fast als feste Institution. Umso überraschter war die Vereinsführung, als Krause kurzfristig in den Abstiegskampf der württembergischen Kreisliga wechselte. Die Winterpause sorgte dafür, dass der Trainersuche ein wenig der Termindruck genommen wurde, und mit Ingo Martin, der in den vergangenen Jahren mit Erfolg in der Jugend des VfB Friedrichshafen tätig war, ist man sich sicher, einen geeigneten Nachfolger für Krause gefunden zu haben. „Wir können unsere Ziele aus eigener Kraft erreichen, denn wir stehen auf einem Nichtabstiegsplatz“, fasst der neue Coach die Lage zusammen. Dies ist aber eine Rechnung mit zwei Unbekannten – den beiden Nachholspielen von Tabellennachbar SV Obereschach. Bei entsprechendem Verlauf, einem Sieg aus zwei Spielen, wäre Martins Einschätzung schon Makulatur. Und zudem muss er sein Debüt ausgerechnet beim Tabellenführer SC Pfullendorf feiern. „In diesem Spiel haben wir nichts zu verlieren, der Druck liegt ganz klar bei Pfullendorf“, kommen dennoch zuversichtliche Töne aus Salem.

Beim Aufsteiger FC Hilzingen war von vorneherein klar, dass das Projekt Klassenerhalt schwierig werden würde. Nach einer herben 0:9-Niederlage gegen die DJK Donaueschingen warf Coach Markus Schoch das Handtuch, Jochen Sigg übernahm zunächst als Interimstrainer. Zwar gab es danach „nur“ zwei Punkte aus drei Spielen, doch es kam wieder Zuversicht auf. „Schon die Niederlage gegen F.A.L. – da stand es lange 1:1 – war ein kleiner Erfolg, denn es war zunächst wichtig, ein gutes Spiel zu machen.“ Danach folgte ein 0:0 gegen Löffingen – das erste Zu-Null-Spiel des FC in dieser Runde – und ein beachtliches 1:1 beim FV Walbertsweiler/Rengetsweiler, der bis dahin auf eigenem Platz alles gewonnen hatte. Sicherlich waren diese beiden Punkte zu wenig, um die Tabellensituation zu verbessern. Für die Moral des gebeutelten Teams jedoch war dies zumindest ein wenig Balsam vor der Winterpause. Und für Sigg ein Zeichen: „Ich merke, dass sich die Jungs noch nicht aufgegeben haben.“ Und daher wurde aus dem Interims- der neue Chef-Trainer. Mit der SG Dettingen-Dingelsdorf empfängt der FCH am Samstag gleich einen Rivalen im Abstiegskampf.

Drei Punkte nach zehn Spielen, abgeschlagenes Schlusslicht – da war es keineswegs überraschend, dass man auch beim SC Konstanz-Wollmatingen zum in solchen Fällen üblichen Mittel des Trainerwechsels griff. Dass dies aber mit Mohamed Karaki jemanden traf, der sich wie kaum ein Zweiter mit dem Fusionsclub identifizierte, sorgte für Unruhe in Team und Umfeld. Der neu verpflichtete Trainer José Sendra Meffort saß dann auch zunächst nicht auf der Trainerbank, sondern auf Wunsch der Spieler unter den Zuschauern. Ursprünglich wollte der SC vorne zumindest mitmischen. Der Kader schien über reichlich Potenzial zu verfügen, galt aber auch als schwierig zu führen. Nun ist er weit von der Spitze entfernt, muss um den Klassenerhalt bangen – sechs Jahre nach der hoffnungsvollen Bündelung der Kräfte droht der Abstieg in die Bezirksliga. Es sind auch kaum mehr Eigengewächse im Kader, obwohl dies früher gerade beim FC Konstanz eine Stärke war, auf die man bauen konnte.

Mit neun Punkten aus 16 Spielen ist der SC Konstanz-Wollmatingen war weiterhin weit vom Klassenerhalt entfernt, doch zuletzt sechs Zähler aus sechs Partien geben wieder Grund zur Hoffnung. Obwohl dieser Ertrag unter José Sendra Meffort einen deutlichen Trend nach oben signalisiert, muss er noch weiter gesteigert werden, um das Ziel zu erreichen. Zum Siegen braucht es Tore, und die gelingen dem SC Konstanz-Wollmatingen kaum, wie die magere Bilanz von 14 Toren in 16 Spielen dokumentiert. „Ich habe volles Vertrauen in meinen Sturm“, zeigt sich der neue Coach als Optimist.

Allerdings: Sven Bode, der erfolgreichste Stürmer in der noch jungen SC-Geschichte, kehrt nach seiner Ausbildung zwar an den Bodensee zurück, stürmt aber nicht für den SC Konstanz-Wollmatingen, der ihn dringend für das sportliche Überleben brauchen könnte, sondern für den FC Kreuzlingen.