Die Luft steht, es ist drückend heiß. Sahara? Nein, Schänzlehalle. 1700 Zuschauer drängen sich auf den Tribünen und hinter beiden Toren. Derby-Atmosphäre – und eben auch Abstiegskampf für die Gastgeber. Dann geht’s los, und das mit Karacho. Hüben wie drüben flitzt die Kugel in die Maschen, Balingen-Weilstetten führt ständig, ab dem 3:1 bis zum 6:4 immer wieder mit zwei Toren Differenz. Nach neun Minuten heißt es 6:6 durch Felix Krüger, und der Linkshänder ist es auch, der zwei Minuten später die Konstanzer erstmals nach vorne bringt.

Die Gäste aus dem Schwäbischen schlagen zurück, wieder geht es hin und her. Nach 19 Minuten steht es 11:11. Die Mannen von Trainer Daniel Eblen haben vor allem mit Jona Schoch im linken Rückraum der Balinger ihre Probleme. Als die Anzeigetafel ein 13:13 zeigt, hat der wurfgewaltige, 1,92 Meter große Rechtshänder schon fünfmal getroffen. 

Weil Torhüter Konstantin Poltrum allmählich ins Spiel findet, hat die HSG mehrfach Chancen auf die erneute Führung, aber die Kugel will jetzt nicht mehr zwischen die Pfosten des Gästetores. Mathias Riedel scheitert sogar zweimal hintereinander am starken Torwart Marouen Maggaiz. 

2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Konstantin Poltrum (Torhueter, KON) in Aktion.
2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Konstantin Poltrum (Torhueter, KON) in Aktion. | Bild: Peter Pisa (Peter Pisa, pisa-sportfotografie)

Noch fünf Minuten sind in der ersten Halbzeit zu absolvieren, da nehmen sich die Schiedsrichter Christian und David Hannes eine Auszeit. Kurz gesagt: Sie blicken es nicht mehr und widersprechen sich selbst. Der Siebenmeter, der zur 14:13-Führung für Balingen führt, war gar keiner, weil nicht nur zwei Konstanzer im Kreis gegen Gretarsson abgewehrt hatten, sondern auch dessen Mitspieler Saueressig. Dann gibt David Hannes Stürmerfoul gegen Christoph Berchtenbreiter, obwohl sein Bruder Freiwurf für Konstanz angezeigt hatte. Und als Fabian Schlaich beim Tempogegenstoß in vollem Lauf von Lukas Saueressig touchiert wurde, gab es für den Balinger keine Rote Karte, sondern nur eine Zwei-Minuten-Strafe. Ärgerlich aus Konstanzer Sicht – Halbzeitstand: 14:15.

Die Konstanzer kommen gut aus der Kabine. Riedel und Paul Kaletsch mit seinem bis dahin sechsten Tor bringen die HSG mit 16:15 in Führung. Ruhe kehrt aber nicht ein, Balingen zeigt sich unbeeindruckt. Nach 37 Minuten führen die Handballer von der Alb wieder mal mit zwei Treffern Differenz – 17:19 aus Sicht der Hausherren.

2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Paul Kaletsch (KON) beim Wurf
2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Paul Kaletsch (KON) beim Wurf | Bild: Peter Pisa (Peter Pisa, pisa-sportfotografie)

Die Temperatur steigt, die Spannung steigt, die Nervosität steigt. Es gibt zwei Minuten Zeitstrafe für Lars Friedrich, weil der nach abgepfiffenem Zeitspiel noch aufs Tor und knapp an Poltrums Kopf vorbei geworfen hat. Tom Wolf und Riedel machen den Ausgleich (19:19), Berchtenbreiter besorgt den Gleichstand zum 20:20, Wolf den zum 21:21 und Riedel den zum 22:22. Das baden-württembergische Derby ist ein echter Handball-Krimi, das sich dann zwischen der 44. und 52. Minute doch früher als erwartet entscheidet. In diesen acht Minuten machen die Balinger 7:1-Tore. 

Eine Rolle spielten dabei durchaus die Referees. Kreisläufer Chris Berchtenbreiter wird von den Balingern gestoßen, gehalten und geschlagen, ohne dass es dafür auch nur eine einzige Strafe gegeben hätte. Beim Stand von 23:25 hält es der Konstanzer nicht mehr aus und beschwert sich lautstark – die Hannes-Brüder reagieren mit der ganzen Macht des Schiedsrichters: Sie strecken Berchtenbreiter zwei Finger entgegen – Zeitstrafe. Dafür darf dann mit Rene Zobel der unbestrafte Hauptsünder, der Berchtenbreiter gleich dreimal niedergerungen hatte, vorne zweimal treffen. Beim Stand von 23:26 wird Fabian Schlaich von einem Gegner behindert, der im Kreis steht – kein Siebenmeter – der HSG-Kapitän und seine Mitspieler schütteln ungläubig den Kopf. 

2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Links Tim Jud (KON) gegen Joina Schoch (HBW).
2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Links Tim Jud (KON) gegen Joina Schoch (HBW). | Bild: Peter Pisa (Peter Pisa, pisa-sportfotografie)

Das alles ist zuviel für die Konstanzer. Der Spielfluss kommt ins Stocken, die Moral ist angeknackst, und bald auch der Glaube weg. Den Rest erledigt der letztjährige Bundesligaabsteiger mit kühler Routine. Nach dem 24:31 dürfen die Konstanzer noch mal ran und mit drei Toren in Serie den Endstand von 27:31 ein bisschen erträglicher gestalten. 

Im Kampf um den Klassenerhalt hilft das der HSG Konstanz natürlich nicht weiter. Sie bleibt aber, da Aue gegen Bietigheim 29:37 verloren hat, punktgleich weiter auf Rang 15 und damit über dem Strich. Allerdings ist der ThSV Eisenach durch einen 30:22-Erfolg gegen die Rhein Vikings bis auf einen Zähler herangekommen. 

2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Chris Berchtenbreiter (KON) beim Wurf.
2. Handball BL. HSG Konstanz - HBW Balingen Weilstetten. Chris Berchtenbreiter (KON) beim Wurf. | Bild: Peter Pisa (Peter Pisa, pisa-sportfotografie)

HSG Konstanz: Poltrum, Wolf (Tor). – Schlaich (3), Riedel (4), Wolf (4/1), Oehler, Kaletsch (6/4), Krüger (3), Maier-Hasselmann (1), Gäßler, Jud (3), Wendel, Berchtenbreiter (2), Schwarz, Klingler (1), S. Löffler.