2. Handball-Bundesliga: VfL Eintracht Hagen – HSG Konstanz (Samstag, 19.30 Uhr, Arena am Ischeland). – So viele Punkte wie möglich holen, ist das Ziel der HSG Konstanz für die letzten vier Saisonspiele. „Und dann sehen wir, was passiert“, sagt Cheftrainer Daniel Eblen. Nach fünf Partien in Folge gegen die Top Fünf der Liga geht es nun noch gegen Dresden, Essen und Dessau. Erste Station am Samstag ist jedoch Hagen.

Der finanziell gut aufgestellte Aufsteiger hat sich frühzeitig den Klassenerhalt gesichert, für Konstanz besteht rechnerisch ebenfalls noch die Chance auf den Verbleib in Liga zwei und ein sechstes Spieljahr im Bundesliga-Unterhaus. Einer, der sich mit der Höhe der Chancen darauf nicht befasst, ist Daniel Eblen. „Dazu bleibt gar keine Zeit. Wir wollen in jedem verbleibenden Spiel noch Punkte holen.“ Die Erinnerungen an das Hinspiel und die bittere 29:30-Niederlage sind jedoch keine guten. Es war einer der bittersten Momente in dieser Saison, als Hagen Sekunden vor dem Schlusspfiff den Siegtreffer erzielte – mit einem abgefälschten Wurf durch den Konstanzer Block. Und das, obwohl die HSG lange Zeit sogar deutlich geführt hatte.

„Wir haben eigentlich ganz gut gespielt, haben in den wichtigen Situationen allerdings nicht gewusst, uns zu belohnen“, erinnert sich Eblen. Die Belohnung soll nun im Rückspiel eingefahren werden, auch wenn die Bilanz der Nordrhein-Westfalen von 30 Punkten eine schwere Aufgabe erwarten lässt. Als „sehr erfahren und sehr abgeklärt“ charakterisiert Daniel Eblen den VfL, der in Bartosz Konitz (33), Dragan Jerkovic (42), Dragan Tubic (32) und Pavel Prokopec (38) Ex-Nationalspieler aus Polen, Kroatien, Serbien und Tschechien in seinen Reihen hat.

Hagen forciert mit einer 5:1- oder 6:0-Deckung das schnelle Umschaltspiel. Diese Tore möchte Eblen vermeiden und hat in den letzten Wochen gerade die zuletzt nicht überzeugende Abwehrarbeit in den Fokus gestellt. „Wir müssen nach vorne sehen“, erklärt der 43-Jährige, stellt aber zugleich klar, dass man die Defizite im Spiel gegen Lübeck schonungslos angesprochen und aufgearbeitet habe. Zur Abwehr sagt er: „Da muss mehr Aggressivität rein. Wenn wir wie zuletzt jedoch auch aus zehn Metern die Gegentore bekommen, kann man der Deckung irgendwann keinen Vorwurf mehr machen.“

Die schon am Freitag startende weite Reise an den Rand des Ruhrgebiets wird neben dem verletzten Mathias Riedel (Syndesmoseband) auch Fabian Schlaich nicht mit antreten können. Der Kapitän hat mit Rückenproblemen zu kämpfen. Stattdessen werden die Talente Samuel Wendel und Patrick Volz in den Fokus rücken. „Sam hatte schon gegen Lübeck starke Szenen“, lobt Eblen den in die B-Nationalmannschaft Österreichs berufenen Linksaußen. „Er wird auch jetzt eine wichtige Rolle spielen.“ Dazu werden Joschua Braun nach überstandener Erkrankung sowie Samuel Löffler den Kader verstärken.

Die zweigleisigen Planungen der HSG

Noch ist nicht klar, in welcher Liga die HSG Konstanz in der nächsten Spielzeit antreten wird, obwohl die Chancen auf den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga stark gesunken sind. Im Hintergrund wurde seit Monaten zweigleisig geplant, sodass große Planungssicherheit bei den Konstanzern herrscht.

  • Die aktuellen Spieler: Viele Spieler hatten sich frühzeitig für einen Verbleib in Konstanz entschieden – ligaunabhängig und trotz attraktiver Angebote der Konkurrenz. Neben dem umworbenen Top-Torschützen Paul Kaletsch haben auch Tim Jud, Maximilian Wolf, Felix Krüger (alle bis 2020) sowie Benjamin Schweda und Fabian Maier-Hasselmann (beide bis 2019) ihre Zusage gegeben. 13 Spieler aus dem Zweitliga-Aufgebot werden somit erhalten bleiben.
  • Die Zugänge: Fabian Wiederstein (22, Kreisläufer vom HBW Balingen-Weilstetten), Tim Keupp (23, Rückraum) und Torwart Simon Tölke (25) vom TV Neuhausen wechseln zur HSG. „In den nächsten Wochen stellen wir noch einen Kreisläufer vor“, sagt der Sportliche Leiter Andre Melchert.
  • Der Nachwuchs: Die Talente Samuel und Jonas Löffler sowie Joschua Braun werden einen festen Platz in der ersten Mannschaft erhalten. Die seit 2014 die Jugendmannschaften der HSG durchlaufenden Löffler-Brüder werden zudem weiter in der Reserve spielen.
  • Die Finanzen: Der gut laufende Dauerkartenverkauf und die große Treue der Sponsoren lassen die Konstanzer Handballer optimistisch in die Zukunft blicken. Investitionen tätigt die HSG allerdings erneut vornehmlich im Jugendbereich sowie bei der weiteren Professionalisierung der Organisation. Kontinuität und Weitsichtigkeit sind die ausschlagegebenden Punkte.
  • Die Zukunft: Ziel der HSG Konstanz ist es, selbst im Falle des möglichen Abstieges unter Zweitligabedingungen zu arbeiten. Die vielen bleibenden aktuellen Zweitligaspieler haben von den Erfahrungen der letzten Jahre sehr profitiert. „Alle sind in der 2. Bundesliga gereift“, meint Andre Melchert, „da wollen wir bleiben oder so schnell wie möglich wieder hin.“ (joa)