Handball, 3. Liga

HSG Konstanz

HBW Balingen-W. II

30:27 (17:15)

Emotionen von der ersten Sekunde an. Angepeitscht von einer guten Kulisse legte Konstanz in einem tempo- und torreichen Duell von Beginn an vor und erspielte sich leichte Vorteile. Spektakulär war vor allem der Vergleich am Kreis: Mit dem erstligaerfahrenen Christoph Foth auf Balinger Seite und Fabian Wiederstein trafen zwei echte Kraftpakte aufeinander, die sich in der Abwehr und im Angriff einen hochintensiven Schlagabtausch lieferten.

Auch da erarbeitete sich Konstanz ein leichtes Übergewicht und hielt den in der Vorwoche noch siebenmal erfolgreichen Foth bei nur einem Tor. Wiederstein war dreimal erfolgreich, holte außerden einige Siebenmeter heraus. Von ihrer besten Seite zeigten sich zudem die Außenspieler der HSG Konstanz. Immer wieder toll durch ihre Mitspieler freigespielt oder in den Tempogegenstoß geschickt, steuerten Fabian Maier-Hasselmann und Fabian Schlaich jeweils fünf Tore bei – gerade bei Maier-Hasselmann eines schöner als das andere mit einer tollen Wurfauswahl und einem herrlichen Dreher. Schlaich stellte nach einer Viertelstunde so auf 10:7.

Bei Balingen lief fast alles über zwei Akteure: Der Ex-Konstanzer Adam Soos war der spielbestimmende Mann der HBW-Reserve, siebenmal erfolgreich und oft Dreh- und Angelpunkt. Dazu kam Rechtsaußen Moritz Strosack, den die Hausherren nicht unter Kontrolle bekamen. „Wir haben immer wieder Phasen, in denen wir nicht so gut spielen“, erklärte Daniel Eblen die Einbrüche nach etwas deutlicherer Führung. „Da werfen wir viele Bälle weg und verpassen es, einen klaren Vorsprung zu erarbeiten“, monierte er und schüttelte den Kopf. So wie kurz vor der Pause, als Konstanz den Ball verlor und sich noch einen Gegenstoßtreffer einfing. Nur, um sich im direkten Gegenzug in allerletzter Sekunde über die schnelle Mitte und Maier-Hasselmann doch mit zwei Toren Vorsprung in die Pause zu retten.

Nach dem Wechsel ging die Achterbahnfahrt weiter. Erst setzten sich die Gastgeber mit vier Toren in Folge und fünf Minuten ohne Gegentor auf 24:20 (43.) ab, weil Fabian Schlaich zweimal der Steal gelang. Dann folgten haarsträubende Szenen, die Zuschauer und Trainer Eblen der Verzweiflung nahe brachten. In doppelter Überzahl wagten die Gelb-Blauen das große und unnötige Risiko eines weiten Wurfs vom eigenen Strafraum auf das verwaiste HBW-Tor – knapp vorbei. Wenig später wurde die numerische Überlegenheit erneut schlecht ausgespielt, die Halbchance von Außen aus ungünstigem Winkel gesucht – wieder vorbei. Und schon war die Zweitliga-Reserve von der Schwäbischen Alb wieder zurück (26:26). Jetzt begann das große Zittern, dem HBW bot sich sogar die Chance zur Führung. Rückhalt gab in dieser Phase die enthusiastische Unterstützung von den Rängen. „Das war Gold wert. Wäre das auswärts so passiert, wäre das sicher schwierig geworden“, so Eblen.

Nicht unterschlagen wollte er aber auch den guten Auftritt des sehr spielfreudigen Gegners: „Man muss bei allem auch festhalten, dass Balingen ein richtig gutes Spiel gemacht hat, mit sehr guten Abschlüssen.“ Deshalb war Simon Tölke gefordert – und der lieferte. „Er hat ein paar ganz wichtige Bälle gehalten“, lobte der HSG-Coach. „Das hat den Jungs wieder etwas Stabilität gegeben.“ Viereinhalb Minuten vor Schluss war Balingen das letzte Mal erfolgreich, ehe Konstanz noch zwei Treffer zum 30:27 draufsetzte. Beinahe hätte Schlaich mit einem Gegenstoß in allerletzter Sekunde noch auf vier Tore erhöht.

Der erste Erfolg der neuen Saison wurde emotional gefeiert, die Erleichterung auf Konstanzer Seite war dabei deutlich zu spüren. „Es war einfach wichtig, dieses Spiel zu gewinnen“, gestand Eblen und räumte ein, dass das „Selbstverständnis noch nicht dort ist, wo es schon einmal war.“ Er bemängelte die oft falschen Entscheidungen, wann „Vollgas gefragt ist und wann geduldig auf die klare Chance gewartet werden muss – ohne dabei zu passiv zu werden. Ich hoffe, wir lernen aus diesen Situationen. Nach dem, was in den vergangenen zehn Tagen alles passiert ist, gibt es nichts Wichtigeres als Erfolgserlebnisse. Dazu zähle ich aber auch jene im Kleinen während des Spiels.“

Am Dienstag, 19.30 Uhr, bietet sich Daniel Eblen im Highlight-Testspiel gegen die Schweizer A-Nationalmannschaft in der Schänzle-Sporthalle noch einmal Gelegenheit, seine junge Mannschaft zu fordern und formen.

HSG Konstanz: M. Wolf, Tölke (beide Tor), Stotz, Schlaich (5), T. Wolf, Wiederstein (3), Kaletsch (12/5), Krüger (2), Maier-Hasselmann (5), Braun (1), Jud, Keupp (1), Wendel (1). – Z: 950.

"Uns sind viele Steine vom Herzen gefallen"

Torwart Simon Tölke avancierte insbesondere in der letzten Viertelstunde zu einem der Matchwinner beim 30:27-Sieg der HSG Konstanz. Der 25-jährige Torwart im SÜDKURIER-Interview.

Sie mussten trotz toller Leistung in der Schlussphase ausgewechselt werden. Was war passiert?

Eine meiner Kontaktlinsen ist mir hinter den Augapfel gerutscht. Athletiktrainerin und Physiotherapeutin Cleo Oexle hat sie in der Kabine schnell wieder nach vorn geholt und ich konnte weiterspielen. Schlimmer wäre gewesen, wenn ich die Linse verloren hätte.

Sie wurden in der zweiten Halbzeit zum Rückhalt, den die Mannschaft dringend benötigt hat. Ein Drehbuch, das man sich für sein Heimdebüt vorstellt?

In der ersten Halbzeit war das Zusammenspiel von Torhüter und Deckung nicht optimal. Hier werden wir in die Fehleranalyse gehen. Nach der Pause wurde es besser, wir standen kompakter und wir können damit zufrieden sein. In der ersten Halbzeit war es aber nicht das, was wir und ich wollen. Ich bin leider in alte Automatismen verfallen und musste mich erst wieder auf unsere etwa anders funktionierende Abwehr einstellen.

Nach Ihrer erneuten Einwechslung waren Sie aber zur Stelle.

Es kann einem Torwart helfen, eine Verschnaufpause zu bekommen, im Kopf klar zu werden, sich neu zu fokussieren und mit dem Trainer zu sprechen. Ich wusste, dass es besser geht und war den Jungs dies schuldig. Es war eine andere Situation, man hält den ersten Ball und plötzlich läuft es wie von selbst.

Warum war es dennoch so eng?

Paul Kaletsch hat es während des Spiels schön auf den Punkt gebracht, als er gefragt hat: Warum habt ihr Angst? Wir mussten gewinnen und waren in Phasen, in denen wir entscheidend davonziehen können, zu nervös. Dabei gab es keinen Grund dafür. In der ersten Hälfte können wir mit der Defensive nicht zufrieden sein, in der zweiten war offensiv noch einiges Stückwerk.

Was war der entscheidende Faktor?

Wir haben kompakter verteidigt und in den letzten Minuten wenige Fehler begangen. Wir haben gezeigt, dass wir die Punkte mehr haben wollten. Die zwei Punkte waren nötig, der Sieg eine große Befreiung. Es sind uns schon viele Steine vom Herzen gefallen. Über Siege werden wir uns noch schneller und besser finden. Dazu war die Kulisse großartig, die Stimmung super. Als wir am Ende den Sieg erobert haben, war das ein geiles Gefühl.

Fragen: Andreas Joas