Herr Hardt, Ihr Leben war lange vom Tennis geprägt. Wie kamen Sie zu diesem Sport?

Das war in der Boris-Becker-Zeit, so 1985/86. Wir konnten viele Spiele gar nicht zuhause in Allensbach schauen und sind dann zu Bekannten. Zudem hat meine Mutter Tennis gespielt. 1986, mit sieben Jahren, bin ich dann in den Tennisclub, und dann ging es recht schnell. Mit acht oder neun Jahren habe ich bei den Bezirksmeisterschaften mitgespielt, danach ging ich zur Fördergruppe in Radolfzell und später dann zum Stützpunkt in Villingen.

Vor 25 Jahren haben Sie dann den Titel des Deutschen Meisters im Doppel geholt. Erinnern Sie sich noch gut an das Turnier in Essen?

Im Einzel wurde ich 1990 in Oldenburg schon Deutscher Meister. Vom Turnier in Essen habe ich schon noch Bilder vor mir, aber an Details kann ich mich nicht erinnern. Normalerweise tritt man ja im Doppel mit einem Partner aus dem gleichen Verband an. Aber da war wohl keiner mehr qualifiziert und dann habe ich eben einen guten Kumpel aus Hessen gefragt. Wir waren damals beiden unter den ersten Zehn in Deutschland und zählten daher zu den Favoriten.

Wie ging es mit Ihrer sportlichen Laufbahn danach weiter?

Danach wurde ich erst einmal schwächer, rutschte in den Ranglisten ab. Weitere Meistertitel kamen dann nicht mehr dazu. Mit 17 Jahren dann lief es wieder besser und in dem Jahr vor dem Abitur habe ich dann auch erste Profiturniere bestritten. Unter anderem spielte ich damals gegen Roger Federer.

Rückblickend dürfte das wohl einer Ihrer Karriere-Höhepunkte gewesen sein. Wie war das Aufeinandertreffen mit Federer?

Das Match gegen Roger Federer habe ich 6:7/5:7 verloren, aber ich hatte in beiden Sätzen immerhin Satzbälle. Ich war damals 18 oder 19 Jahre alt, er 16 oder 17. Und ich wusste, dass er schon damals gehypt wurde. Sein großes Talent war schon zu sehen, seine Vorhandpeitsche war bereits da, die Rückhand war damals noch nicht so gut. Aber er war recht wild, hat den Schläger weggeschmissen und war auch sonst ein Kindskopf. Dass er einmal der beste Spieler der Welt werden würde, war da noch nicht absehbar.

Und nach dem Abitur setzten Sie dann voll auf Tennis.

Ja. Ich ging für zweieinhalb Jahre auf Tour, habe eher kleinere Turniere gespielt und beim Rochusclub Düsseldorf in der Bundesliga einige Einsätze gehabt. Meine größten Erfolge waren zwei Halbfinalspiele, so dass ich so um den 600. Rang in der Weltrangliste stand.

Kamen Sie damit finanziell über die Runden?

Kaum, beim mir ging es gerade so. Ich hatte noch ein Gehalt von der Bundeswehr, Einnahmen von der Bundesliga, aber auch Kosten für die Reisen und die Tennisakademie. Meine Eltern haben mich da auch unterstützt und dann habe ich noch Preisgeldturniere gespielt.

Sie arbeiten jetzt als Karriere-Coach. Wenn der 16-jährige Felix Hardt einen Berater wie den heutigen Felix Hardt gehabt hätte, wäre da mehr möglich gewesen, oder sind Sie mit Ihrer sportlichen Karriere rundum zufrieden?

Das ist eine schwere Frage. Mittlerweile kann ich gut auf meine sportliche Laufbahn zurückblicken. Aber zwischendurch habe ich das schon verdammt, da ich viel Druck verspürt habe. Jetzt bin ich aber dankbar dafür und nutze die Erfahrungen in meinem Beruf. Natürlich könnte es sein, dass ich, wenn ich woanders aufgewachsen wäre, auch in ein anderes Fahrwasser geraten wäre. Ich bin nicht so athletisch, die körperliche Basis und vielleicht auch ein systematischer konditioneller Aufbau haben mir da ein wenig gefehlt. Aber insgesamt habe ich schon das Gefühl, dass die körperlichen Voraussetzungen für das Topniveau nicht gereicht hätten.

Und was haben Sie von Ihrer Sportlaufbahn für den Beruf mitnehmen können?

Die Fokussierung, dass man im Hier und Jetzt auf die anstehenden Aufgaben fokussiert sein kann. Im Sport lernt man auch in den unterschiedlichen Spielsituationen, schnelle Entscheidungen zu treffen. Und dann natürlich der Umgang mit Niederlagen. Ich habe im Laufe meiner Karriere hunderte von Matches verloren. Aber der Umgang mit der Niederlage ist prägend, auch nach Dämpfern wieder aufzustehen und weiterzumachen, nicht zu resignieren. Ich habe im Laufe der Zeit viel Druck erfahren, besonders im Sport. Jetzt will ich den Menschen helfen, sich zu entfalten, authentisch zu sein. Ich versuche, das, was in den Leuten schlummert, zu aktivieren.

Sie leben und arbeiten heute in Köln. Haben Sie noch Bezug zur Bodenseeregion und zum Tennis?

Ich bin vielleicht noch einmal im Jahr am Bodensee. Vor einigen Jahren habe ich mir in Radolfzell ein Spiel von Rainer Schüttler angeschaut. Ich gebe zwar noch Trainerstunden im Tennis, mit der Szene habe ich aber überhaupt nichts mehr zu tun.

Fragen: Jürgen Rössler

Zur Person

Felix Hardt wurde 1979 in Konstanz geboren und wuchs in Allensbach auf. Er machte das Abitur an der Konstanzer Geschwister-Scholl-Schule. Mitte der 1980er Jahre hat er den Tennissport für sich entdeckt und feierte einige Erfolge. Nach den Jahren auf der Tennistour studierte er unter anderem in Maastricht International Business und schloss mit dem Bachelor ab. Nach mehreren Jahren als Berater in einer Bank machte er eine Ausbildung zum Karriere-Coach. (jr)

Zur Serie

Was war los im April 2008, was war 1993 im April geboten, was hatte das Jahr 1968 im April sportlich zu bieten – ein Blick ins Zeitungsarchiv bringt für jeden Monat interessante Fundstücke zutage. Wie die Geschichte von Felix Hardt aus Allensbach, der vor 25 Jahren den Deutschen Meistertitel im Tennis-Doppel holte und im Interview über die Höhepunkte seiner Karriere spricht, aber auch die Schattenseiten im Profi-Tennis erwähnt. Der Heimatsport des SÜDKURIER war vor 50 Jahren übrigens noch eine sporadisch erscheinende und sehr übersichtliche Rubrik in direkter Nachbarschaft zu den Vieh- und Schweinemärkten. (jr)

Das Regionalsportgeschehen im April – vor 10, 25 und 50 Jahren

April 2008

  • Für den SC Pfullendorf ist das Rennen um die Qualifikation für die 3. Liga gelaufen. Dafür sorgt eine 0:1-Niederlage vor 5000 Zuschauern in Siegen. Die zweite Mannschaft des SCP steht zu diesem Zeitpunkt im Spitzenfeld der Verbandsliga. Zwar ohne Toni Kroos, dafür aber mit Sandro Wagner tritt der FC Bayern München II in Pfullendorf an. Das Spiel endet 0:0. Gegen Ende des Monats wird SCP-Trainer Michael Feichtenbeiner, heute Coach der DFB-U15-Auswahl, fristlos entlassen.
  • Das Spitzenspiel der 2. Handball-Bundesliga der Frauen zwischen dem SV Allensbach und FA Göppingen endet 27:27. Beide Mannschaften haben sich schon zuvor für die Ausftiegsrunde zu 1. Bundesliga qualifiziert.
  • Ein Testspiel der deutschen U-20-Auswahl in Friedrichshafen gegen Italien endet torlos, nicht zuletzt aufgrund der Leistung von Ralf Fährmann im DFB-Tor. Einige Tage später schlägt die Elf von Coach Frank Engel in Pfullendorf vor 4500 Zuschauern die Schweiz mit 3:1. Einen Treffer erzielt Max Kruse.
  • In der Basketball-Regionalliga verliert der TV Konstanz sein letztes Heimspiel der Saison mit 67:79 – ausgerechnet gegen den Dauerrivalen KGJ Schwenningen.
  • Der FC Wollmatingen, im freien Fall von der Verbands- in die Bezirksliga, entlässt Trainer Robert Horvath, während der Lokalrivale FC Konstanz die Landesligatabelle anführt.
  • Die Volleyballer des VfB Friedrichshafen beenden eine Saison ohne Niederlage in der Bundesliga und feiern den neunten Deutschen Meistertitel.

April 1993

  • Am 2. April fusionieren die Fußballer aus Aach und Eigeltingen und gründen den SV Aach/Eigeltingen.
  • Der damals 14-jährige Allensbacher Felix Hardt wird mit seinem hessischen Partner schon zum zweiten Mal deutscher Meister im Tennisdoppel. Die beiden sichern sich den Titel in Essen ohne Satzverlust.
  • Auch der dritte Trainer der Saison hilft dem Fußball-Verbandsligisten VfR Stockach nicht. Ganz im Gegenteil: Nach der Trennung von Grygorcewicz sitzt Spielausschuss Roland Maier auf der Trainerbank und der VfR wird nach einer 0:2-Niederlage in Achern Schlusslicht.
  • In der Landesliga kommt es zum Derby zwischen dem FC Böhringen und dem ESV Südstern Singen – es endet 4:0, heute spielen beide Clubs in der Kreisliga.
  • Glanz verbreiten Wolfgang Overath, Karl-Heinz Förster, Franz Roth, Karl-Heinz Rummenigge und die weiteren Spieler der „Uwe Seeler-Traditionself“, die in Pfullendorf eine Auswahl lokaler Fußballlegenden (u.a. Guhl, Merz, Schatz und Hildebeutel) mit 8:3 schlägt.
  • Der SC Pfullendorf wahrt mit einem 2:1-Sieg im Freiburger Mösle-Stadion die Chance auf die Qualifikation zur Regionalliga. Beim Freiburger FC erhält ein gewisser Christian Streich eine Zeitstrafe.
  • Die Handballer des TuS Steißlingen machen mit einem 24:21-Sieg über den TV Triberg den Aufstieg in die Oberliga klar. Die HSG Singen-Gottmadingen schafft in einer spannenden Schlussphase der Handball-Regionalliga den Klassenerhalt.

April 1968

  • Auf dem Hockenheim-Ring zerschellt Jim Clarks Lotus an einem Baum, für den Fahrer kommt jede Hilfe zu spät, das Rennen wird fortgesetzt.
  • Beim Donaupokal der Gewichtheber in Donaueschingen siegt am Schlusstag Rudolf Mang im Schwergewicht, dem Ungar Földi gelingt mit 124 kg im beidarmigen Drücken ein neuer Weltrekord. (jr)