Volleyball-Bundesliga: Die Entscheidung ist ihm nicht leicht gefallen. Simon Tischer hat über Wochen mit sich gekämpft, gestern Nachmittag seinen Entschluss öffentlich gemacht. Der 35-jährige Kapitän des Rekordmeisters, daran hat der Steller aus Schwäbisch Gmünd ein gerüttelt Maß Anteil, hängt Ende dieser Saison „seine Volleyballschuhe an den Nagel“. Viermal Deutscher Meister, fünfmal Pokalsieger, viermal Doublegewinner, dazu zweimal den Supercup geholt, zweimal griechischer Meister und Superpokalsieger geworden – und all diese großartigen Erfolge krönt der Gewinn der Champions League 2007 mit dem VfB Friedrichshafen in Moskau. Eine erfolgreiche Vita des bescheiden gebliebenen Nationalspielers, der mehr als 200 Mal für die deutschen Farben gespielt hat. Jetzt aber gelte es, die Warnungen des Körpers zu beachten, der nur mit immer größerem Aufwand fit für ein anspruchsvolles Team wie den VfB gehalten werden könne. Es sei Zeit für Neues.

„Mit Simon Tischer verlieren wir einen der besten Zuspieler“, bedauert Wunibald Wösle, Abteilungsleiter Volleyball, Beiratsvorsitzender der Volleyball GmbH und Präsident des Gesamtvereins VfB Friedrichshafen, der den verhinderten Trainer Vital Heynen vertrat. Der VfB sei auf der Suche, fügt er an. Christian Pampel aber war nicht deshalb zur Pressekonferenz eingeladen. Der TSV Mimmenhausen, gerade eben unter dessen Führung in die 2. Bundesliga aufgestiegen, muss sich keine Sorgen wegen eines abwanderungswilligen Trainers und Diagonalangreifers machen. Christian und Simon sind seit Jahren befreundet, er hat den Übergang vom aktiven Volleyballer zum sportlichen Rentner vor Kurzem bewältigt.

Während der Diagonalangreifer sich beim TSV erfolgreich engagiert, hat Tischer andere Pläne. Zum einen will er sein Studium des „Internationalen Managements“ forcieren. Mit „der gleichen Energie und voll konzentriert“ wie zuvor auf dem Spielfeld beginnt er bei der Friedrichshafener Zeppelin AG „einen neuen Lebensabschnitt“ mit einem Pflichtpraktikum, die Bachelorarbeit wird er dort schreiben. Keine Zeit für ein Leben daneben, etwas als Trainer. „Der Aufwand ist ja noch höher als der eines Spielers“, sieht Tischer auch in Zukunft seine Position eher nicht auf der Bank. Sehr zur Freude seiner Frau Claudia. Noch einmal 17 Jahre ohne gemeinsames Wochenende, sonntags meist zuschauen müssen, wie andere Familien zusammen etwas unternehmen: Bald kein Thema mehr im Hause Tischer.

Ab Juni 2018. Bis dahin (Tischer: „wir haben noch große Ziele“) gilt alle Konzentration dem Sport. Dem Erreichen des Final Four in Kasan etwa, in der Meisterschaft wollen Tischer & Co. in einer sensationellen Saison, „wie ich sie so auch noch nicht erlebt habe“, ungeschlagen Meister werden. Aufhören, wenn’s am Schönsten ist, sein Ziel. Mit Wehmut. Denn das ahnt der sympatische Schwabe schon: Einfach wird das nicht, das mit den Volleyballschuhen an den Nagel hängen. Seine Kollegen sorgten für einen Vorgeschmack. In voller Stärke standen sie plötzlich da, mit einem Präsent für den Kapitän, auf den „sie sehr stolz“ seien: Simon Tischer nahm den Gehstock entgegen.