Handball, 3. Liga: Die vergangene Saison ist abgehakt, die Vorfreude auf die neue Spielzeit riesengroß: Der Rückhalt in der Stadt, Region und im Umfeld: überwältigend. Vor Beginn der 3. Handball-Bundesliga heute, 19.30 Uhr, in Fürstenfeldbruck ist die Euphorie bei der HSG Konstanz ungebrochen. So viele Dauerkarten wie noch nie wurden abgesetzt, kein Sponsor ging von Bord – trotz Zweitliga-Abstieg. Das Saisonziel der HSG ist klar formuliert: Es soll um den Wiederaufstieg mitgespielt werden. „Jeder will gerne wieder in der 2. Bundesliga spielen und wird alles dafür tun“, sagt Cheftrainer Daniel Eblen. „Dafür gilt es jedoch, viele Voraussetzungen zu erfüllen.“

Die Ligakonkurrenten haben sich teilweise hochkarätig verstärkt. Dazu wurden mit Konstanz und Saarlouis als einziger Staffel gleich zwei Zweitligaabsteiger zugeordnet und Meister Kornwestheim verzichtete auf den Aufstieg. Die 3. Liga Süd gilt daher als die stärkste aller 3. Ligen. „Es wird geballte Power auf uns zukommen“, warnt Daniel Eblen. Seine Mannschaft wird von Woche zu Woche von den Gegnern auf den Favoritenschild gehoben, sie empfangen den Zweitliga-Absteiger mit einer Menge Zusatzmotivation. „Wir waren jetzt zwei Jahre weg“, führt der 43-Jährige aus. „Und wir wissen, wie schnell sich in diesem Zeitraum alles verändert. Man sieht jedoch, dass bei vielen Teams erst- und zweitligaerfahrene Spieler dabei sind. Die Liga wird extrem ausgeglichen sein.“

Zuversichtlich stimmt ihn die sehr gut verlaufene Vorbereitung ohne größeres Verletzungspech. Eblen: „Das war ganz ordentlich. Es passt schon vieles gut zusammen.“ Doch es liegt noch viel Arbeit vor ihm und seiner sehr jungen Mannschaft. Fabian Maier-Hasselmann ist mit 27 Jahren der älteste Akteur im Kader. Es gelte, die Fehler in der Abwehr und im Angriff zu minimieren – dann sieht er seine Mannschaft auf gutem Weg. Einen großen Unterschied zwischen 2. und 3. Liga hat er in den verschiedenen Abwehrsystemen ausgemacht. „In der 2. Liga war es größtenteils die 6:0-Abwehr, nun kommen viele andere Varianten auf uns zu.“

Auf die Spitze wird dies gleich im ersten Duell getrieben. Die HSG muss sich in Fürstenfeldbruck behaupten. Seit Jahren lässt dessen Trainer Martin Wild in einer extrem offensiven und aggressiven Deckungsformation spielen – und war damit unter anderem als der große Favoritenschreck sehr erfolgreich. Dazu kommt eine kleine, enge Halle mit begeisterungsfähigem Publikum. „Eines der schwersten Auswärtsspiele der Saison“, urteilt der Konstanzer Trainer. „Dort sind wir vor ein paar Jahren beim Saisonstart kläglich gescheitert.“

Nicht so einfach beantworten kann er deshalb die Frage nach den Saisonzielen. Zwar bleibt die 2. Bundesliga das große Ziel, um den Aufstieg soll mitgespielt werden. Doch die Voraussetzungen, die Daniel Eblen dafür erforderlich hält, sind vielfältig. Er hat, zusammen mit der Mannschaft, einige Ziele formuliert. Die Abwehr soll besser stehen, weniger Fehler gemacht werden und das Team sich als verschworene Einheit präsentieren. Mit der starken Konkurrenz des Meisters Kornwestheim, mit dem deutlich aufgerüsteten TuS Dansenberg sowie dem TSB Heilbronn-Horkheim und einigen weiteren Teams erwartet er eine harte Saison.

Beim Fanfest mit den Dauerkarteninhabern kurz vor Saisonbeginn sprach Vereinspräsident Otto Eblen dennoch von einem „Neustart“. Mit vier starken Neuzugängen, Fabian Wiederstein (23, Kreisläufer vom HBW Balingen-Weilstetten), Tim Keupp (23, Rückraum), Michel Stotz (19, Kreisläufer) und Torwart Simon Tölke (25) vom TV Neuhausen, sowie den Talenten Samuel Löffler (19), Lukas Herrmann (20), Patrick Volz (19) und Moritz Ebert (17) aus der eigenen U23 und A-Jugend scheint die HSG nach vielversprechenden Leistungen in der Vorbereitung gerüstet. Vom Rückhalt in der Stadt und Region zeigt sich Daniel Eblen beeindruckt: „Trotz Abstieg haben wir einen Eindruck hinterlassen. Der Rückhalt wird ganz wichtig für uns sein. Weil es nicht immer nach Wunsch laufen wird, ist wichtig, das Umfeld hinter sich zu wissen.“

Gemeinderätin Dorothee Jacobs-Krahnen hat eine erste gute Nachricht bereits verkündet. Dank Bundesfördermittel scheint sich ein Spatenstich für den zweistöckigen Hallenanbau bereits 2019 abzuzeichnen. Die HSG Konstanz wäre zur Eröffnung nur zu gerne wieder da, wo sie zuletzt sehr erfolgreich war: in der 2. Bundesliga. Im Moment ist die Konstanzer Freude jedoch groß darüber, dass es wieder losgeht, mit neuen, reizvollen Herausforderungen und mit neuen Zielen.

Das Spiel in Fürstenfeldbruck live unter:
http://www.hsgkonstanz.de/livestream

Jung, ehrgeizig, echte Verstärkungen: Die Neuzugänge der HSG

Sie sind jung, sie sind hungrig und sie sind bereits nach wenigen Wochen bestens integriert und haben sich allesamt als große Verstärkung sowohl im menschlichen als auch sportlichen Bereich erwiesen: Die vier externen Neuzugänge Fabian Wiederstein, Tim Keupp, Simon Tölke und Michel Stotz. Dazu kommen mit Samuel Löffler, Lukas Herrmann, Moritz Ebert und Patrick Volz vier Talente aus der eigenen U23 und eigenen A-Jugend.

Fabian Wiederstein. Bild: Peter Pisa
Fabian Wiederstein. Bild: Peter Pisa | Bild: HSG Konstanz

106 Kilogramm, verteilt auf 1,94 Meter Körpergröße: Kreisläufer Fabian Wiederstein hat schnell einen bleibenden Eindruck in der Vorbereitung hinterlassen – und das nicht nur aufgrund seiner Statur. „Er ist ganz wichtig für uns“, sagt Trainer Daniel Eblen. „Fabi ist schon zu einem Leader-Typ in der Abwehr geworden und auch im Angriff eine Waffe.“ In der Deckung hat er sich innerhalb kürzester Zeit zum Chef im Innenblock entwickelt und im Angriff ist er mit seiner körperlichen Präsenz eine echte Herausforderung für jeden Gegenspieler. Selbst gegen Göppingen war der Ex-Balinger von einem oder zwei Gegenspielern kaum zu kontrollieren und viermal erfolgreich. Der 23-Jährige selbst meint: „Wir wollen vorne mitmischen, das muss unser Anspruch sein. Dafür geben wir in jedem Training Gas und hoffen, dass wir am Ende auch das Maximale erreichen.“

Simon Tölke. Bild: Peter Pisa
Simon Tölke. Bild: Peter Pisa | Bild: HSG Konstanz

Simon Tölke bringt einiges an Erfahrung mit. Nach einem schwierigen Start mit großer Umstellung auf das Konstanzer Abwehrsystem hat sich der 25-jährige Torwart zuletzt in toller Form präsentiert. In der ersten Halbzeit gegen Göppingen machte er mit zahlreichen spektakulären Paraden auf sich aufmerksam und hat gezeigt, dass er zum großen Rückhalt der HSG werden kann. „Simon hat die letzten Spiele einen riesigen Schritt nach vorne gemacht“, lobt Trainer Daniel Eblen. „Er hat viel dafür getan, um unser etwas anderes Abwehrspiel zu verstehen und zu verinnerlichen. Mich freut es, dass er sich dafür zuletzt mit starken Leistungen selbst belohnen konnte.“

Michl Stotz. Bild: Peter Pisa
Michl Stotz. Bild: Peter Pisa | Bild: HSG Konstanz

Ebenso hat Eblen, wie er sagt, „unglaublichen Spaß“ an der Entwicklung seines 19 Jahre alten Kreisläufers Michl Stotz, der wie Simon Tölke und Tim Keupp vom TV Neuhausen an den Bodensee gewechselt ist. Eblen: „Er setzt Tipps extrem schnell um und kann noch ganz wichtig für uns werden.“ Gleiches sagt der A-Lizenzinhaber über Tim Keupp, seinen sehr dynamischen und athletischen Rückraumspieler, der mit seiner Geschwindigkeit ganz neue Varianten eröffnet. „Alle vier“, ist sich Eblen sicher, „werden uns viel Freude bereiten. Sie gefallen mir richtig gut. Wir sind sehr froh, dass sie bei uns sind.“

Samuel Loeffler. Bild: Peter Pisa
Samuel Loeffler. Bild: Peter Pisa | Bild: HSG Konstanz

Samuel Löffler, im vergangenen Jahr noch einer der Leistungsträger beim direkten Wiederaufstieg der U23 in die Oberliga, hat sich darüber hinaus in den vergangenen Wochen zu einer echten Alternative auf der Spielmacherposition entwickelt und mit guten Vorstellungen auf sich aufmerksam gemacht. Den anderen Eigengewächsen, Moritz Ebert (17), Patrick Volz (19) und Lukas Herrmann (20), gehört die Zukunft, und sie stellen weitere wertvolle Alternativen dar. (joa)