Fußball, Verbandsliga: 101 – eine Zahl, stellvertretend für den Saisonverlauf beim FC Singen 04. Denn der Singener Traditionsclub musste nicht nur 101 Gegentore, sondern auch ebenso viele Gelbe Karten in dieser Runde hinnehmen. Mannschaftstaktisch interpretiert, steht diese Zahl daher für eine zu geringe Gegenwehr in der Defensive, aber auch für Disziplinprobleme im Kader. „Wir hatten in vielen Spielen gute Ansätze, haben es uns aber selbst kaputt gemacht durch Undiszipliniertheit“, sieht auch Singens Trainer Wolfgang Stolpa, der nach Ostern für Vice Barjasic das Traineramt übernahm, hier ein Hauptproblem beim Absteiger. Da zu den 101 Gelben Karten noch sieben Gelb-Rote und drei Rote kamen, werden die Singener auch in der Fairplaytabelle als abgeschlagenes Schlusslicht geführt. Konflikte unter den Spielern im Training, die nach außen drangen, verbesserten das Bild auch nicht gerade. Folgerichtig kennt Stolpa sein Aufgabenfeld für die nächsten Wochen: „Wichtig ist jetzt, einen neuen Fußballgedanken in die Mannschaft zu bekommen, um einem Traditionsverein wie dem FC Singen 04 wieder ein positives Image zurückzugeben. Und dann wollen wir wieder Spiele gewinnen!“

Zweifelsfrei standen Trainer Vice Barjasic und die Clubfunktionäre vor einer schwierigen Aufgabe, denn nach dem Verbandsligaabstieg 2016 war zunächst eine Konsolidierung in der Landesliga geplant. Doch schon ein Jahr später kehrte der Club über die Aufstiegsrunde der Vizemeister in die Verbandsliga zurück. Kaderinterne Korrekturen mussten zurückgestellt werden, man wollte die Chance des Aufstiegs nutzen und sich wieder in der Verbandsliga etablieren. Nun steht Wolfgang Stolpa mit dem Club da, wo Vorgänger Barjasic vor zwei Jahren war. Eine ganze Reihe von Leistungsträger hat den Verein verlassen. Immerhin konnte man bei den Neuverpflichtungen erste Erfolge verbuchen, denn mit Alen Rogosic und Wolfgang Narr kommen zwei ehemalige Spieler des SC Pfullendorf an den Hohentwiel.

„Als Trainer ist man immer enttäuscht, wenn man die Ziele nicht erreicht hat!“, räumt Stolpa ein, doch ist das aus seiner Sicht in der Saisonbilanz 2017/18 nur die halbe Wahrheit. Denn auch der FC Radolfzell war 2016 aus der Verbandsliga abgestiegen und schaffte ebenfalls, mit Coach Stolpa, den sofortigen Wiederaufstieg. Schon an Ostern war der Klassenerhalt unter Dach und Fach, sodass Wolfgang Stolpa seine Aufgabe auf der Mettnau als erfüllt betrachten und zum Nachbarn FC Singen 04 als – letztlich erfolgloser – Feuerwehrmann wechseln konnte.

Aus Stolpas Sicht eine Saison mit Licht und Schatten, beim FC 03 Radolfzell dominiert hingegen das Licht. Denn befreit von Sorgen um den Klassenerhalt spielte das Team nach dem Abgang Stolpas unbeschwert und erfolgreich auf, sodass das junge Team um Trainer Steffen Kautzmann die Saison auf Platz drei abschloss. Nur einmal in diesem Jahrtausend, als Verbandsliga-Vizemeister im Jahr 2015, war der FC 03 Radolfzell besser, und betrachtet man die anderen Clubs im Bezirk, dann haben sich die Mettnauer, vorwiegend mit Spielern, die im Verein ausgebildet wurden, auf die Spitzenposition geschoben.

„Mannschaftliche Geschlossenheit, 100 Prozent Einsatz, Disziplin und Fleiß über die gesamte Saison, auch nachdem das große Ziel Klassenerhalt frühzeitig erreicht war“, nennt Steffen Kautzmann als Gründe für den Höhenflug. Und er ergänzt: „Auch ein Trainerwechsel innerhalb der Saison hat die Art und Weise, wie die Mannschaft arbeitet, nicht aus dem Gleichgewicht gebracht.“ Ferner nennt Kautzmann ein hohes Maß an taktischer Flexibilität sowie individuelle Qualität als Säulen des Erfolgs.

Mit Blick auf die kommende Runde steht er vor der Aufgabe, die Abwehr neu formieren zu müssen, doch dabei bleiben die Mettnauer beim Weg, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, den eingeschlagenen Weg weiterzuführen und auf spektakuläre Neuzugänge zu verzichten. Hinzu kommen vier externe Talente. Zudem werden wir erneut sieben A-Jugendspieler integrieren und einen Altersdurchschnitt von 20,9 Jahren haben!“, blickt der Radolfzeller Trainer nach vorne und gibt, erstaunlich für einen Tabellendritten, erneut das Saisonziel Klassenerhalt aus.

Ganz andere Ziele hingegen verfolgt man in der kommenden Saison beim dritten Verbandsligisten der Region, beim 1.FC Rielasingen-Arlen. Da es beim Unterbau nicht ganz so gut aussieht wie beim Rivalen FC 03 Radolfzell, ist man beim Pokalsieger des Jahres 2017 eher auf Transfers angewiesen, um die Kaderbestückung zu steuern. Und hier hat man beispielsweise mit Nedzad Plavci, Sven Körner und Alessandro Fiore Tapia mit Blick auf die Saison 2018/19 ein klares Zeichen gesetzt: Man will auf der Talwiese ein gehöriges Wörtchen um Meisterschaft und Aufstieg mitreden.

Dass dies nicht schon in dieser Saison gelang, lag zum einen wohl an der extremen Dominanz der beiden Spitzenteams SV Linx und Freiburger FC, weshalb man es beim 1.FC sicherlich gerne sähe, wenn sich der FFC in der Aufstiegsrunde durchsetzen und in der nächsten Saison eine Liga höher spielen würde. Doch man musste auch, vor allem zu Beginn der Runde, mit der Kehrseite des Erfolgs klarkommen. Auch wenn dies Trainer Jürgen Rittenauer nicht sonderlich hoch bewerten wollte, erschien es für die Mannschaft doch schwer, sich rund um den Fußballfeiertag im August, dem DFB-Pokalspiel im nahezu ausverkauften Freiburger Schwarzwaldstadion gegen Borussia Dortmund, auf den Verbandsliga-Alltag zu konzentrieren.

Heraus kam daher ein eher durchwachsener Start der Hegauer in die Saison. Vielfach ließ der 1. FC Rielasingen-Arlen dann während der Runde aufblitzen, was an Potenzial im Kader steckt, doch fehlte eben auch die Konstanz, um mit den beiden „Großen“ SV Linx und Freiburger FC mithalten zu können, wie dann auch der letzte Spieltag mit der Niederlage beim Schlusslicht Hofstetten unterstrich.

Dennoch bleibt von der Saison 2017/18 für die Vereinsgeschichte natürlich das absolute Highlight, das Match gegen Aubameyang & Co. und die Perspektive, 2018/19 nach dem Titel greifen zu können.