Handball, 3. Liga: HSG Konstanz – HBWBalingen-Weilstetten II (heute, 20 Uhr, Schänzle-Sporthalle). – Das Warten hat ein Ende. Seit Anfang Juni mussten sich die Anhänger der HSG Konstanz auf den ersten Pflichtspiel-Auftritt ihrer Lieblinge in der heimischen Schänzle-Sporthalle gedulden. Am Samstag startet die HSG Konstanz dafür gleich im ersten Heimspiel der Saison mit einem Derby und damit gleich mit einem Knüller in die neue Spielzeit. Nach dem spektakulären, stimmungsvollen Duell gegen die Schwaben im Frühjahr vor mehr als 1700 Fans ist die Vorfreude in beiden Lagern riesengroß.

„Das letzte Heimspiel ist doch schon eine ganze Weile her“, sagt Cheftrainer Daniel Eblen und sprüht, wie die ganze Mannschaft, vor Freude auf den Auftakt mit den eigenen enthusiastischen Anhängern im Rücken. „Wir freuen uns auf unsere Halle und unsere Fans, unsere Heimspiele sind immer etwas Besonderes.“ Dazu kommt das traditionell heiße Duell gegen Balingen-Weilstetten, den mit um die 100 Kilometern am nächsten gelegenen Drittliga-Standort. Bei aller Vorfreude ist zugleich der Respekt vor der anspruchsvollen Aufgabe gegen die Talentschmiede des Zweitligisten groß. „Eine junge Mannschaft, die immer extrem befreit aufspielt“, hat Eblen beobachtet und lässt aus dem 31:24-Erfolg in der Vorbereitung gegen die Gäste von der Schwäbischen Alb keine Rückschlüsse auf die Partie heute zu. Vielmehr war der 32:28-Erfolg der HBW-Reserve zum Saisonauftakt gegen die ambitionierte TGS Pforzheim ein dickes Ausrufezeichen.

Als eine gute Mischung aus technisch guten Spielern und solchen, die auch in der 3. Liga „körperlich dominant sein können“, stuft der A-Lizenzinhaber die Schwaben ein. Überhaupt scheint Trainer Andre Doster, ein guter Freund von HSG-Linksaußen Fabian Schlaich, wie schon im vergangenen Jahr, als der HBW als zwischenzeitlicher Tabellenführer auf Platz fünf der 3. Liga abschloss, eine gute Mischung aus Erfahrung und Talent zur Verfügung zu stehen. Neben Talenten wie Jan Bitzer, Moritz Strosack, die bereits ihre Einsätze in der 2. Bundesliga bekommen, sowie dem slowenischen U-20-Euopameister Tom Rozman verleihen erst- und zweitligaerfahrene Stützen wie Christoph Foth (27, sieben Tore im ersten Saisonspiel) und zuletzt auch der langjährige Erstligaspieler Lars Friedrich (33, fünf Tore) den Jungen eine große Stabilität. Da die Balinger Zweitligamannschaft schon gestern gespielt hat, könnte der HBW zudem in Konstanz wieder seinem Ruf als „Wundertüte der Liga“ gerecht werden und für einige Überraschungen im Aufgebot sorgen.

Daniel Eblen zeigt sich dazu dennoch entspannt. „Da kann alles passieren“, meint der 43-Jährige, der in seine 16. Spielzeit als Cheftrainer geht und ergänzt: „Wir müssen damit leben und werden uns um uns kümmern. Es geht darum, unsere Stabilität zu finden.“ Womit der gebürtige Konstanzer beim für großes Aufsehen sorgende vergangene Spiel angekommen wäre. Die Stabilität wünscht er sich – nach acht vergebenen freien Möglichkeiten in Fürstenfeldbruck naheliegend – in der Chancenverwertung. Aber auch in der Deckung, wo er bemängelt, dass „wichtige Zweikämpfe verloren wurden. Wir müssen uns gegenseitig noch besser aushelfen und noch entschlossener sein.“

Das unglaubliche Erlebnis der allerletzten Aktion in jenem Duell, als der direkte Freiwurf nach Ablauf der Spielzeit im Tordreieck kleben blieb, spielte keine große Rolle mehr in der Trainingswoche. Eblen: „Das gehört im Leben alles dazu. Gegen Leutershausen hatte Matthias Stocker vor ein paar Jahren das nötige Glück bei seinem Kunstwurf – nun hat uns das Pech getroffen.“ Ganz pragmatisch ist daher die Marschroute des Konstanzer Trainers: „Wir sehen auf das, was wir beeinflussen können. Das heißt auch, das Glück zu fordern und wieder auf unsere Seite zu ziehen.“

Verzichten muss Daniel Eblen heute Abend auf Talent Samuel Löffler, der in Fürstenfeldbruck eine Nierenprellung davon getragen hat und gegen Balingen-Weilstetten II nun wohl nicht einsetzbar sein wird. Nach der unglücklichen Niederlage in Südbayern betont der HSG-Coach zudem noch einmal die Leistungsstärke der 3. Liga Süd: „Es war klar, dass es gerade auswärts nicht immer nach Wusch laufen kann. Da wir wissen, wie stark die Liga ist, fällt nach einem Rückschlag auch niemand in ein Tal der Tränen. Das war ein richtig schweres Spiel, auch emotional.“

Deshalb gelte, es an sich zu arbeiten, dem unglücklichen Verlauf mit zahlreichen Abprallern zum Gegner und den vielen eigenen vergebenen Chancen nicht „hinterher zu trauern. Wir müssen die Antwort auf dem Spielfeld finden und mit dem einhundertprozentigen Glauben an unsere Sache einen Schritt nach dem anderen in die richtige Richtung machen.“

„Bin überzeugt, dass wir gute Saison hinlegen“

Fabian Wiederstein, 23-jähriger Kreisläufer mit Gardemaß (1,94 Meter, 106 Kilogramm), wechselte im Sommer vom HBW Balingen-Weilstetten, wo er auch einige Male in der ersten Bundesliga zum Einsatz kam, zur HSG Konstanz. Am Bodensee hat der in Esslingen geborene Junioren-Europameister von 2014 an der mit der HSG kooperierenden Fachhochschule HTWG ein Masterstudium in Wirtschaftsingenieurwesen aufgenommen. Im SÜDKURIER-Interview blickt er auf das erste Heimspiel am Samstag, 20 Uhr, gegen seine ehemaligen Teamkameraden.

Das erste Heimspiel für Sie im HSG-Trikot und in der Schänzlehölle wird gleich zum Duell mit Ihrem Ex-Klub. Kribbelt es daher ganz besonders?

Es wird nach fünf Jahren in Balingen, in denen ich dort viele Freunde gefunden und viel erlebt habe, ein sehr besonderes Spiel für mich. Ich freue mich sehr auf das erste Heimspiel für meinen neuen Verein und ganz besonders auf die Stimmung in der Schänzlehölle. Die Vorfreude ist riesig, denn ich habe ein gutes Gefühl, stehe im Austausch mit meinen ehemaligen Teamkameraden und bin mir sicher, dass wir am Samstag ein richtig tolles Spiel sehen werden.

Wovor muss man sich beim HBW II besonders in Acht nehmen?

Das ist eine junge Mannschaft mit ganz viel Potenzial, technisch und taktisch gut ausgebildet. Dazu kommt Christoph Foth als erstligaerfahrener Anführer und eine stabile 6:0-Deckung. Man weiß zudem nie, wer alles aus dem Zweitligateam aushilft, das schon am Freitag gespielt hat. Das muss uns aber egal sein, wir sehen auf uns. Wir sind gut vorbereitet und wenn wir unsere Leistung abrufen, muss der Gegner erst einmal besser sein als wir.

Was sind Ihre Wünsche für Ihren ersten Auftritt vor den eigenen Fans im Hexenkessel „Schänzlehölle“?

Ein Heimsieg, alles andere ist nebensächlich. Für die zwei Punkte wollen wir zusammen als Team alles geben. Dass die Stimmung sicher überragend wird, nehmen wir alle gerne mit – aber es geht nur um die zwei Punkte. Die Stimmung im Training ist gut und wir haben in dieser Woche unsere besten Einheiten hingelegt.

Wie haben Sie sich persönlich in der Mannschaft und der Stadt eingelebt?

Ich fühle mich sehr wohl und habe mich bestens eingelebt. Bei diesem Sommer am Bodensee und unserem tollen Team ist mir das auch nicht schwer gefallen. Mannschaft und Verein geben mir ein gutes Gefühl. Es steckt sehr viel Potenzial in unserer jungen Truppe. Wir geben in jeder Einheit Gas, um uns stetig weiterzuentwickeln und eine Schippe draufzulegen. Wenn wir unser Potenzial auf die Platte bekommen, wird es für jeden schwer, uns zu schlagen. Darauf vertrauen wir als Team. Ich bin überzeugt davon, dass wir eine gute Saison hinlegen werden.

Fragen: Andreas Joas