Tim Jud blickt auf das Zweitligaspiel in Nordhorn zurück und aufs Heimspiel am Samstag, 20 Uhr gegen Rimpar. Zudem begründet er, warum er vom Klassenerhalt der HSG Konstanz überzeugt ist.

Waren Sie nach dem Spiel in Nordhorn zufrieden über die gute Leistung, oder hat es Sie geärgert, dass die HSG die Chance zur Sensation nicht ergriff?

Der Ärger hat schon überwogen. In der vergangenen Saison war das ein komplett anderes Spiel, dieses Mal hatte ich das Gefühl, dass noch viel mehr drin war. Am Schluss haben wir es aber nicht geschafft, den letzten Schritt zu machen und uns mit Zählbarem zu belohnen. Unser Auftritt war phasenweise gut, am Ende habe ich mich aber geärgert, dass wir den Schwung der vergangenen Partien nicht komplett mitnehmen und für eine Überraschung sorgen konnten.

Was hat zum Coup gefehlt?

Wir sind dem Sechs-Tore-Rückstand aus den ersten zehn Minuten das gesamte Spiel hinterhergelaufen. Es hat schon Kraft gekostet, bis uns dann wieder der Ausgleich geglückt ist. Insgesamt war die Leistung okay, am Ende haben jedoch Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben. Torwart Björn Buhrmester hat wichtige Bälle entschärft, wir waren in ein paar Situationen zu unkonzentriert.

Was fehlt in dieser Saison bislang, um ein Topteam zu besiegen?

Man kann das schon daran festmachen, dass sich die Topteams im Vergleich zu den vergangenen Jahren gefestigt haben. Es gibt deutlich weniger Überraschungen. Unsere Gegner wissen auch besser, was kommt, wir werden nicht mehr unterschätzt. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir gerade zu Hause noch Punkte gegen die Teams aus der oberen Tabellenhälfte holen werden. Wir waren in der Hinrunde schon einige Male ganz dicht dran, teilweise war es dann entweder sehr unglücklich oder auch selbst verschuldet, dass uns nicht mehr geglückt ist. In der Schänzlehölle ist es mit den Fans im Rücken grundsätzlich immer möglich, ein großes Team zu bezwingen.

Worin liegt die Chance, vielleicht gegen Rimpar die erste Überraschung der Saison zu feiern?

Wir haben es in diesem Jahr gezeigt: Wir sind daheim richtig gut. Und wir werden von unseren Fans beflügelt. Ich bin überzeugt, dass gegen Nordhorn noch mehr drin gewesen wäre. Wenn wir die Partie gegen Rimpar bis zum Schluss offen halten, stehen unsere Chancen nicht so schlecht.

Was erwarten Sie für ein Spiel, was vom Gegner?

Rimpar hat ein super Team mit einer guten Abwehr und einem guten Torhüter. Dazu mit Benjamin Herth und Steffen Kaufmann super Einzelspieler im Rückraum. Ich erwarte ein heißes Duell und eine Abwehrschlacht. Wir wollen dranbleiben, wissen, dass die Halle da sein wird und wollen weiter dazu positiv beitragen. Team und Fans haben im Jahr 2018 weiter zugelegt. Dort wollen wir anknüpfen.

Die HSG Konstanz ist wieder voll dabei im Rennen um den Klassenerhalt. Wie ist der Unterschied zwischen Hin- und Rückrunde zu erklären?

Wir wollen unbedingt in dieser Liga bleiben und werden alles dafür reinhauen. Dafür wurde die Zahl der Trainingseinheiten erhöht, die Intensität hochgeschraubt. Durch die schwierige Situation sind wir noch mehr zusammengewachsen und es gibt nur Vollgas in jeder Einheit. Dann kamen die lang-ersehnten Siege dazu und das Selbstvertrauen zurück. Mit dieser Euphorie und ganz vielen positiven Emotionen wollen wir unseren Weg weitergehen.

Sie haben nach der EM-Pause noch eine Schippe drauf gelegt und führen glänzend Regie. Woher kommt die Leistungssteigerung?

Es läuft gut, aber man will immer mehr erreichen. Manchmal platzt der Knoten und man kann sich als Team zusammen hochschaukeln. Wir pushen uns gegenseitig in jedem Training und jedem Spiel. Und wenn es beim Team besser läuft, läuft es auch bei jedem Einzelnen leichter.

Schwere Frage: Schafft die HSG den Klassenerhalt?

Das ist für mich keine schwere Frage. Klares Ja. Alles andere wäre die falsche Einstellung. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen – auch wenn es bis zum Ende ein offenes Rennen sein wird. Wir wissen, was es dazu braucht, haben viel Schwung und im Kollektiv unsere Stärke. Das wird für mich der entscheidende Faktor: Das Team gibt den Ausschlag, weil wir nicht von ein, zwei Einzelspielern abhängig sind.

Fragen: Andreas Joas

Zur Person

Tim Jud ist der Motor und Kopf im Spiel der HSG Konstanz, der zudem immer mehr zum emotionalen Leader wird. Der frühere Jugend- und Juniorennationalspieler der Schweiz spielt seit 2015 beim Handball-Zweitligisten. Tim Jud wurde in Uster am Zürichsee geboren, ist 1,84 Meter groß und aktuell als Spielmacher mit 65 Toren fünftbester Torschütze der Gelb-Blauen. (joa)