Was geben Sie Ihren Spieler fürs erste Zweitligaspiel in der Geschichte des TSV Mimmenhausen mit auf den Weg?

Das ist ziemlich einfach. Wir haben viel trainiert, die Spieler wissen, auf was ich dort Wert lege. Und das kann zu 90 Prozent auf jedes Spiel umgemünzt werden. Wer sich im Spiel nur auf das im Training Gelernte konzentriert, wenn man so spielt, als ob man ein gutes Training hinlegt, dann kannst du schon mal nichts falsch machen. Dann machen sie auf jeden Fall schon mal etwas richtig. Nicht mehr, nicht weniger. Das ist wichtig, egal ob du gegen gleichstarke Gegner spielst, oder ob du der Favorit bist. Das ist nicht schwer, das muss man nur mal für sich verinnerlichen.

Diese Saison sind Sie nicht Favorit.

Das ändert für mich gar nichts. Als Favorit kann es schon passieren, dass du deinen Gegner unterschätzt. Im Training aber unterschätzt du aber doch niemanden, gibst Gas für dich selbst. Auch im Spiel dann. Völlig egal, was der Gegner macht. Aus meiner Sicht jedenfalls. Es gibt aber Trainer, die das anders sehen.

Hat sich das Team verändert? Es war am Ende der Meisterschaftssaison noch von eventuellen Neuzugängen die Rede.

Es hat sich etwas verändert, weil wir einen Abgang haben. Libero Lennart Diwersy ist nach Berlin gegangen, um dort zu studieren. Das ist ein Verlust. Um den auszugleichen, haben wir einen Außenangreifer zum Libero gemacht, Doru Pilihaci. Der war bei uns in der Drittliga-Saison der dritte oder vierte Annahmespieler und Außenangreifer. Aber das ist die einzige Veränderung.

Zum Abschluss der Vorbereitung haben Sie ein Testspiel gegen den Drittligisten USC Konstanz gespielt. Auf was haben Sie Ihr Augenmerk gelegt? Das ist ja quasi die Generalprobe für Hammelburg.

Als Generalprobe habe ich die Partie nicht gesehen. Aber das Spiel hat ganz gut in die Vorbereitung gepasst. Wir haben das Wochenende durchtrainiert. So eine Art Trainingslager und danach gleich das Spiel. In dem habe ich eine oder zwei Aufgaben speziell für die Zuspieler gestellt. Auf was sie achten sollen. Und das haben sie soweit gut gemacht. Das hat funktioniert.

Schwierig, eine Basis zu finden für etwas Unbekanntes wie die 2. Bundesliga. Was für einen Eindruck haben Sie so kurz vor Saisonbeginn?

Ich weiß, wie das Niveau im Spitzenbereich ist, ich habe das Niveau in der 3. Liga kennengelernt. Aber diese Niveaus sind ja nicht linear. Der Sprung von der 3. in die 2. Liga ist ein ganz guter Sprung, und dann steigt die Kurve ja auch noch nach oben. In der neuen Liga gibt es einige Mannschaften, die in die 1. Bundesliga aufsteigen könnten, das aber aus finanziellen Gründen nicht tun. Da sammeln sich also ein paar Topteams in dieser Liga. Deshalb, denke ich, ist die 2. Liga deutlich stärker im Verhältnis zur 3. Liga. Das ist ein echter sportlicher Sprung. Da herrscht teilweise schon echter professioneller Umgang in den Klubs.

Das belastet Christian Pampel, den Spielertrainer des Amateurvereins TSV Mimmenhausen, überhaupt nicht.

Mein primäres Ziel war stets die Entwicklung meiner Spieler. Selbst dann, wenn wir uns wahnsinnig schwer tun sollten in der 2. Liga, ist das doch gut für die Mimmenhausener Spieler, wenn sie sich auf hohem Niveau messen und daran wachsen. Wenn die Jungs gut trainieren, gut mitarbeiten, dann werden sie nach dieser Saison besser sein. Und das hat Priorität für mich und den Verein. Selbst wenn wir uns schwertun, unsere Ziele nicht erreicht haben, mache ich mir keine Sorgen. Weil das ist nicht das Ende alles Lebens, wenn wir es nicht schaffen. Sondern ich hoffe, dass ich danach sagen kann, dass sich der und dieser Spieler gut entwickelt hat. Für die Persönlichkeitsentwicklung der Jungs wird das ein ganz wichtiger positiver Aspekt sein. Auch aus diesem Grund mache ich mir gar keinen so großen Kopf über das, was jetzt passieren wird. Wenn wir es tatsächlich schaffen sollten, die 2. Liga zu halten, brauchen wir geschätzt 30 bis 35 Punkte. Aber es wird nicht so sein, dass ein, zwei Mannschaften alles verlieren werden. Wir werden uns also gegen mehr als nur zwei oder drei Konkurrenten durchsetzen müssen. Das Niveau ist dichter und kompakter als noch in der 3. Liga. Wir werden ein paar Spiele gewinnen müssen, nicht nur gegen den Abstiegskonkurrenten.

Sie glauben also, dass die Mimmenhausener Spieler genügend Potenzial haben, um auch in der 2. Liga wieder für Überraschungen zu sorgen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Spieler, wenn sie ausreichend trainieren, noch genügend Potenzial haben. Ich sehe das doch jedes Mal im Training. Sie haben zwar klare, wohl definierte technische Schwächen. Aber wenn wir es schaffen, diese Schwächen weg zu trainieren, wird der Individualspieler und damit auch das Team besser, bekommt es mehr Schwung, mehr Dynamik. Es ist Potenzial da. Die spannende Frage ist: Schaffen wir es, das rechtzeitig herauszuholen mit den Möglichkeiten, die wir haben. Bei einigen Dingen aber müsste ich sagen, wir trainieren fünf- oder sechsmal die Woche, dass wir das schaffen. Bei anderen Sachen denke ich mir, wenn sie regelmäßig ins Training kommen, kriegen wir da Verbesserungen hin.

Ohne dieses Vertrauen hätte Christian Pampel das Abenteuer 2. Liga doch erst gar nicht angenommen, oder?

Ohne dieses Wissen hätte ich mich schwergetan damit. Wenn wir es in dieser Saison schaffen sollten, drin zu bleiben, liegt das zum einen eben an dem bisher Gesagten, zum anderen aber auch daran, dass ich noch auf dem Spielfeld dabei bin. Ich glaube, dass ich schon noch eine Verstärkung bin. Mein Wunsch aber ist, dass wir die 2. Liga zwei, drei Jahre halten können, und dass die Jungs das dann auch ohne mich als Spieler schaffen.

Sie müssen ohne den Meisterschaftslibero bestehen. Wie sehr bedauern Sie, statt Diagonalangreifer nicht Annahme-Außen gespielt zu haben? Ein stabiler Faktor im Spielaufbau wäre jetzt doch Gold wert.

Ja, aber ich habe zum Glück im Laufe meiner Karriere, gerade in meinen langen Jahren in Katar, wo ich als Spitzensportler zwar trainiert und gearbeitet habe, aber nicht unbedingt im Spitzenteambereich war, wahnsinnig viel ackern und ausbügeln müssen. Da habe ich wahnsinnig viel gelernt, mit Bällen klarzukommen, auszugleichen.

In Katar das Rüstzeug für den TSV Mimmenhausen erhalten.

Ja, wenn die Annahme nicht so gut kommt, das Zuspiel ist auch nicht immer perfekt, kann das gut korrigieren. Es gibt viele echt gute Volleyballer, die damit nicht klargekommen sind in unteren Ligen.

Sie schaffen es nicht, ohne perfekten Ball gut Volleyball zu spielen?

Genau. Sie haben nie gelernt, flexibel auf dem Spielfeld zu sein, viele Bälle lösen zu können.

Wenn Sie alle zwölf Heimspiele gewinnen, wäre der Klassenerhalt perfekt. Ist das das Ziel?

Nein, ich möchte einfach jedes Spiel gewinnen. Ich schätze, mit unserem tollen Publikum und dem tollen Fanblock im Rücken haben wir bei den Heimspielen wohl einen leichten Vorteil. Das macht absolut Spaß und erinnert mich an die Zeit, als der VfB Friedrichshafen noch in der Bodenseesporthalle gespielt hat. Auch bei uns ist immer Stimmung und ist immer was los. Aber wir werden nicht alle Heimspiele gewinnen können.

Was wissen Sie über Ihre Gegner?

Eltmann will wohl aufsteigen, gegen die Youngstars Friedrichshafen muss man gewinnen, meine ich. Gegen Gotha sollte man Punkte holen. Karlsruhe hatte vergangene Saison kräftig aufgerüstet, wollte fett loslegen. Das hat aber gar nicht so geklappt. Wir haben gegen Fellbach und Freiburg im Pokal gespielt. Aber der hat eigene Gesetze, meist werden die unterklassigeren Gegner da unterschätzt. Diese Spiele haben für mich wenig Aussagekraft im Hinblick auf eine Saison in der 2. Liga. Wir werden in der 2. Liga garantiert nicht unterschätzt. Alle anderen Teams kann ich nur anhand der Tabellensituation beurteilen.

Für die Psyche wäre am Samstag nicht nur gut spielen, sondern punkten, sehr wichtig.

Das wäre natürlich traumhaft.

Fragen: Hermann Hummler