Nach dem Rassismus-Eklat im letzten Olympia-Test nahmen die deutschen Fußballer ihren Teamkollegen Jordan Torunarigha zum Trost in den Arm. „Er war echt sehr aufgelöst“, berichtete Trainer Stefan Kuntz über die Gefühle des Verteidigers von Hertha BSC. Im letzten Test vor dem Abflug zum Olympia-Start Richtung Tokio am Sonntag gegen Honduras berichtete Torunarigha über rassistische Beleidigungen durch den Gegner – die deutsche Mannschaft setzte daraufhin ein deutliches Zeichen und verließ geschlossen den Platz.

„Das war sowohl von meiner Mannschaft als auch Jordan ein sehr, sehr gutes Verhalten“, lobte Kuntz sein Team nach der Partie in Wakayama und nannte die Beleidigungen „traurig und armselig“. Das Team habe gemeinsam überlegt, ob der Angelegenheit noch weiter nachgegangen werden solle, sich aber dagegen entschieden. „Es ist auch ein starkes Statement von Jordan, dass er sagte: Okay, es reicht, damit ist das Ding abgeschlossen“, betonte Kuntz.

Das einzige Vorbereitungsspiel des Teams, das über dreimal 30 Minuten angesetzt war, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und endete durch den Abbruch mit 1:1. „Nachdem sich die Situation ein bisschen beruhigt hat, kam auch der gesamte Kader von Honduras rüber zu uns zur Bank und hat sich entschuldigt. Damit war das Thema für uns gegessen“, sagte Kuntz.

Dass sie geschlossen vom Rasen gehen, stand für Torunarighas Teamkollegen völlig außer Frage. „Wir haben ein richtiges Statement gesetzt, wir haben richtig entschieden und gehandelt. Es war auch Jordans Wille, der gesagt hat, dass wir es damit gut sein lassen wollen“, sagte Routinier Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg, der das Team bei Olympia als Kapitän anführen wird.

„Ich glaube, das ist ein Statement, was wir immer bringen müssen, wenn sowas passiert – vom Platz zu gehen und auf gar keinen Fall das Spiel weiter zu machen“, betonte Stürmer Max Kruse bei Instagram. „Egal ob in der ersten oder der 90. Minute, das müssen wir einfach immer machen, weil Rassismus einfach keinen Platz im Fußball hat.“

Honduras war in den ersten 30 Minuten in Führung gegangen, der Augsburger Felix Uduokhai erzielte im letzten Drittel den Ausgleich. Kuntz nutzte die Partie bis zum Abbruch zum kräftigen Rotieren und setzte alle 18 Spieler des Kaders ein. Am Sonntag flog die DFB-Auswahl nach Tokio und bezog ihr Teamhotel in Yokohama.

Dort startet der Silbergewinner von Rio 2016 am Donnerstag (13.30 Uhr/ARD und Eurosport) gegen Olympiasieger Brasilien ins Turnier. Die weiteren Gruppen-Gegner sind Saudi-Arabien und die Elfenbeinküste. (dpa)