Natürlich war Mark Flekken wieder der erste Freiburger Spieler, der beim Nachmittagstraining am Dienstag den Rasen im Schrunser Stadion betrat. Wie Neuzugang Benjamin Uphoff und der dritte Keeper Lars Hunn, der in Österreich den verletzten Niclas Thiede ersetzt, muss auch die designierte neue Nummer eins im Freiburger Tor immer mindestens eine Viertelstunde vor den Feldspielern zur Übungseinheit mit Torwarttrainer Andreas Kronenberg antreten.

Mehr Temperament als sein Vorgänger

Der guten Laune des Keepers tut das Pensum im Montafon keinen Abbruch, mit dem Schrunser Platzwart Rudi Summer scherzt der Hüne vor der schweißtreibenden Einheit ebenso ausgiebig wie mit Vincenzo Grifo, der anderen ausgemachten Stimmungskanone im Team. Bei den Trainingsspielen präsentiert sich mit Flekken in Schruns hingegen ein Keeper, der seine Vorderleute mit beachtlichem Stimmvolumen lauthals dirigiert – der vielleicht augenfälligste Unterschied zu Vorgänger Alexander Schwolow, der mittlerweile das Trikot von Hertha BSC Berlin trägt.

Doch das Temperament ist nicht der einzige Faktor, der den ehemaligen und den künftigen ersten Mann im Tor unterscheidet. Während Schwolow auf der Linie und im Eins-gegen-eins zu den Besten der Liga gehörte, ist Flekken ballsicherer und interpretiert das Torwartspiel offensiver. Künftig dürften also mehr gegnerische Flanken in den Armen eines Freiburger Torwarts landen als zuletzt. Dafür wird Flekken, der an der deutsch-niederländischen Grenze aufwuchs und akzentfrei deutsch spricht, einen Hang zum Risiko dosieren müssen, der dem zuverlässigen Schwolow abging.

Es gilt das Leitungsprinzip

Dass sich der SC schon vor Wochen auf eine Hierarchie im Tor festgelegt hat, liegt für Kronenberg dabei in der Natur der Sache: „Das ist auch eine Frage des ehrlichen Umgangs miteinander“, sagt der Torwarttrainer. „So weiß jeder, woran er ist. Und in Stein gemeißelt ist ein Stammplatz ja sowieso nicht, denn wie immer gilt natürlich das Leistungsprinzip: der Bessere spielt.“ Und tatsächlich äußerte sich Herausforderer Uphoff, der in den beiden Vorbereitungsspielen durchaus zu gefallen wusste, vergangene Woche auch durchaus positiv über die Gesprächskultur beim SC, ließ dabei aber auch durchblicken, dass er sich gut vorstellen könnte, in absehbarer Zeit selbst im SC-Tor zu stehen.

Flekken stand oft im Schatten anderer

Dass ein starker Torwart wie der auch schon 27-jährige Flekken es bislang erst auf zehn Bundesligaeinsätze bringt, mag dabei durchaus verwundern. Zumal er sie allesamt in der Hinrunde der vergangenen Saison für den Sportclub absolvierte, als er den verletzten Schwolow gut vertrat. Das dürfte durchaus eine Genugtuung für den Spätberufenen gewesen sein, der auch bei vorherigen Stationen oft im Schatten anderer Torhüter gestanden hatte.

2018, als Flekken nach Südbaden kam, wechselte er allerdings als amtierende Nummer eins des MSV Duisburg in die Bundesliga. Sowohl in der zweiten Liga (17/18) als auch in der dritten Liga (16/17) war er erster Mann bei den Meiderichern gewesen. Zuvor, in Fürth, wo er von 2013 bis 2016 spielte, kam er in drei Jahren allerdings nur zu drei Zweitligaspielen. An Wolfgang Hesl und später Sebastian Mielitz, einem guten Freund von SC-Angreifer Nils Petersen, kam er nicht vorbei.

Vom Bankdrücker zur Nummer eins

Das Schicksal des Bankdrückers war ihm dann zwei Jahre lang auch in Freiburg vorbehalten – trotz bester Trainingsleistungen. „Die Ansage war klar: Wenn sich Schwolow nicht verletzt, spielt er auch“, erinnert sich Flekken. Die Hängepartie im Sommer – bis weit nach Saisonende war offen, ob Schwolow den SC verlässt – zehrte dann auch durchaus an den Nerven des 1-Meter-94-Mannes. Wäre Schwolow geblieben, hätte das für Flekken bedeutet, dass er den SC verlassen hätte. Für die Bank ist er sich mittlerweile zu schade. Und das aus gutem Grund, wie sein Trainer findet: „Er hat es wirklich sehr gut gemacht, als er Schwolli vertreten hat“, sagt Christian Streich. „Wir sind davon überzeugt, dass er eine gute Nummer eins sein wird.“

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