Hertha BSC will mit Bruno Labbadia in die Zukunft - und strebt mitten in der Corona-Krise den dritten Trainerwechsel in dieser Saison an.

Übereinstimmenden Berichten der «Bild»-Zeitung und des Fachmagazins «Kicker» zufolge soll der 54-Jährige schon in den nächsten Tagen Alexander Nouri als Chefcoach beim Berliner Fußball-Bundesligisten ablösen und einen Vertrag bis Sommer 2022 erhalten. Bereits nach Ostern soll er in der Hauptstadt das Training leiten. Der Verein kommentierte die Personalie zunächst nicht, das vorzeitige Aus von Nouri gilt seit Mittwochabend jedoch als beschlossen.

Derzeit ruht der Spielbetrieb wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst bis zum 30. April, doch bei der abstiegsbedrohten Hertha bleibt es weiter turbulent. Labbadia wäre nach Ante Covic, Jürgen Klinsmann und Nouri bereits der vierte Coach seit Start der laufenden Spielzeit, die für die ambitionierten Berliner ganz anders als geplant verlief.

Schon im vergangenen November galt Labbadia als möglicher Covic-Nachfolger. Herthas Geschäftsführer Michael Preetz nannte ihn zuletzt «einen verdienten, anerkannten Bundesligatrainer» und hält persönlich viel von ihm. Die Wunschlösung wäre dem Vernehmen nach jedoch Niko Kovac gewesen. Hertha hatte sich in den vergangenen Monaten mehrfach intensiv um die Dienste des Ex-Trainers des FC Bayern München bemüht, von einem Engagement in seiner Geburtsstadt auch erst im Sommer war der 48-Jährige jedoch nicht zu überzeugen.

Hertha war mit dem glücklosen Covic in die Saison gestartet, der ehemalige Profi musste jedoch bereits Ende November 2019 gehen und wurde spektakulär vom früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann abgelöst. Zwar verbesserte sich die Situation unter dem Weltmeister von 1990 für kurze Zeit, doch Klinsmann warf nach nicht einmal drei Monaten hin. Sein Auftritt löste viel Trubel und am Ende viel Ärger aus. Nach Klinsmanns abruptem Rücktritt mit vielen Störgeräuschen wegen angeblich fehlender Rückendeckung im Club wurde dessen Assistent Nouri zum Chefcoach ernannt. Er sollte eigentlich bis zum Sommer in der Verantwortung bleiben.

«Es ist unser Ziel, dass wir gemeinsam in dieser Konstellation diese Saison idealerweise zu Ende spielen wollen», hatte Preetz vor gut einem Monat gesagt, «um dann für die neue Saison ab dem 1. Juli 2020 eine neue Entscheidung auf der Cheftrainer-Position zu treffen».

Doch soll Labbadia früher kommen. Der ehemalige Stürmer arbeitete in der Bundesliga zuvor für Bayer Leverkusen, den Hamburger SV, den VfB Stuttgart und zuletzt für den VfL Wolfsburg. Er übernahm die Niedersachsen im Februar 2018 mitten im Abstiegskampf - und führte den VW-Club in nur 15 Monaten direkt in die Europa League. Aus einem verunsicherten und lethargischen Team formte er eine spielstarke Einheit. Nur mit dem neuen Sportchef Jörg Schmadtke verstand er sich nicht. Auch aus diesem Grund entschloss sich Labbadia, seinen auslaufenden Vertrag mit dem VfL vor einem Jahr nicht zu verlängern.

Klinsmann-Nachfolger Nouri konnte seit seiner Beförderung Mitte Februar kaum überzeugen und schaffte es mit einem Sieg aus vier Spielen nicht, Hertha aus der Abstiegszone zu führen. Mit 28 Punkten aus 25 Begegnungen steht der Verein auf Platz 13 und hat lediglich sechs Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone. Zu wenig für die eigenen Ansprüche des «Big City Club», der mit Investoren-Millionen des Unternehmers Lars Windhorst große Ziele verfolgt und in den nächsten Jahren möglichst schnell ins internationale Geschäft zurück will.

Laut «Kicker» befand sich der 40 Jahre alte Nouri in den vergangenen Tagen nicht mehr bei der Mannschaft. Obwohl Hertha seit Montag wieder in Kleingruppen trainiert, weilte Nouri laut eines Medienberichts bei seiner Familie in der Nähe von Bremen. Auch Nouris Assistent Markus Feldhoff hat keine Zukunft bei den Berlinern, Labbadia soll seinen langjährigen Vertrauten Eddy Sözer als Co-Trainer mitbringen.

Die stark eingeschränkten Trainingseinheiten mit Fokus auf dem konditionellen Bereich leitete in dieser Woche Athletiktrainer Henrik Kuchno. Zuvor stand Hertha durch die Auswirkungen der Corona-Krise mehr als drei Wochen lang nicht auf dem Platz. Wegen eines positiven Coronavirus-Tests bei einem Spieler musste sich das Team außerdem zeitweise für zwei Wochen in eine häusliche Quarantäne begeben. (dpa)