IEine Woche vor dem mit Spannung erwarteten Re-Start treiben Vereine und Organisatoren die Planungen für die Wiederaufnahme des Bundesliga-Spektakels voran. Die Clubs beziehen nach und nach ihre Quarantäne-Hotels, ein internes Papier der Deutschen Fußball Liga legt unter anderem Verhaltensregeln für den Torjubel und den Umgang mit Gesichtsmasken fest. Auch drei Tage nach der Erlaubnis der Politik, den Ball wieder rollen zu lassen, sorgt die Entscheidung für Diskussionen.

Kritik am Neustart

Nach Ansicht des langjährigen Ethikrats-Vorsitzenden Peter Dabrock ist die Fortsetzung der Saison eine Gefahr für die Solidarität in der Gesellschaft. „Das Konzept ist von vorne bis hinten nicht durchdacht und wird eine fatale Wirkung auf das gesamte Einhalten der Einschränkungen haben“, sagte der Theologie-Professor der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in einem Interview mit Bezug auf den DFL-Fahrplan.

„Wenn das Mantra lautet: kein Kontakt, Abstand, Hygiene, Schutz, aber man dann ausgerechnet eine Sportart zulässt, in der all das von Anfang an und notorisch nicht eingehalten werden kann, hat das natürlich Auswirkungen darauf, ob sich die Menschen fragen: Warum muss ich mich in meinem Bereich an solche Einschränkungen halten?“, erläuterte Dabrock.

Skepsis von anderen Sportlern

Die ehemalige Weltklasse-Biathletin Laura Dahlmeier steht dem Wiederbeginn schon am kommenden Wochenende ebenfalls skeptisch gegenüber. „Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn man noch ein bisschen warten würde, es muss ja jetzt nicht sofort wieder gespielt werden“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin. Der frühere Tennisprofi Nicolas Kiefer geht mit seiner Kritik noch weiter: „Ich halte das für absolut unverantwortlich. Es gibt im Moment ganz andere Baustellen“, sagte der 42-Jährige dem dem hannoverschen Stadtmagazin „magaScene“.

Gefahr für die Fans

Dabrock sieht auch eine Gefahr für Fans – und das nicht primär im Stadionumfeld. „Wenn nach den ersten zwei Spieltagen die Bundesliga wieder verschlüsselt übertragen wird, ist davon auszugehen, dass sich die Fans unter Freunden einfinden, die ein Abonnement haben oder sie gehen in die Kneipen, und dann gibt es eine Art Public Viewing“, sagte er mit Blick auf die Situation bei den Fernsehrechten. Während man Kneipenbesuche noch überprüfen und verbieten könne, seien Kontrollen bei Treffen im privaten Umfeld nicht möglich. Zudem komme im Wohnzimmer „natürlich das Bier dazu, natürlich gibt man sich bei einem Tor reflexartig die Hand oder fällt sich in die Arme. Das ist die reale Gefahr.“

Derweil appellierte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic an die Fans der Hessen, sich bei Spielen ohne Stadionzuschauer nicht am Stadion aufzuhalten. „Wir haben viel mit unseren Fans gesprochen und gesagt: „Hört zu, Jungs, taucht nicht am Stadion auf. Wenn ihr dort auftaucht, verlieren wir dieses Spiel, weil die Regeln sehr streng sind“. Denn wenn sie auftauchen, geht das Spiel ans Auswärtsteam“, sagte Bobic dem amerikanischen Sportsender ESPN. Der 48-Jährige ist zuversichtlich, dass sich die Anhänger an die Vorgaben halten.

Klare Vorgaben von der DFL

Um die Gefahren in den Stadien möglichst gering zu halten, hat die DFL in einem internen Papier „Covid-19 Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb“ klare Vorgaben für viele Situationen während und rund um die Partien gemacht. Sogar beim Torjubel sollen die Spieler die Corona-Krise im Hinterkopf haben. So sei nach Informationen der „Bild“-Zeitung nur „kurzer Ellenbogen- oder Fußkontakt“ mit den Mitspielern erlaubt. Auch die Einwechslungen sollen ohne das übliche Abklatschen durchgeführt, Rudelbildungen und Spucken vermieden werden.

Kapitän Hanno Behrens vom 1. FC Nürnberg hält nichts von den Kontakteinschränkungen beim Jubel nach einem Tor. „Wir werden unsere Tore genauso bejubeln wie wir‘s sonst auch machen“, sagte der 29 Jahre alte Nürnberg-Profi. Dabei gibt es nicht nur für die Torschützen, sondern auch für Trainer, Ersatzspieler und Betreuer klare Anweisungen. Alle Personen auf der Ersatzbank sollen eine Maske tragen, der Coach darf den Nasen- und Mundschutz allerdings zum Rufen von Anweisungen abnehmen, „sofern er einen Mindestabstand von 1,50 Meter von allen anderen Personen einhält“.