Ach, Bundesliga, meine Liebe,

was soll nur aus uns beiden werden? Wir haben uns auseinandergelebt, Du und ich. Nach so vielen Jahren, die wir gemeinsam verbracht haben. Klar, zuletzt konnte da keiner was dafür. Aber allein Corona die Schuld zu geben, das wäre nur die halbe Wahrheit.

Erinnerst Du Dich noch an unsere wilden Jahre? Damals, als alles anfing? Als Dir Jugendherbergen noch näher waren als edle Hotels? Du warst schon etwas privilegiert, wurdest umschwärmt und bewundert, aber man konnte mir Dir noch einwandfrei ein Bierchen in der Kneipe ums Eck zischen gehen. VIP-Räume kanntest Du nicht, unsere ersten Treffpunkte, in denen wir uns näher kamen, waren zugig, hatten kaum ein Dach und von den Mauern tropfte oftmals das Kondenswasser herab. Aber für uns waren diese gemeinsamen Spielwiesen das Beste auf der Welt. Verdammt noch mal, wir hatten uns. Mehr brauchten wir nicht. Das zwischen uns, es war Liebe auf den ersten Blick.

Ein wilder Beginn

Mein Vater stellte mich Dir vor. Ich war noch ein ganz junger Hüpfer. Du warst bereits einige Jahre älter. Damals in den 80er-Jahren trug ich Vokuhila. Deine extremsten Verehrer kamen sogar in Kutten mit Aufnähern. Wir waren wild, vor uns lagen unendliche Möglichkeiten, es war der Beginn einer Reise.

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Wo hat sie uns nur hingeführt? Wenn ich so zurückdenke, fing es bereits vor vielen Jahren an. Ich weiß, ich war Dir nicht mehr gut genug. Du wolltest einen anderen Lebensstil, den ich Dir nicht bieten konnte. Immer häufiger fühlte ich mich nur noch geduldet, während immer mehr Anzugträger Dich umgarnten. Sie versprachen Dir das große Geld, brachten Dich ins Fernsehen. Gefühlt saß ich da schon nur noch am Katzentisch. Und Du hast Dir ganz schön was eingebildet auf Dein neues Ich. Wolltest bewundert werden, nicht nur hierzulande, sondern von der ganzen Welt.

Irgendwann wurde es zu viel

Ein Stück weit bin ich diesen Weg noch mitgegangen. Zumal andere im Ausland es noch viel doller trieben. Es schien, als müsste das alles so sein. Aber irgendwann wurde es mir doch zu viel. Zu viel Geld war im Spiel, zu viel Geschäft. Irgendwie spielte das, um was es eigentlich ging, nur noch eine Nebenrolle. Ich machte Dir keine Szene, aber die Leviten habe ich Dir manches Mal schon gelesen. Andere schrien ihren Frust heraus, erklärten Deinen Förderer Dietmar Hopp und Deine DFB-Eltern zum Feindbild. Das war oft genug ungerecht, aber der Frust bricht sich irgendwie eben Bahn.

Dann kam Corona, unsere Trennung. Du hast mir gefehlt, nicht so wie früher, aber zumindest etwas. Vergangenes Wochenende konnte ich Dich zumindest mal wieder im TV sehen. Näher werden wir uns wohl auch in den kommenden Monaten kaum kommen. Eine Fernbeziehung eben. Ob ich das noch möchte? Die regionale Schönheit ums Eck, sie spielt zwar nicht in Deiner Liga, sieht aber auch ganz hübsch aus. Und hat bei Weitem nicht Deine Allüren, dafür echtes Interesse am Fußball.

Vielleicht versuchen wir es trotzdem noch einmal. Ja, ich komme nicht von Dir los. Vielleicht ist diese Zeit auch unsere Chance. Ich möchte mit Dir gehen. Aber Du musst Dich ändern. Wirklich ändern.

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