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Eric Maxim Choupo-Moting starrte fassungslos durch das imposante Rund des Finalstadions in Lusail, den Jubel einiger seiner Teamkollegen und sogar seines Trainers Rigobert Song konnte der Stürmer des FC Bayern München offenbar nicht so recht nachvollziehen. Kamerun war bei der WM in Katar in der Vorrunde ausgeschieden, wie jedes Mal außer bei dem legendären Viertelfinal-Einzug 1990. Für Freude war da bei Choupo-Moting kein Platz.

Ganz anders fühlte sich Vincent Aboubakar. Der etatmäßige Kapitän, der Choupo-Moting in den ersten beiden Spielen Stammposition und Kapitänsbinde hatte überlassen müssen, sorgte durch sein Tor in der Nachspielzeit für einen historischen Sieg. Aboubakar war über sein 1:0-Siegtor gegen das B-Team Brasiliens derart glücklich, dass er vergaß, verwarnt zu sein und wegen Trikot-Ausziehens Gelb-Rot sah. 

Erst Handschlag, dann Platzverweis

Schiedsrichter Ismail Elfath war die Situation sichtlich unangenehm. Er gratulierte Aboubakar erst per Handschlag zum Tor und klopfte ihm dann noch auf die Schulter, ehe er ihn vom Platz stellte. Doch Kameruns Kapitän war die Laune auch so nicht verdorben. «Es ist schade, dass wir ausgeschieden sind», sagte der 30-Jährige: «Aber das ist trotzdem ein besonderer Sieg.» Soll wohl heißen: Den Platzverweis war es wert.

Es war schließlich der erste Erfolg einer afrikanischen Mannschaft bei einer WM-Endrunde gegen den Rekord-Weltmeister. Es war der erste Sieg seit 20 Jahren für Kamerun bei einer WM, seit ein von Winfried Schäfer trainiertes Team 2002 gegen Saudi-Arabien 1:0 gewann. Und es war somit das zweitbeste Abschneiden der «unbezähmbaren Löwen» bei ihrer achten WM-Teilnahme. 

Der formidable Torhüter Devis Ebassy wurde von einem Journalisten aus der Heimat auf der Pressekonferenz als «Held» begrüßt. Für den 29-Jährigen, der seine gesamte Kindheit in Frankreich verbracht hat und erst 2021 Nationalspieler wurde, eine besondere Genugtuung. «Vor einem Jahr kannte mich noch niemand in Kamerun», sagte Ebassy, der ab dem zweiten Spiel den aus disziplinarischen Gründen suspendierten Stammtorhüter André Onana von Inter Mailand ersetzte. «Wir können stolz sein auf das, was wir geschafft haben. Wir haben gezeigt, dass wir auch eine Top-Mannschaft sind. Leider sind wir nicht weiterkommen.»

Trainer Rigobert Song, einst Kapitän des Nationalteams und Profi beim FC Liverpool und beim 1. FC Köln, hatte nach dem Schlusspfiff erst gejubelt. Rund eine Stunde später kam aber auch die Bitterkeit richtig hoch. «Ich bin stolz auf die Mannschaft, aber ich bin auch traurig», sagte Song: «Denn heute haben wir gesehen, dass mehr drin gewesen wäre für uns.» Doch letztlich entschied das 0:1 zum Auftakt gegen die Schweiz. «Doch ich bin sicher», so Song: «Dass meine junge Mannschaft an dieser WM wachsen wird.»