Vor dem Anpfiff wird allerorten lebhaft diskutiert. Freilich nicht, ob die Freiburger den großen Bayern würden Paroli bieten können, nein, direkt mit dem Spiel haben die Gespräche nichts zu tun. Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, soll im Fokus der Münchner Verantwortlichen stehen, war es urplötzlich durchs Internet gegeistert, und die Meinungen dazu sind am Sonntagnachmittag zwar nicht repräsentativ, aber  durchaus interessant. Bayern-Fans finden freundliche Worte für den Sportclub-Coach, die Freiburger Stimmungslage pendelt zwischen einem kernigen „des glaubsch jo selbscht it“ bis hin zu einer ultimativen Ansage an die Münchner Anhänger. „Der Krischtjan bliibt do“, sagt eine Frau im roten SC-Trikot, „und domit baschta!“

Auch im Kreise der Journalisten ist eher Skepsis zu vernehmen, wobei einer aus dem Badischen immerhin die Frage in den Raum wirft: „Und was, wenn er sich doch mal beweisen will bei einem großen Club?“ Nein, hat er nicht vor, der Christian Streich. Kurz vor dem Spiel und danach macht der der 52-Jährige eine klare Ansage. „Ich habe es nicht gelesen, ich habe es mir erzählen lassen“, erklärt Streich und er sagt auch klar, was er davon hält, dass die Bild-Zeitung dieses Gerücht in die Welt gesetzt hatte. „Es gab keine Anrufe, keinen Kontakt. Das ist ärgerlich. Warum erfinden da Leute Sachen, die nicht wahr sind?“

Freiburg nutzt große Chance zu Beginn nicht

Also zum Wesentlichen, zum Spiel. Erst Als der Ball rollt, gibt zunächst der SC Freiburg den Ton an – und nach zwölf Minuten muss es 1:0 für die Gastgeber heißen. Christian Günter erobert auf Höhe der Mittellinie den Ball, Jannik Haberer passt sofort auf Lucas Höler, der völlig freie Bahn hat. Alleine vor Sven Ulreich versucht es der Blondschopf mit einem flachen Schlenzer, doch der Bayern-Torhüter fährt reaktionsschnell noch das linke Bein aus und lenkt die Kugel am Pfosten vorbei. Es ist Ansichtssache: grandiose Parade, sagen die einen, der Höler hätte ja nur den Ball lupfen müssen, sagen die anderen. 

Und eines ist eben so gewiss, wie der Montag auf den Sonntag folgt: Wer als Außenseiter gegen die Bayern eine solche Riesenchance nicht nutzt, der wird bestraft. So geschieht es auch diesmal, aus Freiburger Sicht dann auch noch auf, salopp formuliert, blöde Weise. Einen weiten Pass von Mats Hummels will Thomas Müller in die Strafraummitte lenken, trifft dabei die Hacke von Caglar Söyüncü und bekommt so den Ball zurück – beim zweiten Passversuch rauscht die Kugel gegen den Oberschenkel von SC-Torwart Alexander Schwolow und von dort ins Tor. 25 Minuten sind gespielt, nur vier Minuten erzielt Corentin Tolisso mit einem fulminanten Schuss aus 30 Metern das 0:2. Die zwei Tiefschläge zeigen volle Wirkung bei den Südbadenern. Nichts geht mehr.

 

Treffer wird durch Videoschiri gegeben

Zur zweiten Halbzeit stellt Christian Streich um. Freiburgs Trainer bringt Angreifer Florian Kath für Verteidiger Lienhart, im Mittelfeld tauscht er Amir Abrashi gegen Nicolas Höfler und die Dreierkette macht er zur Viererkette. Die freilich wird schnell ausgetrickst von den Bayern. Sandro Wagner spitzelt den Ball ins Tor, die Freiburger reklamieren Abseits, doch nach einem Zwiegespräch mit dem Videokeller in Köln gibt Schiedsrichter Frank Willenborg den Treffer – 0:3 nach 55 Minuten.

Wenig später bemüht Willenborg den Kollegen am Rhein nicht. Er will selbst erkannt haben, dass Günter nicht gefoult worden ist, als er Joshua Kimmich den Ball durch die Beine spielt und im Strafraum zu Fall kommt. „Fehlentscheidung?“ wird Christian Streich später gefragt. Er antwortet mit gebotenem Sarkasmus. „Keine Fehlentscheidung – nur klarer Elfmeter für uns.“ In der Tat hatte Kimmich mit dem Gesäß Günter blockiert, es hätte Strafstoß geben müssen. 

So bleibt der SC Freiburg ohne Treffer – dafür setzt Thomas Müller (69.) sogar noch einen drauf zum 4:0-Sieg der Bayern. Die waren, um es wieder auf gut badisch zu sagen, e Nummer z’groß – und domit baschta!