Treffen sich Norweger und Deutsche in Villarreal... Was wie der Beginn eines schlechten Witzes klingt, ist auch einer. Der skandinavische Erstligist Molde FK hat das Europa-League-Spiel gegen die TSG Hoffenheim in Spanien ausgetragen. Es ist nur eine von mehreren Partien auf europäischer Bühne, die durch einen alternativen Standort coronabedingte Einreisebeschränkungen umgeht.

Dass das aber nicht pfiffig, sondern dreist ist, liegt auf der Hand. Regeln, die der normale Bürger befolgen muss, scheinen für den Profi-Fußball nicht mehr zu gelten. Nach dem Einreiseverbot für den Leipziger Champions-League-Kontrahenten Liverpool spielte man eben in Budapest. Ebenfalls seine Probleme mit Vorschriften hat Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München. Als Anfang Mai das Nachtflugverbot eine späte Abreise des deutschen Rekordmeisters nach dem Spiel bei Hertha BSC Berlin Richtung Klub-WM verhinderte, platzte dem Bayern-Boss der Kragen. Skandalös sei der Vorfall gewesen.

Was jedoch wirklich skandalös ist, ist Rummenigges Vorschlag, die Bayern-Profis bevorzugt zu impfen. Dies habe, wenn es nach dem Bayern-Boss geht, sogar gleich Vorbildfunktion und könne vielleicht den einen oder anderen Impfgegner überzeugen. Demut klingt anders. Doch gerade die wurde vergangenes Jahr von einer noch nach einem geregelten Spielbetrieb flehenden Branche versprochen – geblieben ist davon knapp zehn Monate später nichts.

Und es ist ja nicht nur der deutsche Rekordmeister, der derzeit an der Realität vorbeizugehen scheint. Auch die Uefa selbst lebt den Irrsinn vor, sonst würde der europäische Verband nicht an seinem Plan einer Europameisterschaft in zwölf Ländern festhalten – oder mit Ach und Krach den Spielplan in der Königsklasse und der Europa League durchdrücken.

Dabei haben die Nations-League-Partien im vergangenen Jahr oder die Handball-WM in Ägypten gezeigt, dass bei solchen Reisen Chaos unvermeidlich ist. Doch sich zu Corona-Zeiten nur auf den nationalen Fußball zu konzentrieren, ist der Branche eben nicht genug. Für Außenstehende bleibt nur das beschämte Kopfschütteln – wie bei einem schlechten Scherz.