Nein, gelangweilt habe er sich in den vergangenen Wochen zu keiner Sekunde. Das ließ Christian Streich die gut zwei Dutzend Medienvertreter wissen, die „bei der ersten im Internet stattfindenden Pressekonferenz in der 116-jährigen Vereinsgeschichte“ (SC-Sprecher Sascha Glunk) zugeschaltet waren. Ausgedehnte Spaziergänge „in unserer schönen Landschaft“ hätten ihn genauso bei Laune gehalten wie das ein oder andere Buch. „Und ich war zu ungewöhnlichen Zeiten bei meiner Familie. Samstags um halb vier zum Beispiel.“

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Morgen um die gleiche Zeit wird Streich erstmals seit dem 7. März wieder an der Seitenlinie stehen, um in Leipzig ein Spiel seiner Mannschaft zu coachen. Und es war mit Händen zu greifen, dass die Aussicht darauf den Fußballlehrer dann doch in andere Gefühlszustände versetzt als eine Radfahrt durchs Dreisamtal. „Wie soll einem so ein Neustart schwerfallen? Wir lieben doch alle dieses Spiel.“ Und weil dem so sei, würden auch die Fernseh-Zuschauer auf ihre Kosten kommen – trotz der bei Geisterspielen fehlenden Atmosphäre. „Die Spieler werden sich zerreißen.“

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Die Kritik am Frühstart der Branche kann Streich derweil nicht nachvollziehen. Der Fußball sei von einigen Journalisten und Medizinern „zu negativ dargestellt und in eine falsche Ecke gedrängt“ worden.

Dabei sei es „doch nur legitim, dass sich Menschen darum kümmern, dass die Leute im Fußball wieder arbeiten können“, so Streich, der sich, seit er wieder mit der Mannschaft arbeitet, hin und wieder dabei ertappt, dass er sich bei der ein oder anderen von den Hygienevorschriften diktierten Maßnahme fragt, ob das nicht „schon übertrieben“ sei.

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Doch das sei besser als zu großer Leichtsinn, wie er aus dem Video des daraufhin suspendierten Hertha-Spielers Salomon Kalou spreche. Darauf war zu sehen, wie statt des vorgeschriebenen Arztes ein Physiotherapeut in Shorts bei einem Spieler den vorgeschriebenen Abstrich vornahm – nicht der einzige offensichtliche Verstoß gegen die Vorschriften. „Das ist aber auch eine Frage der Eigenverantwortung. Wenn bei uns ein Spieler so was machen würde, kämen sofort zwei andere und würden ihn fragen, ob‘s noch geht bei ihm.“

Mit Videos auf Leipzig vorbereitet

Selbstredend hat sich Streich während der zweimonatigen Zwangspause aber auch oft im ansonsten verwaisten Trainerzimmer aufgehalten. Er hat sich Videos der kommenden drei Gegner angeschaut, was seinen Respekt vor RB Leipzig nicht geschmälert hat. Chancenlos sei man beim Champions-League-Aspiranten dennoch nicht, zumal der Sportclub zumindest in einer Hinsicht auch ein Krisengewinnler ist.

Kader fast vollständig wieder fit

Denn außer den Dauerverletzten Lukas Kübler und Florian Kath und dem angeschlagenen Yoric Ravet stehen Streich alle Spieler zur Verfügung, im März war das noch anders. Vor allem im Offensivbereich hat er die Qual der Wahl. Für die zwei Positionen im Angriff kommen mit dem zuletzt starken Roland Sallai, Luca Waldschmidt und Nils Petersen drei Spieler infrage. „Wer spielt, sage ich euch aber nicht.“ Stattdessen hielt er noch mal einen flammenden Appell für die Branche: „Es geht darum, dass alle einen Wettbewerb bieten, der so fair wie möglich ist. Wir wollen doch alle unbedingt Fußball spielen. Das ist unsere Arbeit, das ist unser Beruf und das ist das, was wir lieben.“

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