Singen ist ja verpönt zu Corona-Zeiten, auch für ständig getestete Profifußballer. Ein Erfolgserlebnis ungeniert auszuleben, würde kaum als vorbildliches Verhalten durchgehen. Als menschlich verständliches freilich schon, zumal dann, wenn man, wie jetzt im Fall der Kicker des SC Freiburg, Tolles zustande gebracht hat.

Nach 19 Bundesligaspielen ohne Sieg gegen Borussia Dortmund, nach 16 Niederlagen und drei Unentschieden, ein 2:1 gegen den großen Favoriten, wann, wenn nicht dann, sollten Glücksgefühle durch Kickerkörper zucken? Zuletzt hatte es am 8. Mai 2010 einen Dreier für den SCF gegeben, vom aktuellen Spielerkader waren nur Nicolas Höfler und Christian Günter damals schon Vereinsmitglieder.

Streich bisher ohne Sieg gegen Dortmund

Gesungen haben sie nicht in Freiburg, sich in den Arm genommen schon. Christian Streich, der als Trainer die BVB-Bilanz von 0-3-13 aufzuweisen hatte, hielt im Zwiegespräch mit Christian Günter auf gut südbadisch fest: „Jetzt hemmer gege alle mal gwonne.“ Ja, die Borussia aus Dortmund war der letzte Club, gegen den Streich noch keinen Bundesligasieg geschafft hatte.

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Deshalb wählte der 55-Jährige mit seinem Trainerteam eine spezielle Vorbereitung. Die Herren Streich, Lars Voßler, Patrick Baier, Florian Bruns und Andreas Kronenberg guckten Videos von BVB-Spielen und stellten einen Film zusammen, den sie dann der Mannschaft präsentierten. „Dass wir das am Freitag noch machen, ist ungewöhnlich“, erzählte Streich, aber die visuelle Unterstützung des beschlossenen Systemwechsels vom 3-4-3- auf ein 4-4-2-System schien notwendig.

Der Plan geht auf

Für staunende Reporter, die sich digital aufklären ließen, ging der Sportclub-Trainer ins Detail. Drei Punkte des Plans seien hier erwähnt. Zum einen sollte Wooyeong Jeong im Zentrum Alarm machen, was dem wuseligen und technisch beschlagenen Koreaner eindrucksvoll gelang.

Das Tor zum 1:0 war für ihn der verdiente Lohn. Dann nutzte Rechtsverteidiger Jonathan Schmid erwartete Freiheiten und besorgte das 2:0, bei dem BVB-Keeper Marwin Hitz allerdings mithalf. Und schließlich gelang es Höfler, Marco Reus aus dem Spiel zu nehmen, was dem nach 59 Minuten einen vorzeitigen Abgang bescherte.

Für Reus kam Youssoufa Moukoko, der prompt den Anschlusstreffer erzielte. Doch mit Hingabe brachten die Freiburger das 2:1 über die Runden. Ein Sieg also auch der Trainertüftler? Streich winkte ab. Man dürfe das System „nie über Leidenschaft, Willen, spezifische Intelligenz und individuelles taktisches Vermögen des Einzelnen stellen“, referierte der SC-Coach: „Taktik gewinnt keine Spiele, Trainer gewinnen keine Spiele, die Spieler gewinnen die Spiele!“